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Das erste Mal, oder: Neues anfangen kann man immer

  • Alphabet, Batterien, BH, Coca-Cola und Christentum
  • Dame, Dummheit, Erstes Mal, Ehe, Fotografie und Fingerabdruck
  • Geld, Hochhäuser und das ICH
  • die Jalousie sowie Katastrophe und Liebe
  • Maschine, Mathematik , Nutztier und  Oper
  • Post, Quiz und das Rad
  • Sünde, Tube und das Unbewusste; dessen Entdecker keineswegs Freud war.
  • Vaterland, Wohnung und X (das sich irgendwann in die deutsche Sprache stahl)
  • Yoga und Zählen


Anzufangen ist immer ein Wagnis. Was ziemlich sicher ist: nach dem ersten Mal kann man es immer noch besser machen. Hier beginnt also die Suche nach dem ersten Mal, und eins kann verraten werden, es ist leider stets ein vorläufiger Fund.

Wir Menschen tendieren dazu, etwas immer weiter in der Vergangenheit zu suchen und Anfänge kontinuierlich älter aussehen zu lassen.

Dieser Blog soll Appetit machen, sich aufs Angefangene einzulassen. Oder, immer wieder zu starten. Und es zeigt sich außerdem, dass die Fähigkeit des Menschen zu zählen und mit dem Zählen Prioritäten zu setzen, nicht nur Anfänge im kollektiven Bewusstsein verankert, sondern auch Kontinuität und sogar kulturelle Identität schafft.

Das Erfinderische ist allerdings nicht dem Menschen vorbehalten, sondern existiert auch in der Natur. Vieles, das der Mensch erfunden haben glaubte, existierte schon und wurde erfolgreich plagiert: der Klettverschluss, Stoßdämpfung, Hitzeschutz (womit sich die Bionik beschäftigt), aber auch das Konzept des Clans, oder gar der Kolonialisierung und Arbeitskräftehaltung, (Termiten) existierten schon vor den Menschen. 

© Traugott-Hajdu
© Traugott-Hajdu

Das erste Mal. Es ist wie mit dem Atom, das als unteilbar galt und doch in immer kleinere Teile zerlegt wurde. Irgendwann findet man vor dem ersten Mal ein erstes Mal. Kolumbus entdeckte Amerika nicht das erste Mal, Leif Eriksson auch nicht. Abgesehen davon war Amerika nicht Amerika, und auch nicht Vinland.

 

Die ersten Erfindungen werden selten jenen zugeschrieben, die sie gemacht haben, sondern jenen, die sie erfolgreich patentiert und das Monopol der Erschaffung an sich gerissen haben. Außerdem gibt es Anfänge, die nur kulturell bedingt wahrgenommen werden. Sieht man schon in Kaurimuscheln Geld? Gibt es einen Anfang des „ICH“ in Korea? Hat gar Gott alles angefangen?

Wer weiß? Das ist eine heikle Frage, aber durchaus berechtigt. Doch dieses Terrain der Spekulation birgt Fallstricke, und es ist fraglich, ob das menschliche Gehirn in der Lage ist, den Anfang von Allem, welcher vor seiner Existenz liegt, zu begreifen.

Um nicht schon beim Anfang aller Anfänge zu straucheln, gibt es eine ABC- Liste von Anfängen. Das ABC- war ja auch gewissermaßen ein Anfang, jener unseres heutigen Alphabetes. Was den Anfang der Schrift betrifft, so ist, wie bei allen Anfängen, der Beginn ein Angenommener. Denn die Geschichte der Erforschung aller Dinge zeigt: Man musste stets zurückdatieren, sobald man sich über den Anfang halbwegs einig war.

Also auf zum fröhlichen Spekulieren über Anfänge…und abwarten, wie sie mit der Zeit langsam Jahr und Jahr zurückwandern.

Alphabet, Batterien, BH, Coca-Cola und Christentum

Das Alphabet

Aber welches Alphabet nehmen: Das, von dem es seinen Namen hat, von den Griechen? Dann dürfen hier Piktogramme nicht berücksichtigt werden, also keine Hieroglyphen, keine chinesische Schriftzeichen und auch kein Mayacodex.

 

2000 vor Christus entstand das sogenannte protosemitische Alphabet unter semitischen Arbeitern in Ägypten. Sogar die Brahmischrift, eines der ältesten Systeme in Indien aus dem 3. Jh vor Christus, soll Impulse aus dem Altsemitischen und Griechischen übernommen haben. Die strikt regionale Kharoshthi- Schrift, ebenfalls im indischen Einflussbereich, soll noch 200 Jahre älter sein, sich aber an der aramäischen Schrift, welche aus dem Phönizischen kam, orientiert haben.

Streng genommen begann auch unsere Schrift als System von Piktogrammen, also von vereinfachten Abbildungen der Dinge. Das Alpha leitet sich vom Stierkopf mit Hörnern ab  

 

Das erste Alphabet im strengen Sinne können die Phönizier für sich verbuchen, welche Zeichen mit den kleinsten Lautelementen, den Konsonanten verschmolzen. Die Entwicklung des Phönizischen fand 1200 vor Christus statt. Ähnlich wie die beweglichen Lettern im Buchdruck ermöglicht das Alphabet eine Explosion der schriftlichen Ausdrucksmöglichkeiten.

Piktogramme, die zwar auch Lautwerte beschreiben, aber für ganze Begriffe stehen, haben den Nachteil einer gewissen Starre und dass man für jedes Wort ein Piktogramm lernen muss. Will man sich schriftlich variantenreich ausdrücken, muss man schon mehrere hundert Piktogramme und deren Kombinationen lernen.

 

 

 Batterien

gab es schon im Zweistromland, wenn man die galvanische Anordnung, die 1936 in Khujut Rabuah nahe Bagdad gefunden wurde als Batterie zählt. Die ist etwa 2000 Jahre alt.

Alessandro Giuseppe Antonio Anastasio Volta, erfand um 1800 die Voltasche Säule, die Ur-Form unseres Taschen-Elektrizitätsversorgers. 

Die ursprüngliche Idee, unter B, die Geburtsstunde des BHs,

also des Büstenhalters, zu eruieren, wurde aufgrund der universelleren Nutzbarkeit von Batterien aufgegeben. (Bh´s elektrisieren wohl nur Unterwäschefetischisten). Das Patent fürs Wäschestück für die Spaßlaberln erwarb Mary Phelps Jacob 1914; in der Villa del Casale oder Villa von Piazza Armerina gibt es ein Mosaik aus dem beginnenden 4. Jahrhundert, das einen Bikini oder eben einen BH mit Sporthöschen zeigen könnte. 

