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Lernen ist was Persönliches

  • Lernen ist was Persönliches!
  • Lernzweck, Lerninhalte und Lerntechniken sind kulturell bestimmt.
  • Das Was und Wozu der Bildung
  • Wofür lernen?
  • Aspekte der Lernpersönlichkeit
    • Sinneskanäle
    • Verarbeitungsmechanismen und Typen: Innere Prozesse (Empfindungstyp und Intuitionstyp) Unbewusste Filter
    • Handlungsmöglichkeiten des Lernens: Beurteilen, Wahrnehmen, etwas suchen oder vermeiden,
    • Beweggründe des Lernens: Möglichkeit Notwendigkeit
    • Präsentation von Information: Allgemein, detailliert, Gemeinsamkeit, Unterschiede
  • Lernen fürs Lebensglück


Lernen ist was Persönliches

Ja, viel wurde schon über Lernen geschrieben. Entsprechende Videokanäle, Kurzfilme Onlineplattformen, Webinare etc, haben die Möglichkeit erhöht, sich lernbarer Inhalte besser zu bemächtigen.

 

Aber vielleicht geht doch nichts über die Entscheidung, ob ich nur zeitlich begrenzt Daten und Fakten behalten oder Fähigkeiten erwerben muss, die ich für den Rest meines künftigen (Berufs)lebens brauche, oder ob ich lerne, meine Persönlichkeit um Aspekte zu bereichern. Wir definieren uns nicht nur darüber, was wir gelernt haben, sondern auch, was wir verlernt haben oder nicht können.

 

Unsere Gesellschaft richtet ihr Augenmerk auf Defizite und ganz wenig auf vorhandene Leistungen oder gar Potenziale und Möglichkeiten. Vor allem wenn es darum geht, ob wir einem Arbeitgeber oder uns und unseren Lieben Geld einbringen oder nicht, stoßen wir mit der Nase darauf, was uns fehlt. Dabei ist Lernen ein natürlicher Prozess, der ständig stattfindet und das geschieht bei jeder Persönlichkeit auf eigene Weise.

Lernzweck, Lerninhalte und Lerntechniken sind kulturell bestimmt

Lernzweck, Lerninhalte und Lerntechniken sind kulturelle Errungenschaften. Die Systematisierung benötigt man, wenn Gesellschaften eine bestimmte Größe und Komplexität überschreiten und man wichtige Elemente, die zur Selbstdefinition, zum Zusammenhalt und zur Weiterentwicklung der Gesellschaft dienen nicht nur überliefern können muss, sondern auch die Qualität und Konstanz der Tradition gewährleisten soll.

Der

Lernzweck kann z.B. sein

  • Prüfung schaffen
  • Bereicherung des Wissens oder der Persönlichkeit
  • Kompetenzerweiterung
  • Bildungsaneignung (Konversationsbasis)
  • Anpassung (an eine fremde Gesellschaft z.B. oder eine neue Technologie).

Der Lernzweck mag vorgegeben sein, kann aber erweitert werden. Das ist wichtig für die Motivation. Je lustvoller und sinnlicher das Lernen gestaltet wird, desto besser sind die Ergebnisse. Zwar lässt sich unter Druck auch einige Leistung rausholen, aber der ständige Adrenalin- und Cortisolausstoß der dadurch produziert wird, schädigen das Gehirn auf Dauer und verschlechtern die Gedächtnisleistung massiv.Der Lernzweck heiligt noch lange nicht die Mittel, denn da richten wir uns nach

Lerninhalten

  • Daten, Faktenwissen
  • Manuelle Fertigkeiten
  • Erfahrungsanreicherung und Systematisierung
  • Gesellschaftlich vereinbarte Bildungsinhalte (Grundbildung, Weiterbildung, Spezialisierung)

oder auch nicht. (wenn Lernen ungesteuert passiert). Die meisten Menschen verwenden wohl eine Lernmethode für unterschiedliche Inhalte an, und die ist meistens pauken.

