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Wieder mal Wintersonnenwende


Wintersonnenwende

Vorchristliches:

  • Frigg und die Perchten
  • Rauhnächte
  • Feen und Gnome
  • Solistitium, Fruchtbarkeits- und Totenfest bei vielen Völkern

 

So feiern sie Sonnenwende:

  • Inka
  • Mesopotamier
  • Griechen, Ägypter
  • Japan/Korea
  • Südhalbkugel

Extra: Kultplätze



Eine prominente Zeit, die Wintersonnenwende. Während wir darauf zusteuern, werden die Tage immer kürzer und die Hektik wird größer. Kinder können sich auf die Vermehrung von Geschenken freuen, obwohl sie mittlerweile das ganze Jahr Spielsachen kriegen-sei es nur ein Download aus dem Internet.

 

Die Jahreswende steht an, geschäftsmäßig wird das Letzte aus dem Jahr abgesogen. Wie gut dass irgendwann ein Papst die Feier von Christi Geburt vom Frühling auf die Wintersonnenwende verlegte. 

 

 Die Verlegung des Geburtsfestes auf die Wintersonnenwende war eine bewusste Entscheidung. Die Metapher der Wiederkehr, bzw Erscheinung des Lichtes (Gott als Licht der Welt) bekam so eine "naturgewaltige" Unterstützung.

 

Im Übrigen soll diese Verlegung 336 durch den Sonnenkult des Sol Invictus inspiriert worden sein. Dies war der „unbesiegte“ Sonnengott, der römischen Mythologie, der als besonderen Schutzbefohlenen den römischen Kaiser hatte. Der 25. Dezember war der Geburtstag des Sol. Immerhin ist der Tag des Herrn, der Sonntag, ebenfalls der Tag der Sonne.

 

 

Thematisch gibt´s hier also kein "Stille Nacht", kein Jingle-Bells, keine Coca-Cola Weihnachtsmänner und nicht mal Vanilleduft, Lebkuchenaroma und Zimtstangerl. Sondern Mystik, Weihrauch und Magie und einen Schuss Heidentum.

vorchristliches

Nicht nur in der Weihnachtszeit vermischt sich Uraltes mit Elementen aus Anno Domini. Denn christliche Liturgie ist durchwirkt von Ritualen des römischen Kaiserkultes und christliche Feste, die wohl auch Heidnisches verdrängen wollten (was stark mit dem Jahreslauf von Naturereignissen verbunden ist und war)  sind stattdessen damit beinahe unmerklich verschmolzen.

 

FRIGG UND DIE PERCHTEN

In der Christnacht gab es mancherorts  einen Brauch, für Frau Percht, auch Frau Holle genannt, einen besonders schönen Tisch mit traditionellen Speisen draußen zu decken. Die Dame, welche sich gerne Mädchen mit dem Namen Marie als Haushaltshilfe engagierte, ist nicht nur namensgleich mit der Holler/Hollunderpflanze, welcher vielseitige Heilkraft nachgesagt werden, sondern beschützt auch die Schätze im Erdinneren. Man kann Geschichten über sie 1000 Jahre zurückverfolgen. Der Name Holle (in etwa: die Huldvolle) war ursprünglich ein Beiname der germanischen Göttin Frigg Dieser hat sich nach der Christianisierung verselbständigt, unter anderem deshalb, weil es jetzt nicht mehr ratsam war, den Namen einer „heidnischen“ Göttin zu nennen oder sie gar anzurufen. Auch Perchta (etwa: die Glänzende) war ein Beiname von Frigg, welche Heim und Herd beschützte. Wurde Perchta geopfert, galt dies den Matronen oder Müttern. Maskierte junge Männer verbreiteten als vermeintliche Totengeister Schrecken und sollten durch Tanzen die Natur neu beleben. Das erzählen die Perchtenläufe, die nach dem Jahreswechsel stattfinden.

 

Im 7. Jahrhundert erwähnt der christliche Mönch Beda auf ein „ modra nect“ auf eine Nacht der Mütter in England hin, was um die Wintersonnenwende abgehalten wurde. Das lässt ebenfalls an Frau Holle denken.  Gut möglich, dass diese Zeit besondere Bedeutung in matriarchischen Kulten  hatte, bzw. die Verbindung zwischen Männlich und Weiblich herstellt, wie etwa auch im Dyonisosmythos oder in Ostasien.

RAUHNÄCHTE

 

Aus alter Zeit stammen die Rauhnächte, auch Rauchnächte.

Laut Volkskunde ist das Räuchern ein Brauch, der seit dem Mittelalter zwischen Weihnachten und sechsten Jänner stattfindet. Haus und Hof werden mit Weihrauch ausgeräuchert.

Manche Quellen besagen, dass die Rauhnächte aus dem Keltischen stammen, zumal die Kelten den Unterschied zwischen Mondjahr und Sonnenjahr mit den sogenannten Freinächten ausglichen. Es ist nachvollziehbar, dass zu Wendezeiten gereinigt und gesäubert wird um wieder neu zu beginnen.