Serviertablett mit Coca Cola Motiv aus den Zwanzigerjahren des 19. Jahrhunderts
Serviertablett Foto: © Traugott-Hajdu

C wie Cola:

Dass ein morphiumsüchtiger Apotheker sich für die Cocapflanze interessierte und in Kombination mit der Kola-Nuss das erste Coca-Cola 1886 gegen Kopfschmerzen erfand, ist überall nachzulesen. Die Kolanuss ist in Afrika aufgrund ihrer stimulierenden und appetithemmenden Wirkung schon länger bekannt. Die Stämme Westafrikas verwendeten sie bei Riten und sie waren ein beliebtes Gastgeschenk.

In den 1880er Jahren erschienen viele Publikationen über die Kolanuss. Die deutschen Kolonien in Südwestafrika wurden gar als das Exportland ins Auge gefasst. Doch die Nuss, die einem Massengetränk ihren Kurznamen gab, gelangte schon mit den Entdeckungsfahrten der Portugiesen im 15. Jahrhundert nach Europa. Die ersten schriftlichen Zeugnisse um 1591 stammen vom Chronisten des portugiesischen Weltumseglers Ferdinand Magellan in seinem Aufsatz „Über das Königreich Kongo“.  Tja, den Gedanken, die europäische Union hätte das Monopol auf dieses zuckrige Gebräu  haben können, muss man verscheuchen, die Chance wurde vergeben.

 

Wann das Christentum als solches begann

(nämlich nicht mit Christi Geburt und schon gar nicht im Jahre 0) wäre interessant. Denn die Theologen sehen das Christentum schon mit Paulus´ Missionen erwachen. Aus jüdischer Sicht aber waren seine Gefolgsleute Juden, die den Messias verehrten. (Das bezeugt Flavius Josephus, jüdisch-römischer Geschichtsschreiber etwa 60 n.Chr.) In Antiochien findet man Christentum erstmals als Selbst- und Fremdbezeichnung im 2. Jahrhundert, womit das Christentum erst 1800 Jahre lang existiert.

Dame, Dummheit, Erstes Mal, Ehe, Fotografie und Fingerabdruck

Werbebild um 1926
Dame in der Werbung

 Die Dame

kam um 1600 aus dem Französischen in die deutsche Sprache. Das Gegenstück ist nicht der Herr, sondern der Dominus, der Hausherr oder besser Herr des Hauses, wobei Domina heutzutage ins Rotlichtgewerbe verweist.

Der Titel "Dame" war ursprünglich Adeligen vorbehalten. Die Assoziation, dass Damen dämlich und Herren herrlich sind bedarf daher dringend einer neue Bewertung.

Die erste Dame war wohl die Venus von Villendorf, sie dürfte auch die älteste sein und zwar im Sinn einer Herrin der Fruchtbarkeit: 30.000 Jahre sitzen ihr im Nacken. Über noch ältere ausgegrabene Damen wird hier diskret geschwiegen. Wer die Dummheit erfunden hat, das wird wohl nie mehr zu eruieren sein, auch nicht, ob dies ein Mann oder eine Frau tat. Die Bezeichnung Dummerjan aus dem 17. Jahrhundert lässt Übles schwanen.

In der europäischen Kulturgeschichte jedenfalls wird sie schon in der Antike mit einer Art der Gotteslästerung gleichgesetzt,weil sie moralische Blindheit bedeute.

Das erste Mal

Wo ein erstes Mal, gab und gibt es immer auch ein letztes Mal. Das erste Mal Universum löste das letzte Mal Nichts ab. Der erste richtige Kuss bedeutete das letzte Mal Kindlichkeit und der erste Sex verdrängte den letzten Tag der Jungfräulichkeit.

Wobei, das mit dem ersten Sex ist Ansichtssache.

 

Den hatten nicht Menschen, sondern eukaryotische Einzeller. Nachweisbar als mehrzellige Fossilien gibt es sie seit 1,5 Milliarden Jahren, und die hatten wohl den ältesten bekannten Sex, was vielleicht noch nicht so das Vergnügen bedeutete, das höhere Lebewesen haben, sondern nur, dass sie Chromosomen austauschten.

 

Logischerweise sollte man nach dem Ursprung der Ehe fragen, denn immerhin verschaffte sie der Menschheit verbrieften privilegierten Sex. Denkt man an das Jus primae noctis, das Gutsherren über ihre Leibeigenen verfügten, verschuf dieses Recht den priviliegierten Beischlaf nicht dem Ehegatten, sondern dessen Herrschaft. Ehe war ursprünglich Schutz-wie Zwangsgemeinschaft und ihre ältere Form nicht die Paarung, sondern die Gruppenverbindung gefolgt von Polygamie und Polyandrie.

Man muss sich schon in alten Gesetzestexten umsehen, will man was über diese Institution der Zweisamkeit (oder Mehrfachverbindung) erfahren. Favorit ist der Codex Ur-Nammu (Mesopotamien, 2100 v. Chr.)

aus dem Ratgeber im Fotografieren, 1931
Alte Fotoapparate

Die Natur konnte schon immer (genaugenommen etwa seit 3,5 Milliarden Jahren) Foto-synthetisch aus Licht ansehnliche Materie basteln und Atmosphäre schaffen.

 

Trotzdem dauerte es ewig bis zur im Vergleich dazu höchst primitiven Kunst der Fotografie.

400 vor Christus beschrieb Aristoteles die Lochkamera, mittels der man ein auf dem Kopf stehendes Abbild eines Gegenstandes in einen Kasten bannen konnte. Der ägyptische Gelehrte Alhazen erkannte um das Jahr 1000, dass das Auge als Linse aufgebaut war. 1799 gelangen dem Engländer Thomas Wedgwood Fotogramme, Kontaktkopien von Blättern auf mit Silberchlorid beschichtetem Glas, die seitenverkehrt waren und die er nicht fixieren konnte. Das älteste Fotogramm könnte sogar aus dem frühen 18. Jahrhundert stammen, sofern es von Thomas Wedgwood, James Watt oder Humphry Davy angefertigt wurde, allesamt Pioniere der Fotografie.

 

Joseph Nicéphore Niepce gilt als derjenige, der Bilder als erstes auf eine lichtempfindliche Schicht bannen und fixieren konnte. 1826 wurde das erste beständige Bild angefertigt: Es zeigt einen Blick aus einem Fenster wobei die Belichtungszeiten bis zu acht Stunden dauerte. Das Lichtbild hat also 200 Jahre überstanden und hat es in die virtuelle Welt der Elektronen, Bits und Bytes Ende der 1960er Jahre geschafft.