Wer käme schon auf die Idee, dass spielen lernen ist. Wobei hier nicht die Zwangsbeglückung durch Lehrerfortbildungsabsolventen gemeint ist (ein erlerntes Spiel wird irgendwo in den Unterricht eingefügt), sondern das freie Spielen des Lernenden mit der Materie, also dem Lernstoff. Mit dem Essen spielt man nicht und mit der Hirnnahrung auch nicht? Wie kann man mit Etwas spielen, dessen Beherrschung über Taschengelderhöhung oder Fernseh/Gamingverbot vielleicht sogar über das Fortkommen in der Gesellschaft, über späteren Reichtum oder Armut entscheidet?

 

Man kann!

 

Man kann, wenn spielen das spielerische Ausprobieren bedeutet, das absichtliche Fehlermachen, das Neuordnen, das Gestalten (etwa mittels Mindmap) Man kann, wenn man herausfindet, welche Art der Informations- und Wissensaufnahme einem am meisten liegt.

 

Lerntechnik kann man in Phasen zerlegen:

  • Planung, Durchführung, Evaluierung (=Erfolg der Technik))
  • Einteilung und Systematisierung nach Überblick, Ordnung, Allgemeinem, Details, Schwierigkeitsgrad
  • Input/ Wiederholung/ Kontrolle

Gehirnfreundliches Lernen ist durch Aufnahme, Assoziationsphasen (etwa durch Eselsbrücken!) und durch die Lernpausen gekennzeichnet. 

Das Was und Wozu der Bildung

Schulisches Lernen soll zwar auf die Anforderungen einer Bildungsgesellschaft zugeschnitten sein, wird aber letztendlich zum Lernen auf Bewährung: Je besser Prüfungen in Lerngegenständen absolviert werden, desto eher haben Menschen Chancen, im Berufsleben erfolgreich zu sein.

 

Schulisches Lernen bereitet auf den ultimativen Wettbewerb vor, der aber meist nicht nur darin besteht, gesellschaftlich akzeptiertes und geteiltes Weltwissen zu beherrschen, sondern sich auch unabhängig davon zu behaupten und durchzusetzen, alle Kompetenzen zur Verfügung zu haben, einen Arbeitgeber zufriedenzustellen oder selber zum Unternehmer zu werden. Die Biografien mancher Eliten dieser Welt beweisen: Schulabschluss garantiert nicht unbedingt Erfolg. Nur wer klug selektiert, was für Fähigkeiten er zur Selbstermächtigung braucht, erkämpft eine Spitzenposition im Leben.

Warum also soviel Ballast an Allgemeinbildung erwerben (ein Ideal das aus sogenannten humanistischen Tendenzen des vorigen und vorvorigen Jahrhunderts stammt).?

Bildung kalibriert und eicht die Denkwerkzeuge. Wer praktische und kognitive Kompetenzen entwickelt, ist davor besser gefeit, unter emotionalem Druck als letztes Mittel der Selbstbehauptung zur Aggression greifen zu müssen. Was man kennengelernt hat, verursacht keine Angst. Wer Bildung genossen hat, kann sich auch die nötigen Informationen beschaffen und sie bewerten, weil er in einer Bildungsinstitution ein Referenzsystem kennengelernt hat.

Das heißt, er kann beliebig präsentierte Information (wie sie milliardenfach im Internet vorkommt) bewerten, die Informationsquellen eruieren, mit anerkanntem (immer noch in Buchform) publiziertem Wissen vergleichen.

 

Bildung ist nicht Lernen, Lernen ist nicht Bildung. Zur Bildung (also einem Prozess der Persönlichkeitsformung), bedarf es der Integration der Lerninhalte, der Fähigkeit, die Denkwerkzeuge nach Bedürfnissen zu kallibrieren. Bildung ist nicht nur eine gesellschaftliche Forderung, sondern ein Aspekt durch den sich eine Persönlichkeit definiert. Das kann auch so weit gehen, dass Ungebildetheit ebenso zum Selbstbewusstsein beitragen kann. Ob das gut oder schlecht ist, soll hier nicht bewertet werden.

Wofür lernen?

Lernen für Prüfungen ist immer mehr in den Vordergrund getreten, während Bildung zur Parole zu verkommen droht.