 

Weihrauch ( aus dem Harz des Weihrauchbaumes gewonnen) und Myrrhe  zu verbrennen bedeutet nicht nur, Göttern,  Herrschern und Priestereliten vorbehaltene Substanzen in die Atmosphäre zu verbreiten. Denn sie enthalten Terpene und wirken daher antibakteriell. Weihrauch war so kostbar, dass einer der berühmtesten Handelswege nach ihm benannt ist: die Weihrauchstraße von Oman bis Damaskus. Die höchste Qualität besitzt weißer Weihrauch. Weihrauch soll auch Herz und Verstand stärken, meinte der persische Arzt Avicenna. Er lindert nachweislich Entzündungen und wird tatsächlich zur Desinfektion von Wohnplatz und Stall beigetragen haben. Zudem wirkt er antidepressiv.

Myrrhe ist ein Harz, das desinfizierend und entspannend sowie entkrampfend wirkt.

Wacholder wird von Asien (Nepal, Mongolei) bis Europa verwendet. Er gilt als reinigend und desinfizierend.

Julbock, Quelle: Wikipedia
Julbock, Quelle: Wikipedia

FEEN UND GNOME

In angelsächsischen Ländern wird für Feen und Kobolde ein Haferbrei, der "fairy porridge" zubereitet. Am Tag der Wintersonnenwende sollen alle geliehenen Gegenstände zurückgegeben werden.

In Schweden gibt es den Gnom Nisse (Tomte), der sehr unseren Gartenzwergen ähnelt, aber durchaus unheimlicher ist, leuchten doch seine Augen im Dunklen. Berühmt wurde er durch Selma Lagerlöfs Nils Holgersson, denn da verwandelte der Hausgeist den Jungen in Seinesgleichen. Es ist Nisse, der Weihnachten an den Türen klopft und Geschenke bringt. Gut möglich dass der amerikanische Santa Claus sich auch an diese Gestalt angelehnt hat.

Jedenfalls jedoch zeigen mit magischen Kräften begabte Geistwesen, dass sich sehr altes Gedankengut, vielleicht sogar aus einer Zeit, als Schamanen über das Wohl ihrer Sippe wachten, bis in unsere Tage gehalten hat.

Solistitium, Fruchtbarkeits- und Totenfest bei vielen Völkern

Wintersonnenwende ist eine magische Zeit.  Sonnenwenden und Sternenkonstellationen hatten für die Menschheit von dem Zeitpunkt an, als sie sesshaft wurde und Ackerbau betrieb, große Bedeutung. Sie markieren Fixpunkte im Jahreskreislauf der Natur und erlaubten neben der Orientierung an den Gestirnen Zeiten der Aussaat der Kultivierung und der Ernte zu berechnen.

Solstitium, die fachliche Bezeichnung für die Wintersonnenwende (Mehrzahl: Solstitien) stammt aus der lateinischen Sprache und bedeutet wörtlich "Sonnenstillstand". Auf der nördlichen Erdhalbkugel ist zum Zeitpunkt der Wintersonnenwende zugleich die längste Nacht und der kürzeste Tag des Jahres. Als Naturfest bzw. Jahreszeitliches Fest gehören die Sonnenwendfeiern zu den ältesten Feste der Völker und Kulturen.

 

Das Mittwinterfest ist und war in vielen Kulturen zugleich ein Toten- und Fruchtbarkeitsfest.

 

In nordischen Ländern deutet die Bezeichnung JUL auf ein vorchristliches Mittwinterfest hin. "Jul" bedeutet Fest bzw. Festessen. Im Altgermanischen fand in den Rauhnächten Wotans wilde Jagd statt, wo er mit den Geistern Verstorbener übers Land zog. 

So feiern sie Sonnenwende:

Quelle: pixabay
Quelle: pixabay

INKA

 

Die Inka wähnten sich vom Sonnengott Inti erschaffen. Eines der wichtigsten Feste war das Fest der Wintersonnenwende, mit dem Dank für alles Gute im abgelaufenen Jahr und der Bitte um den Schutz der Sonne für die Saat, die bald danach ausgebracht werden sollte. Bei dem Sonnwendfest wurden 14 königliche Mumien in einer Prozession mitgeführt und rituell mit Essen und Bier bewirtet. Die toten Könige wurden um Regen gebeten, um sanften Regen und darum das Land vor Unwettern zu verschonen. 

 

MESOPOTAMIEN

 

In Mesopotamien wurde die Wintersonnenwende mit einem 12tägigen Fest begangen. Zagmuk , was wörtlich "Anfang des Jahres" bedeutet.

Es feiert den Triumph von Marduk , der Schutzgottheit Babylons , über die Kräfte des Chaos. Der Kampf zwischen Marduk und Chaos dauert 12 Tage, genau wie das Fest von Zagmuk. In einigen Variationen wird Marduk an der Wintersonnenwende von Tiamat getötet und an der Frühlings-Tagundnachtgleiche wiederbelebt.