Der Fingerabdruck

als Erkennungsmerkmal und Identitätszuordnung war in Asien schon lange gang und gäbe, bevor er in Europa in die Kriminalistik unter dem Begriff Daktyloskopie Eingang fand. Schon 906 vor Christus besiegelten Geschäftspartner mit Fingerabdrücken Verträge und Urkunden.

Geld, Hochhäuser und das ICH

 Geld

Das germanische Urwort galt einer kultischen Handlung, also einer Opfergabe und wurde erst im 14. Jahrhundert als Synonym für geprägtes Zahlungsmittel verwendet. Money, mittelenglisch für das altfranzösische Moneie und lateinisch Moneta war eine alternative Bezeichnung für die Göttin Juno, deren Tempel neben einer Münzstätte lag und deren Büste auch mit Münzen versehen war. Moneta bedeutet übigens Mahnerin, das Wort monieren kommt davon.

 

Einen bestimmtem Gegenstand Tauschwert zu zuzuschreiben, gibt es schon lange. Dieser ist dann eine Naturalie, Schmuck oder Gebrauchsgegenstand. Irgendwann haben Menschen vereinbart, dass dieser Gegenstand als Gegenwert zu beliebigen anderen einen gültigen Nominalwert hat. Die ersten Funde von vermutlichem Metallgeld im Mittelmeerraum datieren um die Zeit 2000 v. Chr. Es sind Haustierminiaturen aus Bronze. Die ersten Münzen verwendete man in Lydien um 650 vor Christus.

Im 11. Jahrhundert druckten die Chinesen das erste Papiergeld. Die Italiener erfanden im 14. Jahrhundert immaterielles Geld. Ein Bankier verwaltete es und Transaktionen fanden durch Schriftverkehr statt. Es war die Geburt von Scheck und Wechsel.

Zaster, Kröten und Moneten haben, gleich seit wann es sie gibt, jedenfalls die Welt nicht wirklich bereichert, auch wenn viele unter Reichtum den Besitz von Geld verstehen. 

Aufnahme von Angelo Finelli 1917
Bologna im Mittelalter

Hochhaus

Ein richtiges Hochhaus, das mehr als fünf Stockwerke hatte, wurde grundsätzlich einfach nicht gerne gebaut, weil es zu mühselig ist, Stiegen zu steigen. 1624 aber errichteten die Augsburger ein Rathaus, das weltweit das einzige Gebäude mit mehr als 6 Stockwerken war. Diesen Rang hatte es 200 Jahre lang.

 

Wenn aber Türme als Hochhäuser gelten, dann ist Augsburg ein Jungspund, denn dann könnte man das erste Hochhaus ins 12. Jahrhundert verlegen, wo italienische Adelige sich zwecks Schutz aber auch Protzerei Türme bauten, die sogenannten Geschlechtertürme.

Sie waren bis zu 70 Meter hoch, was gut 18 Stockwerken entsprach.

Die Entwicklung des Personenfahrstuhls durch Elisha Otis 1854 und jene der Skelettbauweise, welche hohen Bauten Stabilität verlieh, gaben dem Hochhausbau jenen Impuls, der ihn zur Massenarchitektur machte. Der Burj Khalifa in Dubai, mit 163 Stockwerken steht also in einer fast 900 Jahre alten Tradition und ist mit 828 Metern Höhe etwa so hoch wie der Hochhausbau alt ist.

© Traugott-Hajdu
© Traugott-Hajdu

Kaum zu glauben, aber es gibt ein erstes Mal für das Ich.

Dass es ein Solches gibt, wissen nur ganz wenige Lebewesen, was man mittels dem Spiegeltest eruieren kann. Wer sein Ich nicht erkennt, wird sein Spiegelbild angreifen oder zumindest bedrohen.

Eindeutig wird es, wenn ein Mensch oder Tier im Spiegel eine angebrachte Markierung am eigenen Körper erkennt. Ein Mensch erkennt das mit 24 Monaten, wobei es umstritten ist, ob dieser Test etwas über die ICH-Wahrnehmung aussagt, die wohl komplizierter als nur ein visuelles Sich-selbst-Erkennen abläuft. Delfine, Elstern, Elefanten und Menschenaffen bestehen diesen Test, nicht aber die als intelligent geltenden Oktopusse.

 

Dass es eine Ich-Empfindung gibt, erkennen Entwicklungspsychologen auch am Auftreten von Emotionen wie Stolz und Scham. Das Ich ist aber genauso an ein Beziehungsgefüge geknüpft. In der koreanischen Sprache gibt es kein eindeutiges einzelnes Wort für „Ich“ was auch gesellschaftliche Beziehungen prägt.

 

Wo Ich anfing ist ein Kapitel in John Kotres Buch „Der Strom der Erinnerung“ Mit der frühesten Erinnerung (etwa mit 3 Jahren) stelle das Gedächtnis Kontraste oder Kontinuität her. Diese Erinnerung sei der subjektive Ausgangspunkt eines Menschen, es sei der Punkt, von dem aus das Leben steil bergauf oder bergab ginge. Doch gleich wann das ICH anfängt, eine lebenslange Baustelle bleibt es allemal...und neuerdings gibt es sogar Wissenschaftler, die sagen: Selbst- oder Ichbewusstsein sind eine Vorgaukelung des Gehirns , auf die nur wir Menschen hereinfallen. 

 

Das Ich-Empfinden ist schon seit mindestens 40.000 Jahren dokumentiert, wie Handabdrücke neben Höhlenmalereien zeigen. Denn sie bezeugen: „Ich war da.“

Individuelle Spuren bewusst zu hinterlassen, deuten schon auf ein starkes Ich- Bewusstsein hin.

Jalousie , Katastrophe und Liebe

Jalousie.

Bauhistorisch ist die Jalousie in Form des Gitterfensters (Transenna) vermutlich älter als das Fenster aus Glas. Kurzum, sie ist der älteste Fenstereinsatz. Die Jalousie hat ihren Ursprung wohl in den Haremsfenstern, Mashrabyas. Die ältesten kennt man aus dem 12. 13. Jahrhundert aus Bagdad.

 

Jalousie bedeutet nämlich auf französisch „Eifersucht“ und so waren die Ur-Jalousien so konstruiert, dass Frau zwar hinaus, aber kein Mann in die Wohnung hineingucken konnte. Das erklärt, warum niemand daran dachte, aus den Mashrabyas echte hochziehbare Jalousien zu konstruieren.

 

Das wäre ja unerhört, wenn die Haremsfrauen ihre Lamellen hochziehen hätten können!

 

 

Ebenso wie diese orientalischen Gitter waren auch die ersten Jalousie-Einsätze für europäische Fensterläden anfangs nicht verstellbar. Idealerweise waren die Lamellen in einem Abstand von 30 Millimetern und in einem Neigungswinkel von 45 Grad angeordnet, was eine gute Luftzirkulation ermöglicht.