 

Wer z.B. nur für Prüfungen, etwa die Führerscheinprüfung lernt, hat sich noch lange nicht das angeeignet, das ihn zum sicheren Verkehrsteilnehmer macht.

Standardisierte Prüfungsinhalte haben eben den Nachteil, dass sie zwar einen Mindeststandard verlangen, ist der aber durch Strategien erschlichen, sichert er nicht vor Risiken (etwa des Autogebrauchs) ab. Das ist auch der Nachteil von internationalen Bildungsstandardprüfungen wie PISA.

Es geht nicht darum, gewisse Kompetenzen zu beherrschen, sondern im Wettbewerb in einem recht engen zeitlichen Rahmen zu bestehen. Der Zustand einer Gesellschaft, welche Fähigkeiten vorhanden sind, auf welche Ressourcen sie tatsächlich zugreifen kann, wird nicht abgebildet. Denn was jemand tatsächlich an Ressourcen angesichts rasanter Entwicklungen, von künstlicher Intelligenz bis Klimawandel braucht muss oft wohl selbst angeeignet werden. Institutionen sind zu träge und wenn sie reagieren, dann nach langen Standardisierungsprozessen welche vordringliche Probleme nicht lösen. Kein Problem folgt einem Standard, sonst wäre es nicht ein Problem, sondern Resultat falscher Standards.

Es war bisher auch nicht zu eruieren, welche Vorteile die Welt von einem PISA-Spitzenreiter wie Singapur, wo der Leistungsdruck auf Menschen generell hoch ist, hat? Die Spitzenleistungen kommen übrigens auch durch den Einsatz körperlicher Gewalt zustande, was für das Lernen und Behalten alles andere als förderlich ist. Andererseits: Ein Schulsystem wie jenes Estlands, das auf Gleichheit aufbaut muss nicht nur erst Mal Gleichmacherei leisten, sondern von Anfang an eine höhere Homogenität mitbringen. Die fördert bei weitem nicht jene „Geniestreiche“, welche die Welt verändern. Stets waren es kühne Ausreißer, die das bewerkstelligten. Und diese wiederum waren in der Schule eher schwach. Ihre Persönlichkeit war dabei ausschlaggebend, dass sie erlernten, was sie weiterbrachte.

Worauf es aber hier hinauslaufen soll ist, dass der Ausstieg aus dem Korsett des Bildungssystems erst ermöglicht, sich den Wissensinhalt, den man sich aneignen möchte, auf die eigene Persönlichkeit und ihre Ziele zugeschnitten aufzubereiten.

Wer sich Wissen und Kompetenzen selbst aneignet, wählt oft intuitiv oder durch Versuch und Irrtum jene Wege, die der Lernpersönlichkeit entsprechen. Was diese betrifft: Am bekanntesten ist die Einteilung nach den bevorzugten Aufnahmezetren- den Sinneskanälen.


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Kurztest zu den bevorzugten Sinneskanälen
Kreuze an, was du hörst, siehst oder riechst. Je mehr Kreuze bei einem Sinn sind, desto besser kannst du mit diesem Sinn lernen.
Fragebogen Sinnesrepräsentationssysteme.
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Aspekte der Lernpersönlichkeit

Wie jemand lernt, ist auch Teil der Persönlichkeit. Es gibt Menschen, die lieber zuhören und andere, die sich etwas aufzeichnen. Es gibt Menschen, die zuerst nach der praktischen Verwendung filtern und andere danach, was man Alles mit Gelerntem anfangen kann. Jeder/Jede hat unterschiedliche Motivation, die positiv oder negativ sein kann. Manche bewerten sofort eine neue Information, andere belassen sie unbewertet. Darüber ist im Folgenden die Rede, denn alles hat Einfluss darauf, wie etwas hängen bleibt, ob etwas hängen bleibt und wie das wiedergegeben wird. 

 

DIE BEVORZUGTEN SINNESKANÄLE

 

Welcher Sinneskanal ist bei der Informationsaufnahme, beim Input bevorzugt? Jeder Mensch hat da seine Favoriten: Sehen, Hören, Bewegung und Empfinden) Riechen/Schmecken, oder visuell, akustisch kinästhetisch und olfaktorisch. Diese Favoriten können auch in Kombination auftreten.

  • visuell bedeutet, dass ein Lerner/eine Lernerin Bilder braucht, ein anspruchsvolles Layout, Filme, bei Tätigkeiten durch Zusehen lernt, sich was zeichnen muss. Der Großteil der Menschen ist visuell und es scheint, dass die Medien das verstärken, bzw die Zeitungen, indem sie hauptsächlich Bilder mit Unterschriften bringen. Die Flut der Tutorials in Youtube orientiert sich ebenfalls am Sehen.

 

  • Akustisch: Wer einmal hört, merkt sich das Gehörte. Obwohl ein hoher Prozentsatz der Menschen akustisch oder gemischt- visuell-akustische Eindrücke zuerst (dominant verarbeitet), ist das Lernen durch Hören unterrepräsentiert. Dabei war die mündliche Überlieferung die Urform kultureller Tradition. Zuhören ist eine besondere Leistung. Anders als bei einem Bild, das man immer wieder anschauen kann, gibt es normalerweise bei einem mündlichen Vortrag in Form einer Erzählung keine Wiederholung, außer diese wird bewusst eingebaut. Hörende ordnen sich dem Gehörten stärker unter als Sehende, die wählen können, welchem Eindruck sie Beachtung schenken. Nicht umsonst ist Hören mit Gehorchen und Hörigkeit verbunden. Sehen ist ein aktiver Vorgang, die akustische Wahrnehmung passiv, weil sie sich nicht in dem Maße aktivieren und steuern lässt wie Hören. Hören ist auch eine Schwäche von Burschen. Sie verweigern sich dem Gesprochenen oder Gehörten nicht absichtlich. In der Pubertät sind Buben sogar taub, weil Gehörgänge durch das zu rasche Körperwachstum nachgebildet werden müssen. (Vera Birkenbihl).

 

  • Kinästhetisch. Wer kinestäthisch lernt, geht herum. Gestikulieren während des Lernens ist förderlich, ja sogar das Nachstellen, das Empfinden der Raumlage des Körpers.

 

  • olfaktorisch gustatorisch Na ja, natürlich hilft es nicht, am Lernmaterial zu riechen, etwa an Skripten zu schnuppern, Doch ein olfaktorisch, gustatorischer Typ braucht im wahrsten Sinne des Wortes eine angenehme Atmosphäre, frische Luft, einen ansprechenden Raumduft um gute Lernleistungen zu erbringen. Vielleicht versüßt er sich das Lernen mit Naschereien und mancher Stoff schmeckt, mancher mundet nicht.

Alle Lerntypen, die es meist in Mischungen gibt und die praktisch gewisse Sinneskanäle bevorzugen, mit denen Inputs am besten verarbeitet werden, verraten sich auch durch Wörter, die sie verwenden: Ein visueller Typ findet etwas „anschaulich“ ein akustischer „ansprechend“, ein kinesthetischer „bewegend“ oder „attraktiv anziehend“, olfaktorische (okay, vor 40 Jahren) „dufte“, gustatorischen „schmeckt“ etwas. Wer gut Lerngruppen etwas präsentiert, bietet allen Sinnen etwas oder lässt seinem Publikum Zeit, das entsprechend umzusetzen.


Tipps für Lehrer:

Sowohl in die Sprache diese Qualitäten durch Formulierungen einbauen als auch in die Präsentation auf Abwechslung achten. Dazu gehört auch eine angenehme Atmosphäre des Lernraumes.

 

Tipps für Lernbegleiter: Unterstützen, was Lernende brauchen. Kann ein Kind etwa nicht stillsitzen darf es sich in einem definierten Bereich bewegen, hin und hergehen, oder sogar einen Lehrer nachspielen. Beim Erklären oder Coachen sinnesspezifisch bleiben.

 

Tipps für Lerner: Vor dem Lernen vorbereiten, was man braucht: Stifte und Papier? Einen Knetball? Türe zu, um sich was laut vorzusagen? Aufs Handyaufnahmegerät vorsagen und abspielen?