 

 

1812 meldete der Tischler Cochot in Paris eine Erfindung zum Patent an: Eine mit verstellbaren und wendbaren Brettchen (Lamellen) versehene Jalousie, die dem heute noch verwendeten Prinzip entspricht.

 

In Italien und Spanien heißen Jalousien Persianas. In Frankreich nannte man sie Persienne, was auch auf die Herkunft des Sicht- und Sonnenschutzes hindeutet. Ist in Spanien eine Jalousie heruntergelassen, bedeutet es, dass man zu Hause ist. 


Untergang von Sodom © Traugott-Hajdu
Untergang von Sodom © Traugott-Hajdu

K wie Katastrophe

Das griechische Wort bedeutet „Wendung zum Schlechten“. Was unter den Begriff Katastrophe fällt, definieren Katastrophenschutzgesetze. Umwelt- und Katastrophengeschichte hat sich mittlerweile als eigener Zweig der Geschichtswissenschaft etabliert. Dank dem Gilgameschepos kennen wir die große Sintflut (welche in die Literatur vieler Völker Eingang gefunden hat) als eine der ältesten beschriebenen Katastrophen.

 

Zum ersten Mal geriet das Leben auf der Erde vor 445 Millionen Jahren in Bedrängnis, als sich Meeresströmungen änderten und eine eine Million Jahre lange Eiszeit herrschte. Es war das zweitstärkste der fünf großen Massensterben mehrzelliger Organismen. Das größte fand vor 251 Millionen Jahren statt, als Lava die Temperatur um 6 Grad steigerte und anaerobe Bakterien die Luft mit Schwefelwasserstoff verpesteten.

 

Die kurios klingende, aber für viele Menschen dramatisch verlaufende Tanganjiika-Lachepidemie war eine, die nicht nur die psychische Gesundheit, sondern auch Leben bedrohte. Von ihr waren 1962-63 immerhin tausend Personen betroffen.

Diese Ausprägung einer Massenhysterie, bei der die Lachanfälle mehrere Monate andauerten, war eine Abreaktion auf disaströse Verhältnisse und kostete etliche Menschenleben. Auch sie fällt in die Kategorie Katastrophe.

Gebrauchsanweisung für die Liebe
Gebrauchsanweisung für die Liebe

Liebe ,

romantische Liebe: Die gibt es gar nicht so lange wie man glaubt, vor allem nicht als Anstoß für lebenslange Ehen. Plato setzte sich mit ihr in seinem Werk „Das Gastmahl“ auseinander, was wohl 416 vor Christus stattfand.

Die älteste bekannte Liebesgöttin, sie ist auch interessanterweise gleichzeitig die Göttin des Krieges, ist Ishtar. Sie steht für das sexuelle Begehren und wurde als Mann oder Frau oder als Mannweib dargestellt. Ihr Herz ist ein rasender Löwe, ihr Gemüt ein wilder Bulle. Wenn sie was will, scheut sie sich nicht davor, Sex einzusetzen. Mit romantischer Liebe hat sie also nicht viel zu tun, eher mit Begehren (was zur Liebe wie zum Krieg passt).

 

Die romantische Liebe ist ein Konzept aus dem 18. Jahrhundert. Die erste Liebe eines jungen Menschen mag datumstechnisch extrem variieren, es mag aber die Erinnerung an sie länger währen als an manch romantisch begonnenes Beziehungsdesaster. 

Maschine,  Mathematik, Nutztier und Oper

Mehr als Blech: Maschinen © Traugott-Hajdu
Mehr als Blech: Maschinen © Traugott-Hajdu

Das dorische Dialektwort machana abgeleitet von Mechos (Hilfsmittel) bezeichnete Werkzeug bzw. Kriegsgerät als Maschine, die Franzosen übernahmen es ebenfalls in der Bezeichnung für Kriegsgerät/ Belagerungs-maschine und von dort gelangte im 17. Jahrhundert das Wort ins Deutsche.

 

Der Mechanismus von Antikythera ist wohl eines der ältesten feinmechanischen Geräte und stammt aus dem ersten Jahrhundert vor Christus. Es handelte sich um eine ziemlich komplexe astronomische Uhr, die man den alten Griechen übrigens so früh nicht zutraute.

 

Die älteste Kriegs- bzw. Tötungsmaschine war per Definitionem der Steinzeitbogen, er ist 20.000 Jahre alt. Er ist eine Maschine, weil er bewegliche Teile hat, Energie übertragen und dem Menschen Kraft sparen kann.

Mathematik

Nachweise erster Anfänge von Zählverfahren reichen ca. 50.000 Jahre zurück. Denn um Maschinen zu bauen, braucht man irgendwann die Mathematik. Vor 6000 Jahren waren die Ägypter schon ziemlich gut in Geometrie, was ihre Pyramiden beweisen, ebenso wie die Mesopotamier Mathematik betrieben und Wurzel zogen. Die alten Griechen hingegen stellten die Rechenkunst in den Dienst der Philosophie. Vor 1800 Jahren verwendete man in Indien schon die Null was eine Revolution der Berechnungsmöglichkeiten bedeutete. Das arabische Wort Sifr ( auf deutsch  Ziffer!) für Null  weist darauf hin.

© Traugott-Hajdu
© Traugott-Hajdu

 

Nutztier

 

Die Anfänge der Tierhaltung liegen weit zurück. Die Nahrungsquelle, den Jagdgefährten, Mäusefänger und Wächter im unmittelbaren Umfeld der Behausung oder sogar innerhalb der Wohnung zu haben, hatte einen Beginn. Vielleicht war dieser auch der Anfang vom Ende des Animismus und der Vergöttlichung bzw. Vergötterung von Kreatur und Naturgeschöpf? (Okay, es gibt Hundehalter, die ihren Vierbeiner bis heute vergöttern...alles ist relativ...)

Wann also fing die Nutztierhaltung an, als Teil der menschlichen Selbsterhaltung ein gehäuftes, zu einer Kultur gehöriges Phänomen zu werden?

 

Die einzige Haltung vor der Neolithischen Revolution (also der Jungsteinzeitlichen Phase vor mehr als 11.000 Jahren, als Jäger und Sammler zu sesshaften Bauern wurden) die nachweisbar ist, ist die Domestizierung des Hundes. Es gibt Wissenschaftler, die dies sogar 100.000 Jahre zurückdatieren.

Die Milchkuh oder anderes Milchvieh gab es erst vor 8000 Jahren. Die Fähigkeit, Milch auch im Erwachsenenalter zu verdauen, ist vor etwa 7.500 Jahren in einer Region zwischen dem zentralen Balkan und Mitteleuropa entstanden. Als der Mensch Milch von Tieren nutzte, mutierte in ihm auch ein Enzym, um Milchzucker zu verwerten, die Laktase. Fast parallel zur Milchviehhaltung kam übrigens auch die Haltung von Honigbienen, die Imkerei auf. Sie ist durch das Bienensterben gefährdet: In China müssen mittlerweile Menschen die Fruchtbestäubung vornehmen.

Aida, leider nicht bei den Pyramiden uraufgeführt. © Traugott-Hajdu
Aida, leider nicht bei den Pyramiden uraufgeführt. © Traugott-Hajdu

Das Wort Oper

kommt vom italienischen Wort Opera = Werk und bezeichnet ein Musikdrama. Wir merken gar nicht mehr, wie sehr Drama und Musik sich gegenseitig hochschaukeln, denkt man an den Abkömmling, den Film mit seinem Soundtrack.

 

Die ersten Schritte ins Musikdrama tat der Dyonisoskult um den griechischen Weingott und war Vorläufer des griechischen Theaters, das mit Chorgesängen unterstützt wurde. Einer der Beinamen des Dyonisos war „Sorgenbrecher“, was einer der Intentionen der Oper durchaus entspricht.

 

Andrea Gabrieli soll 1585 für singenden Darsteller die Musik zu „Orpheus und Amphion“ anlässlich einer Adelshochzeit komponiert haben. Davon sind sogar Szenenbilder überliefert und es ist anzunehmen, dass es bei der Hochzeitsfeier ziemlich dyonisisch zuging, also mit Wein und Gesang auf jeden Fall.

Florenz gilt als die Geburtsstätte der Oper, die also in unserem Sinne nicht mehr als 400 Jahre schafft. Die „Florentiner Hellenisten“ wollten damit das griechische Drama wiederbeleben. Als erstes Werk der Gattung gilt La Dafne von Jacopo Peri (1597), Vorläufer der Arie war das Rezitativ, das eher deklamiert als gesungen wurde.

In China gibt es die Pekingoper mit hohem akrobatischem, pantomimischem und kämpferischem Einsatz, dafür aber Klängen, die das europäische Ohr selbst seit der Moderne nicht mit Oper assoziiert. Anhui, Hubei und Shaanxi waren die Geburtsorte dieser Kunstform, die sich erst Ende des 18. Jahrhunderts etablierte.

Post, Quiz und das Rad

© Traugott-Hajdu
© Traugott-Hajdu

Post

Schon 500 Jahre vor Christus richtete Kyros der Perserkönig ein Botensystem ein, während die Ägypter den Nil als effizienten Postverkehrsweg nutzten, wobei die innerägyptische Nachrichtenübermittlung von der Polizei besorgt wurde was offensichtlich zur Vorsicht beim Briefeformulieren gemahnte.

 

Solange es die Post nicht gab, war man auf Kuriere angewiesen, und die konnte sich erstens nicht jeder leisten und zweitens gab es ein großes Risiko, denn je weiter der Weg des Boten, desto unwegsamer und bedrohlicher.

 

Der griechische Bote Pheidippides war der berühmte erste Marathon-man 490 v. Chr. (von Athen in zwei Tagen nach Sparta). 500 Jahre später dichtete man ihm die Legende vom tot zusammengebrochenen Siegesverkünder, den die 40 Kilometer Lauf dahingerafft haben sollen, an.

 

Unter dem römischen Kaiser Augustus um Christi Geburt soll es ein hervorragend funktionierendes Postwesen gegeben haben. Das Wort „Post“ kam von „Posta“, Pferdewechselstation.

Das Postwesen in unserem Sinn begann in der Neuzeit, wobei sich einfache Leute weder Schreibutensilien (geschweige denn schreiben) und Pergament noch die Bezahlung von Boten leisten konnten.

Österreich spielt dank Maximilian, der von Innsbruck aus mit seinem minderjährigen Sohn in den Niederlanden korrespondieren wollte, eine essenzielle Rolle für die Initiationszündung systematischer Briefbeförderung. Ein gewisser Herr Janetto von Taxis, seines Zeichens Kurier in Italien, zog das erste Postwesen mit Hilfe seines Bruders Franz 1490 im Dienste Maximilians auf.

 

Die Post, wie sie dann im 18. Jahrhundert als staatliche Institution in Österreich auch von Bürgern genutzt werden konnte, wurde aber grundsätzlich nicht zugestellt, sondern von den Pferdewechselstationen bzw. Gasthäusern (der Name „zur Post“ erinnern daran) abgeholt. Heute kommt man durch die Privatisierung der Post auf diese Unsitte zurück. Die Idee des Porto und der Briefmarke entstand im 17. Jahrhundert in Frankreich.

 Quiz

soll ursprünglich Kauz bedeuten, aber eben auch "abfragen" oder sogar "hänseln". Quiz steckt auch in Inquisition. Inquiro, oder Inquisitio bedeutet erforschen, untersuchen. Wer ein quizzical ist, ist eine fragwürdige Person.

 

Irgendwann mal wurde es das Wort für eine Frage- und Antwortspiel. Eine Legende besagt, dass 1791 der Besitzer eines Theaters in Dublin wettete, er könne ein Wort innerhalb von 24 Stunden neu in den Wortschatz seiner Sprache einführen. Er dingte ein paar Straßenkinder, das Wort Quiz, das in dieser Form ein sinnleeres Wort war, an die Hauswände von Dublin zu schreiben. Am nächsten Tag hatte es schon eine Bedeutung und Herr Richard Daly, der Theatermann, soll einen Batzen Wettgewinn eingestreift haben. Allerdings ist nachgewiesen, dass dieses Wort vor 1791 schon in Verwendung war, vielleicht tatsächlich als Verballhornung des lateinischen Inquisitio.

 

Doch wann begann das Quiz als Frage- und Antwortspiel? Sicher nicht erst in der Ära von Rundfunk und Fernsehen. Es gehört zu den sogenannten Konversationsspielen. Möglicherweise gehen die Quizspiele Hand in Hand mit den Salonspielen und mit dem Aufkommen des sogenannten Konversationslexikons, des Vorläufers der Enzyklopädien. Diese wiederum sind mit dem Aufstreben des Bürgertums verbunden, also Anfang des 18. Jahrhunderts.

 

Der Salon diente dem freien Ideenaustausch, ungeachtet der Schranken von Klasse und Geschlecht. Konversation war Regeln unterworfen und wurde in ernsthaften Gesprächsaustausch und in heitere ungezwungene Konversation eingeteilt, wo auch Scherzhaftes und Spielerisches seinen Platz fand. Konversation sollte unterhaltsam sein, wobei Besserwisserei gegenüber Höhergestellten verpönt war.