 


 VERARBEITUNGSMECHANISMEN-UND TYPEN

 

Sie wurden mit Methoden der Neurolinguistik definiert und verifiziert. Neurolinguistik erforscht, wie das Gehirn sinnespezifisch und quasi durch Voreinstellungen Wahrnehmungen filtert und verarbeitet und wie das in Sprache übersetzt wird oder: „Was beim Sprechen im Kopf passiert“ https://www.spektrum.de/news/was-beim-sprechen-im-kopf-passiert/1547713

Wie Menschen die „Außenwelt verarbeiten, geschieht auf sehr unterschiedliche Weise, die Natur hat ja etwa 40 Entwicklungskonzepte für das Auge entworfen, also sind auch unterschiedliche Konzepte für Anpassung sinnvoll und keines ist schlechter als das Andere.

Dazu gehören die sogenannten inneren Prozesse. Diese beschreiben, wie etwas verarbeitet wird: Ist jemand z.B. eher intuitiv oder empfindend?

Das hat nichts mit dem Grad der Sensibilität, sondern mit der Verarbeitung von Eindrücken zu tun.

Der Empfindungstypus kann sich mit Fakten und ihrer Wirkung in der Gegenwart anfreunden. Er ist ein pragmatischer Lerner. Am besten, Alles greift wie ein Räderwerk ineinander und hat einen nachvollziehbaren Aufbau, dem man immer wieder folgen kann. Der intuitive Typus wird sich verzetteln, denn er wird erwägen, was noch für Möglichkeiten und Querverbindungen in Informationen und Wissensinhalten stecken. Dafür tut er sich mit Komplexität leicht.

 


Tipps für Lehrer: Logisch strukturierte Informationen aufbereiten, ebenso wie dessen Verwertungsmöglichkeit oder Hinweise auf Querverbindungen geben. Lerngrenzen abstecken.

 

Tipps für Lernbegleiter: Fächern die vor allem deskriptiv gelehrt werden (Deutsch-Literatur, Geschichte) ein Gerüst anbieten. Zusammenfassen lassen, auf den Punkt bringen, auch wenn das der Wirklichkeit des Gelehrten nicht gerecht wird. Dann ausbauen lassen. Auch dem Intuitiven ein Gerüst bieten, dass er dann gestalten kann, und Grenzen stecken. Den Lernstoff inhaltlich genau festlegen.

 

Tipps für Lerner: Einen Lernplan machen. IMMER EINEN LERNPLAN machen. Das Wichtige/Notwendige vom Unwichtigen, unterscheiden, Dringendes vorziehen.


UNBEWUSSTE fILTER

Wie wir Eindrücke aus der Umwelt verarbeiten, hängt von Filtern ab, die unbewusst arbeiten, aber alles was an Eindrücken, Impulsen und Informationen von der Außenwelt auf eine Person einströmt, filtert. Wie und ob wir etwas verarbeiten können, so dass es uns nützt, wird dadurch entschieden, und nicht unbedingt durch die Richtung unserer Aufmerksamkeit.

Das beweisen unsere Träume, die sehr assoziativ und willkürlich mit bereits bestehenden Elementen unsere Tageseindrücke verarbeiten. Sie zeigen auch den letzten Filter, bevor etwas ins Langzeitgedächtnis geht: den emotionalen Wert und das emotionale Ausmaß. Das ist ein Grund; warum Videospiele und Fernsehen, aber überhaupt jede von starken Emotionen begleitete Tätigkeit nach dem Lernen schädlich ist. Was positiv oder negativ aufwühlt, wird vom Gehirn als wichtiger erachtet, als das was neutral ist. Gelerntes wird dadurch aussortiert. Und wenn was hängen bleibt, soll ein Traum etwa Fernsehbilder verwenden um einen Lerninhalt zu verankern? Denn genau das passiert. Träume greifen nämlich das Geschehen des vergangenen Tages auf, mischen es neu und bilden es mit bereits vorhandenem oder sehr ansprechendem Material ab.