 

Zu den Salonspielen in Frankreich zählten etwa die Questions. Gut möglich, dass also die Wurzeln des Quiz hier liegen. 

die Standarte von Ur zeigt Scheibenräder
die Standarte von Ur zeigt Scheibenräder

Das Rad

 

Angeblich wird es völlig unnütz von unverbesserlichen Idealisten und Profilierungswütigen laufend aufs Neue erfunden, aber seit dem es existiert, hat sich das Phänomen des Überrollt-werdens (meist vom Rad des Fortschrittes) ziemlich gehäuft.

Das Rad ist ein ambivalentes Ding: Fortbewegungsmittel und Folterwerkzeug zugleich.

Diese runde Sache, die soviel bewegt hat, besitzt keinen fixen Geburtsort. Fest steht, es rotiert schon seit 6000 Jahren im Dienste der Menschheit. Die Speiche, die das Rad leichter und beweglicher gemacht hat, wurde erst 2000 vor Christus erfunden, als man Metall kannte (wobei ihre Konstruktion und ihr Einbau höchste Genauigkeit und handwerkliche Geschicklichkeit brauchte). Auch die Achse wurde nicht gleichzeitig mit dem Rad erfunden.

Zugtiere für die ältesten Räderkarren sind Ochsen, Esel, Pferde und Hunde, auf einer griechischen Vase ziehen (500 v.Chr.) Hunde ein Rädergespann.

3100 vor Christus wurden Rad und Achse von Stare Gmajne verwendet und stammen möglicherweise vom ältesten bekannten Räderkarren in Europa, der von Ochsen gezogen wurde.

Ein von Equiden (Wildeseln) gezogenes Fahrzeug sieht man auf der Standarte von Ur, beinahe 4500 Jahre v. Chr. Diese frühen Kampfwagen erreichten das gemächliche Tempo von 20 kmh. 

Sünde, Tube und das Unbewusste

Zum Fressen: Der Sündenfall auf dem Brotlaib
Zum Fressen: Der Sündenfall auf dem Brotlaib © Traugott-Hajdu

Sünde

soll laut Wikipedia im Hebräischen das Verfehlen eines Ziels bedeuten, und tatsächlich haben ja Adam und Eva, die den Apfel vom Baum Erkenntnis gegessen haben, ihr Ziel verfehlt, sofern sie eins hatten. (Wenn die Überlieferung nicht falsch verstanden ist, taten sie es aus kindlicher Neugier und einfach nur um zu sehen was passiert, wenn sie ein Gebot übertreten).

 

Was für ein Ziel die Schlange hatte, ist auch nicht ganz klar. Anscheinend war sie eifersüchtig auf die Menschen und wollte Gott in die Schöpfungssuppe spucken.

Für die erste Sünde wird übrigens nur Adam verantwortlich gemacht und nicht Eva oder die Schlange.

 

Adam war ja grad mal ganz kurz Mensch und schon wurde ihm der erste Fehler zum Verhängnis. (Ab da war es aus mit der Fehlertoleranz der Menschheit).

Vielleicht aßen auch Adam und Eva gar keinen Apfel, denn das lateinische Wort malus bedeutet Apfelbaum und Böses. Gut möglich, dass die Schlange Adam und Eva vom Bösen kosten ließ.

 

Die Übersetzung ugaritischer Tontafeln, die 800 Jahre vor der Genesis entstanden, lässt übrigens Zweifel aufkommen, ob Adam der erste Sünder war, denn da läuft die Geschichte mit der Schlange etwas anders ab und Adam versucht, das Paradies und die Unsterblichkeit zu retten, scheitert aber.

Im alten Reich in Ägypten kannte man den Sündenbegriff schon mehr als 2000 Jahre vor Christus. Es sieht ganz so aus, als stünde die Wiege des Sündenbegriffs wie wir ihn kennen, im alten Orient und kann nicht ohne die direkte Beziehung des Menschen zu Gott oder Gottheiten existieren. Damit er funktioniert, muss zudem ein Gott stets auch ein Richter sein (bzw. Stellvertreter haben, die vor Verjährung richten. Am Ende aller Zeiten gibt’s ja vielleicht noch einen Einspruch).

Die gute alte Tube,

wann gab es sie zum ersten Mal? Diese Meisterin des Dosierens, auf unterschiedlichste Weisen plattgedrückt und gequetscht, die ganz gerne nach längeren Reisen wie angeekelt ihren Inhalt in Form einer übermäßig langen Creme- oder Geleewurst von sich gibt und anpatzt, was sich grade unter ihr ausbreitet. Oft sieht das Endergebnis anstatt einer elegant geschraubten Wurstspirale meist aus wie Taubenschiss.

 

Die Tube hat ihren Namen von Tubus, Röhre, bei der man sich ein gleichmäßig geformtes Röllchen vorstellt. Ursprünglich bestand der Tubenfüllkörper aus Zinn und erst später aus Aluminium und Kunststoff. Ihr Vorteil ist ein hygienetechnischer. Nur die oberste Schicht des Inhaltes kommt mit Luft oder Bakterien in Kontakt.

 

Der amerikanische Maler John Goffe Rand erhielt für die Tube 1841 in den USA ein Patent mit der Nummer 2252. Das hängt mit der Bewegung der Freilichtmalerei zusammen, die im 19. Jahrhundert keimte und aufblühte. Vorher hatten Maler in der Natur nur Studien und Skizzen angefertigt, die sie in ihren Ateliers ausführten. Frisch gefertigte Farben wurden in einer Schweinsblase transportiert. War die einmal angestochen, musste man alles verarbeiten, oder es trockneten die angemischten Farben rasch aus. Dank der Farbtuben und tragbaren Staffeleien waren die Freiluftmaler in der Lage, ihre Bilder vor Ort entstehen zu lassen.

 

Pierre-Auguste Renoir meinte sogar:„Ohne Tubenfarben würde es keinen Cézanne, keinen Monet, keinen Pissarro und keinen Impressionismus geben.“ Herr Rand, der Erfinder verdiente allerdings an seinen Tuben nicht besonders, und lebte von seinen Porträts, die er für illustre und betuchte Personen anfertigte. Sein erster Arbeitgeber war Samuel Morse, dessen Namen mit der Erfindung des ersten brauchbaren Schreibtelegrafen in Verbindung steht, der aber von Hauptberuf Professor für Malerei, Plastik und Zeichenkunst war. Es sieht ganz danach aus, als hätte Morse Rand mit seinem Erfindergeist angesteckt.

Knapp 50 Jahre nach der Erfindung der Malertube wurden auch Zahnpastatuben verkauft. Dass Tuben auch ein Segen für die Pharmazie oder Kosmetikindustrie werden würden, stand noch gar nicht zur Debatte.

Unbewusstes und seine Entdeckung

Es ist in aller Munde, allgemein als Unterbewusstsein, weil es jedoch nicht dem Bewusstsein zugänglich ist, nennen es die Psychologen das Unbewusste. Freud hat es nicht entdeckt, sondern systematisiert und prominent oder gar populär (?) gemacht.

Leibniz, Schelling und Schopenhauer verwendeten den Begriff „Unbewusst“. Aufgetaucht ist er Mitte des 18. Jahrhunderts. Philosophen, Romantiker und Ärzte bedienten sich seiner gerne und setzten sich damit auseinander; so auch der Arzt Franz Anton Mesmer, (1734-1815) der als einer der Väter der Hypnose gelten darf, wenn er auch das Phänomen des Kontaktes mit dem Unbewussten verkannte und als „tierischen Magnetismus“ bezeichnete.

Thomas von Aquin formulierte im 13.Jahrhundert, dass es Vorgänge in der Seele gäbe, derer wir nicht unmittelbar gewahr seien.

Sogar Plato schrammt in Timaios im 5. Jahrhundert vor Christus an dem Begriff knapp vorbei: Gott habe die Seherkunst „wirklich mit dem bewußtlosen Teile der Menschenseele verknüpft… „Keiner, der seines Bewußtseins mächtig sei, sei eines gottbegeisterten und wahren Seherspruchs fähig, sondern nur entweder im Schlafe, wo also die Denkkraft gebunden ist.“

 

Er beschrieb das „Unbewusste“ somit als Zustand, in dem die Gedankenenergie quasi demobilisiert ist im Gegensatz zu jenem, wo ein Mensch Macht über sein Bewusstsein hat.

 

Patanjali, ein indischer Gelehrter schreibt in seinem Yogaleitfaden 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung, vom  Samskara, von unbewussten Eindrücken.

Alte indische Weisheitslehren wie die bis zu 2700 Jahre alten Upanishaden und auch der Buddhismus trennen Bewusstes und Unbewusstes nicht. Die Yogachara- Schule (in Indien,Tibet, China und Japan) unterscheidet 8 Arten des Bewusstseins: Das universelle Bewusstsein ist das Grund-Bewusstsein oder Speicher-Bewusstsein, eine fruchtbare Matrix für Prädispositionen, was verblüffende Ähnlichkeit mit neuesten empirisch belegten Erkenntnissen zeigt, wie sehr unsere Handlungen (und daher gewissermaßen unsere Schicksale) von nicht-bewussten aber gespeicherten Erfahrungen (die bis vor unsere Geburt reichen), beeinflusst sind.

Das Problem ist, dass Buddhismus und Hinduismus „metaphysisch“ an das Thema herangehen (das universelle- oder subtile Bewusstsein ist nämlich nicht an den materiellen Körper gebunden).

 

Die verschiedenen Disziplinen der westlichen Wissenschaften hingegen (Neurowissenschaft, Psychoanalyse, Kognitionspsychologie und Philosophie) können nicht auf einen Nenner kommen, wenn es darum geht, das Unbewusste zu erfassen. Es gibt nämlich bis heute „territoriale“ Schwierigkeiten.

Schamanen der Naturvölker arbeiteten immerhin mit dem Unbewussten, lange bevor es dafür einen Namen gab.

Der Wissenschaftsjournalist Gerd Scobel meint, dass die Unterscheidung zwischen bewusst und unbewusst ohnedies absurd sei. Die Frage, was das Unbewusste ist, sei weder empirisch noch theoretisch leicht zu beantworten. Wann also das Unbewusste als erstes entdeckt wurde, ist schon deshalb nicht zu beantworten, weil niemand eindeutig und klar feststellen kann, was es genau ist und wo es beginnt und endet.

Vaterland, Wohnung und X

V wie Vaterland

ist ein Begriff, der nicht überall verwendet wird. Russland kennt man ja als Mütterchen.

Immerhin sind „Vaterländische“ Patrioten, und das Mutterland wird nur verwendet, wenn man sich etliche Kilometer vom Vaterland entfernt hat.

Bei uns kam es im 12. Jahrhundert vom Wort „Patria“ in den Sprachgebrauch. Es waren also schon die alten Römer patriarchalisch, oh, patriotisch gesonnen.

Matthäus schrieb in Vers 13, dass der Prophet nichts in seinem Vaterland gilt. Das Land der Väter ist also auch ein biblisches und ziemlich alt.

In seiner neunten Auflage 1959 schreibt der neue Herder von einem Land der Väter, „...das in Liebe durch Blut und Schweiß geformt und von Geschlecht zu Geschlecht überliefert wurde“. Bleibt zu hoffen, dass heutige Generationen von so einem kitischig-bombastischen Patriotismus verschont bleiben, egal wie viele Jahre der Begriff sich schon durch die Geschichte zieht.

die ältesten Appartements der Welt?
Catal-Hüyük rekonstruiert; Bild von Stipich_Béla

 

Wohnung

Je bedrohter das Leben, desto blindwütiger wird gewohnt, schreibt Gert Selle in dem Buch „Die eigenen vier Wände.“ Er meint auch, dass sich an befestigten Adelssitzen (den donjons bzw. Wohntürmen) einer Burg die erste Binnendifferenzierug des Wohnens vollzog, nämlich die Unterteilung in private und öffentliche Räume.

 

Dabei bedeutet wonen sich aufhalten und wohl fühlen. Wohnungen im Unterschied zum eigenen Haus gab es schon im alten Rom und diese waren bis zu Mussolinis Zeiten auch bewohnt. Die hießen aber Insula und waren Mietshäuser mit fünf bis sechs Stockwerken. Und die wiederum waren entweder so schlecht gebaut, dass sie häufig in sich zusammenfielen oder aber in der antiken Betonbauweise errichtet (Opus cementicum“). Damals schon war eine schlechte Bauweise Kalkül: Vermieter spekulierten mit dem Zusammenbruch der Häuser, weil sie dann auf ihren Grundstücken wesentlich teurer zu vermietende Atriumshäuser bauen konnten. Diese Wohnhäuser entstanden zur Kaiserzeit um Christi Geburt.

 

Çatalhöyük ist eine verschachtelte Wohnsiedlung in Anatolien und hatte ihre Blütezeit zwischen 7500 und 5700 v. Chr. Bis zu 2500 Personen konnten wahrscheinlich dort wohnen. 

das X,

ein recht magischer Buchstabe, im Cyrillischen und Griechischen einem rauen Hauchlaut zugeordnet; „ch“ ist zudem Teil des Christusmonogramms.