Handlungsmöglichkeiten des lernens

Aus der neurolinguistischen Einteilung der Aufnahme und Verarbeitung von Eindrücken, Erlebnissen, Informationen, also Inputs in Meta-Programme kann man vielerlei Handlungsmöglichkeiten des Lernens ableiten.

  • Beurteiler werden Kategorien zuweisen, unterscheiden und eine Systematik entwickeln. Sie sind diejenigen, die Unstimmigkeiten und Fehler aufzeigen und kritische Fragen stellen.

 

  • Wahrnehmer- sehen das Ganze, haben mehr Aufwand, Ordnung und Struktur in die Fülle eines Lernstoffes zu bringen, da sie ja dann urteilen und unterscheiden müssen.

Beim Lernen spielen auch Richtungsfilter eine Rolle: Hin zu etwas, oder weg von etwas. (Suchen oder vermeiden).

  • Der " Weg von Etwas" Schüler ist der klassische Minimalist und Vermeider, vermeidet zu viel Arbeit, womit er gut fahren kann, weil er ökonomisch den Lernstoff aussortiert oder scheitern, weil er mit Minimumstoff hasardiert. Er schmeißt gleich raus, was er nicht mag. Er wird aber von Ängsten motiviert, etwa jener, durchzufallen. Er möchte ja Versagen vermeiden. Ist er darauf zu sehr fixiert, kann es sein, dass er sich mental Versagen einprogrammiert, obwohl er alle Ressourcen hätte, eine Prüfung zu bestehen.

Es ist nie gut, durch Angst zu disziplinieren, da dies nachhaltig das Gehirn prägt. Befürchtungen, die ein Lerner selbst formuliert und denen er proaktiv begegnen kann, könnten aber in Maßen sinnvoll sein.

  • Der "Hin zu etwas" packt den Stier bei den Hörnern und ackert Lernstoff durch, wählt aber aus was er mag, was sich nicht immer mit dem deckt, was gefordert wird. Jedenfalls aber ist seine Motivation der Erfolg und nicht die Angst vor dem Versagen.

Bei diesen Typen gibt es Mischtypen. Etwa, Erfolgssuche mit ein wenig Angst vor dem Misserfolg. Oder Umgekehrt, den Misserfolg wie der Teufel das Weihwasser scheuen, aber durchaus schon zum Gewinn schielen.


Tipps für Lehrer: Beim Hin zu etwas- Menschen helfen scharfe Disziplinarmaßnahmen nichts. Die sprichwörtliche Karotte am Schnürl könnte da hilfreich sein. Weg von Etwas- Menschen lassen sich von Drohungen beeindrucken, das tut auf lange Sicht niemandem gut. Besser wäre es den Lerner Konsequenzen finden zu lassen, die er vermeiden möchte. Immer die Option auf Wünschenswertes präsent halten. Die beste Motivation ist nämlich die: weg von/hin zu gleichzeitig.

 

Tipps für Lernbegleiter: Bei einer Antipathie hilft es, den Lerninhalt umzudeuten und einen sekundären Nutzen zu finden. (Auch: wenn du das machst, bist du es nachher für immer los). Vor dem Lernprozess immer die Attraktion herausfinden lassen (die Karotte), etwa auch genau für den gegenwärtigen Lerninhalt, das Lernziel und die Belohnung formulieren.

 

Tipps für Lerner: Fragen und selektieren was einem taugt und was einem nicht taugt. Was einem nicht taugt gut dosieren und hinter sich bringen.

 

Die Mischtypen brauchen entsprechend des Verhältnisses von Anstreben oder Vermeiden angepasste Motivation. Der Richtungsfilter beinhaltet selbst schon die Richtung der Motivation, doch die Zuckerln und Warnschilder auf dem Weg müssen entsprechend dosiert werden.


Beweggründe des Lernens

Jeder hat unterschiedliche Beweggründe zu lernen. Weil Lernen ihm Möglichkeiten anbietet oder weil es schlicht eine Notwendigkeit ist. Diese sind quasi die Faktoren, die Motivation (nicht die Richtung, sondern die Qualität) bestimmen. Sie sind ein inneres Programm und können nicht einfach von Außen manipuliert oder geändert werden.