Vor 2500 Jahren übernahmen die Römer das griechische Alphabet samt dem X. Immerhin war das X für die Römer überflüssig, den Laut benützten sie in ihrer Sprache nicht. Im Phönizischen, welches ihrerseits die Griechen übernahmen, war das X noch ein T (Taw).

Ein X für ein U vormachen, kommt übrigens daher, dass die Römer dem X und dem U einen Zahlenwert zuschrieben. Wobei statt dem U ein V stand. Romanus, der Römer, schrieb sich so: ROMANVS. Aber in DIVI ,was Götter heißt, wird derselbe Buchstabe als W- gesprochen.

Nun Ja, X ist zehn und V ist fünf. V ist aber auch ein halbes X und manch ein Gläubiger mag behauptet haben, dass die Schulden sich nicht auf fünf, sondern auf zehn Sesterzen beliefen, der Schuldner habe möglicherweise mutwillig dem X den Rumpf abgetrennt.

Im Mesopotamischen bedeutete das X als Ideogramm, als Zeichen, das für eine Idee steht, „schützen“, während die ägyptisch Hieroglyphe X das Wort „brechen“ bedeutete.

 

Wann das "Kreuzerl" den Lautwert „Ks“ bekam? Wohl aus griechischen Lehnwörtern. Deren Schlepper, welche ins EU-Äquivalent der Antike (nämlich das römische Weltreich) den alten Phönizier reinschmuggelte, war Lateiner. Es machte sich ab dem Frühmittelalter in der Deutschen Sprache quasi bequem. Immerhin war also das X einer der letzten Mittelmeerquerer, welche sich voll und ganz in weiten Teilen Europas integrieren konnten.

Yoga und Zählen

Die Geschichte des Yoga

ist sehr alt, es war aber ursprünglich eine rein religiöse Angelegenheit, später eine philosophische und zum Schluss erst Körperertüchtigung (welche sich ab dem 19. Jahrhundert verbreitete, davor waren die Körperübungen mehr Zusatz zur geistigen Disziplinierung.)

Yoga ist ursprünglich nur eine der sechs Schulen der klassischen indischen Philosophie. Es taucht als Begriff 700 vor Christus in den Upanishaden auf und 300 vor Christus im indischen Epos Mahabharata.

Die ersten Europäer, die mit Yoga in Kontakt kamen, waren Jesuitenmönche im 16. Jahrhundert. Sie lehnten aber Yoga rundweg als heidnisch ab.

1896 zeigten Inder auf der Weltausstellung in Budapest Asanas, (also Yoga-Positionen) es gab aber damals schon einen Skandal, weil einer von ihnen, der vorgab, sich in tiefste Versenkung begeben zu haben, sich in der Nacht davonstahl um Milch und Kuchen zu sich zu nehmen.

Krishnamacharya gilt als Vater des modernen Yoga. Er lebte 1888 bis 1989.

Unter der Schirmherrschaft des Maharadschas von Mysore, Krishna Raja Wadiyar IV., reiste Krishnamacharya durch Indien, um Yoga-Vorlesungen und -Vorführungen abzuhalten, dabei wurde er auch gefilmt.

 

Als er sich mit Yoga befasste und die alten Lehren recherchierte, hielt man in Indien Menschen für verrückt, die „Yoga-verrenkungen“ praktizierten.

Die Erforschung des modernen Yoga ist nicht älter als 25 Jahre und dabei wurde auch nachgewiesen, dass Bodybuilding und Gymnastik, welches die britischen Kolonialherren nach Indien importierten, durchaus ihre Einflüsse auf die Entstehung des modernen Yoga hatten.

Z wie zählen

Gewisse Dinge fangen bei Null an, aber wohl keines der Dinge und Ideen, welche hier spontan aufgegriffen wurden.

 

Kinder können um das 5. Lebensjahr zählen und auch eine entsprechende Menge damit verknüpfen. Aber schon Säuglinge erkennen den Unterschied zwischen 2 und 3. Allerdings zählen auch Bienen Wegmarken und die gibt es schon länger als Menschen.

Auch Katzen zählen, wie Bienen, bis Vier. Ohne zählen kein Anfang. Und wann der stattfindet, ist meistens eine Entscheidung und nicht naturgegeben. Es fragt sich nämlich immer, wann man anfängt, zu zählen.

Aber was bringt es, die Anfänge aller Dinge, Ideen, Konzepte ja sogar wiederkehrender Ereignisse zu wissen?

Es gibt Kulturen, in denen nicht wichtig ist, wann etwas begann, wie lange von Anbeginn schon etwas existiert. Die Wahrnehmung des Existenten bestimmt dessen Beginn mit. Auch gibt es Weltanschauungen und Religionen, die besagen, alles habe immer schon existiert, vor allem Gott.

Lässt man ihn weg, so könnte man auch zum physikalischen Konzept des Blockuniversums gelangen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft existieren gleichzeitig. Das dürfte ziemliche Folgen für alles Geschehen und Sein haben, jedenfalls bedroht es aber das Konzept des Anfangens.

 

Es bedroht sogar den Anspruch vieler Religionslehren auf das Schöpfungsmonopol. Die großen (mono)theistischen Religionen versuchen die Kurve zu kratzen, indem sie Gott außerhalb der Zeit stellen, er ist also ziemlich sicher kein Bewohner des Blockuniversums. Wann und wo er sich sonst aufhält und wie er in Zeitläufen präsent ist, (was er ja gelegentlich tut, kann beim Nachdenken darüber schon ziemlich verwirren.)

Wie auch immer, Anfänge sind so oder so Willkürakte, die mal Urheberschaften zuschreiben und manchmal im Dunklen lassen.

Paradox ist, dass viele Menschen, welche Anfänge erleben, sich dessen oft nicht bewusst sind, denn erst im Nachhinein werden diese als solche definiert. Das gilt auch für geistige Strömungen und kollektive soziale und politische Bewegungen. Anfänge sind gedachte vor-oder Rückgriffe: Also im individuellen und kollektiven Bewusstsein ziemlich unpünktlich.

 

Aus dem bisher erörterten ist der Aufruf: „Wehret den Anfängen“ nicht wirklich erfolgreich umzusetzen, weil Anfänge in der Geschichte immer verkannt werden. Wäre dem nicht so, bestünden die Geschichtsbücher hauptsächlich aus leeren Seiten. Ein Alexander, Cäsar, Nero, Iwan der Schreckliche oder Hitler hätten es einfach nicht geschafft, sich durchzusetzen.

Vielleicht sollten wir aufhören, Anfängen so viel Bedeutung zuzuschreiben. Lassen wir das (Erbsen)zählen.

Es könnte den Weltfrieden positiv beeinflussen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Eva Hauser (Donnerstag, 14 Februar 2019 08:52)

    Total interessante Zusammenfassung. Dieses ABC sollte erweitert werden.