  • Wer Möglichkeiten wahrnimmt, kann nicht durch Zwänge bewegt werden. Menschen, die sich an Möglichkeiten orientieren, können vielleicht wunderbar kreative Texte oder Sätze schreiben, aber den Aufbau eines Aufsatzes vermasseln, oder sich nicht um die Notwendigkeit der Deutschen Rechtschreibung kümmern. Rechtschreibung und Textaufbau können aber als Instrument Möglichkeiten erweitern…

 

  • Es sind die pflichtbewussten Kinder, die der Notwendigkeit gehorchen. Sie sind weniger flexibel und haben einen fokussierten, aber auch eingeschränkten Blick auf die Welt. Sie suchen keine Gründe für ihr Tun sondern lernen, weil es eben notwendig ist. Wahrscheinlich sind sie mit jenen Fächern glücklich, in denen sie strikten Regeln folgen können und nicht selber ihren Weg finden müssen. Wenn solche Kinder etwa im Fach Deutsch Erfolg haben, weil sie eine Struktur gefunden haben, der sie notwendigerweise folgen können, was auch von ihren Lehrern honoriert wird. Wo sie aber kreativ und flexibel sein müssen, scheitern sie.

Tipps für Lehrende: Für jeden Lehrer ist sein Fach eine Notwendigkeit und dann eine Möglichkeit (möglicherweise). Die Wichtigkeit eines Faches einzutrichtern, ist der härteste Weg. Die Freude daran zu vermitteln, kann auch der nicht ignorieren, der von Notwendigkeit motiviert wird. (Saint Exupery: Lehre sie die Sehnsucht nach dem Meer...aber vergiss trotzdem nicht den rechten Werkzeuggebrauch und Materialkunde zu lehren!)

 

Tipps für Lernbegleiter: Notwendigkeit und Möglichkeit entdecken helfen. Eröffnen oder auch bremsen, wo Möglichkeiten zu Utopien werden!

 

Tipps für Lerner: Schon im Unterricht genau Notwendigkeit und Möglichkeit erkunden. Hinweise auf Wichtigkeit aufnehmen, alte Tests und Prüfungen analysieren. Fehler auf Häufigkeit untersuchen . Sie zu tilgen, ist notwendig und erweitert Möglichkeiten!


Die Präsentation von Information

Es gibt verschiedene Arten Information zu präsentieren. Lehrende sind ihrer Art manchmal unbewusst verhaftet und können mit einer andersartigen Präsentation weniger anfangen. Aber genauso ergeht es Lernern, wenn sie ihr Wissen präsentieren, dann erzählen sie quasi an der Sende- und Empfangsfrequenz des Prüfers vorbei. Sie haben vielleicht mehr richtig gemeint, als der Prüfer registriert hat.

man kann etwas

  • beschreibend: was ist
  • bewertend, was sein sollte
  • deutend (was man denken sollte) sowie
  • konkret oder abstrakt

präsentieren.

 


Tipps für Lehrende: Es gibt kein Richtig oder Falsch, vielleicht könnte hier eine gute Fragetechnik (variantenreiche Abfrage) nicht nur bei Prüfungen, sondern bei der Erarbeitung des Stoffes hilfreich sein.

 

Tipps für Lernbegleiter: Wurde etwas nicht verstanden? Fokus verschieben, alternative Zugänge zum Stoff finden.

 

 

Tipps für Lernende: Gemeinschaftlich lernen ist super. Man kann sich gegenseitig abfragen und üben, Antworten zu variieren. Vor allem aber herausfinden, was will ein Prüfer wissen, wie (genau) prüft er. Mag er knappe Antworten oder Detailreiche Sätze? Prüfungssituation üben, Lehrer -Schüler spielen.


ALLGEMEIN ODER DETAILLIERT?

 

Allgemeines und Detail zu dosieren, ist ebenfalls eine didaktische Herausforderung: Es gibt Menschen, die zuerst einen allgemeinen Überblick brauchen, und andere die zunächst mit beispielhaften Details mehr anfangen können. Außerdem gibt es Menschen, die zuerst nach Gemeinsamkeiten suchen und andere, die nach Unterschieden suchen.

Da hier aber nicht vom Unterricht, sondern vom Lernen gesprochen wird, geht es darum, dass sich jeder, gleich welche Art der Verarbeitung er bevorzugt, seinen Stoff entsprechend aufbereiten kann. Das Internet erlaubt außerdem Zugriff auf verschiedene Präsentationen desselben Lernstoffes.


Tipps für Lehrende: Zwar gibt manchmal das Fach vor, wie man präsentiert, aber selbst in naturwissenschaftlichen Fächern sind alle Möglichkeiten offen. Man könnte etwa die Auflistung in Allgemein, Detail, Gemeinsamkeit, Unterschied als Checkliste verstehen und zusehen, dass Elemente in der Präsentation einfließen oder aber als Feedback geben, wie Schüler etwas bei Prüfungen präsentieren und klar sagen, wie man etwas möchte.

 

Tipps für Lernbegleiter: Eine Checkliste (s. oben) hilft bei der Abfrage von Gelerntem. Unterlagen vom Lehrenden zeigen oft, welche Präsentation er bevorzugt.

 

Tipps für Lernende: Herausfinden, welche Art der Präsentation ein Prüfer bevorzugt. Welcher Schulkollege bekommt sehr gute Noten, warum? Kommentare und Bewertungen in Tests überprüfen. Den Lernstoff nach Überblick, Details (zusätzlichen Erklärungen), Vergleichen einteilen und gliedern.


Lernen fürs Lebensglück

Wie man Informationen weitergibt und am besten verarbeitet ist individuell, hängt wohl mit der vielfältigen Architektur des Gehirns und vielleicht auch mit der Lernsozialisation zusammen, welche beginnt, bevor ein Kind überhaupt eine Institution betreten hat. Sie beginnt in den ersten Lebensmonaten des Kindes und ist nicht steuerbar, weil Gehirn die Entwicklungen initiiert und die Interaktion hauptsächlich über Emotion und Beziehung dieses Neuronennetzwerk, in dem Wissen und Kompetenzen verankert sind, gestaltet.

 

Lernen ist ein biologischer Prozess. Wir lernen um uns anzupassen, deshalb ist das Gehirn plastisch, daher können auch ältere Menschen lernen und sollten es tun, um Demenz vorzubeugen.

Vera Birkenbihl erklärte: Wir lernen auch durch Identifikation und durch Imitation. 80% lernen wir durch Imitation weitgehend unbewusst, meint Vera Birkenbihl.

 

Was wir uns häufig ansehen, lernen wir: (Sehen wir Filme wo man Probleme totschießt, oder solche, wo man sie durch Sprechen löst?).

Es braucht kein Gehirn um zu lernen, es braucht aber Nerven. Sogar Pflanzen sind lernfähig, wie Versuche Monica Gaglianos mit Pflanzen zu bestätigen scheinen. Die haben kein Gehirn.

Vielleicht sollten wir, wenn wir über lernen sprechen, differenzieren.

Lernentwickeln, lernend weiter entwickeln, das ist menschlich, denn Tiere bleiben in ihrer Lebensform, ändern sie nicht aktiv. Wir schon, nicht erst seit Computer und Internet, auch schon seit  globaler Mobilität (Völkerwanderung!), Telefon oder Elektrizität.

In Wahrheit ist das, was am Ende rausspringt, entscheidend und zwar auf mehreren Ebenen. Nicht nur entscheidend für den Lernerfolg, denn Schulaussteiger haben genauso was gelernt und die erfolgreichen Schulaussteiger haben eins gemacht: Ziele konsequent verfolgt und dafür gelernt und gearbeitet. Die Belohnung beweist es. (besonders die Entlohnung).

Wenn das Ziel nur ist, ein gutes Zeugnis zu haben… ist das zu kurzsichtig und verfehlt den wichtigsten Aspekt des Lernens: Zu erfahren, wie man im Leben auf dem besten Weg zum Glück kommt.

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