Am zehnten Tag der Zeremonie wurde die sogenannte heilige Ehe geschlossen, der König schlief mit einer dafür ausgewählten Priesterin und am letzten Tag des Festivals wurde der König erschlagen, damit er an Marduks Seite kämpfen konnte. Um ihren König zu schonen, benutzten die Mesopotamier oft einen Scheinkönig, der von einem Verbrecher gespielt wurde, der vor Zagmuk als König gesalbt und am letzten Tag getötet wurde.

 

GRIECHEN/KLEINASIEN

Der Tod und die Wiederauferstehung spielen in einem besonderen Fest zu Ehren des Gottes Dyonisos eine Rolle. Zur Wintersonnenwende wurde in Griechenland alle zwei Jahre das Fest Trieteris gefeiert, wo der Gott Dyonisos symbolisch (aber recht handfest in Form einer gevierteilten rohen Ziege) verschlungen wurde. Er war ja laut Sage von den Titanen zerrissen und verschlungen worden. Im Winter aber soll er wieder auferstanden sein.

Da er nicht nur Gott des Weines, sondern ein Fruchtbarkeitsgott ist, lässt sich auch das Fest des Dynoisos zur Wintersonnenwende nachvollziehen.

Er lernt zwar den Tod kennen, ist aber prinzipiell unsterblich (wie auch Pflanzen!!).

Manche Forscher schreiben ihm auch eine Nähe zur ägyptischen Götterwelt zu, er wurde sogar mit Osiris identifiziert, der ebenfalls mit dem Sterben und Werden der Natur verbunden ist, zumal diese Betrachtungsweise nicht unbedingt typisch griechisch ist.

In der Zeit der Wintersonnenwende kündigt sich, mit dem wiederkehrenden Licht der Neuanfang, die Wiedergeburt der Natur, der Pflanzen- und die Verjüngung und Erneuerung der Tierwelt an. Gibt es ein besseres Bild für das Werden und Vergehen ?

 

ÄGYPTEN

Re, Sonnengott auch mancherorts Fruchtbarkeitsgott, (später mit dem Falkengott und Isissohn Horus identifiziert und als Mensch mit Falkenkopf dargestellt), wird am Tag der Wintersonnenwende geboren. Die Priester  führten an diesem Datum die Statue des Sonnengottes in einer Prozession aus dem Heiligtum. 

In griechisch römischer Zeit wurde  in Alexandria am 25. Dezember das Isisfest (Kikellia) begangen. Isis war nicht nur eine Mutter- sondern auch eine Totengöttin. Sie löste die Muttergöttin Neith ab, und verschmolz sogar mit ihr. Neith war aber  die Mutter des Re.

Orientalisten nennen übrigens die „theologische Untermauerung“ der Geburt eines Pharao „Weihnachtsgeschichte.“   In ihr zeugt der Sonnengott Re mit einer jungfräulichen Königin einen Sohn. Der Gott Toth wird als Bote zu der Königen geschickt und kündigt wie später der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria die Geburt eines Sohnes zum Heil der Menschheit an, der „oberster Hirte“ von Ägypten werden solle (die Paralelle zum christlichen "guten Hirten" ist frappierend). Der Vater (RE) erscheint bei der Geburt und erkennt den Pharao als seinen Sohn an. Im Tempel beschnitten und getauft, führt das Neugeborene wie ein Erwachsener mit den Priestern Streitgespräche (Aus einer Vorlesung der Orientalistik zur Konzeption des Königtums in Innsbruck 1984). Die Vaterschaft Res gilt ab der 4. Dynastie, also gut 2500  Jahre vor Christi Geburt!!  Hier verschmelzen also "Weihnachten", Wintersonnenwende, Mutter-und Totenkult auf ungewöhnliche Weise.

 

JAPAN

 

Die Anhänger des japanischen Shinto feiern mit Tohji-Taisai die großen Zeremonien zu Ehren der Sonnengöttin Amaterasu.  Tohji-taisai, markiert das Ende der Yin-Periode der Sonne, wo sie in den Yang Zustand wechselt und an Kraft gewinnt.

Amaterasu war vom Sturmgott Susano-o erzürnt worden, sodass sie sich in eine Höhle zurückzog. Mit Musik und Tanz wurde sie besänftigt und wieder aus ihrem Versteck herausgelockt.

Anhänger der Shugendo-Religion, welche buddhistische Elemente mit einer alten asketischen Praxis des Rückzugs in die Berge verknüpft, laufen zu ihrem Fest Hiwatari Matsuri übers Feuer. Die Yambabushi- Mönche laufen zuerst barfuß betend über brennende Kohlen. Es geht dabei nicht um eine Mutprobe, sondern um die reinigende Wirkung des Feuers, während Gebete für Gesundheit und Glück gesprochen werden. 

 

KOREA

Einer koreanischen Legende nach starb ein Mann, der Brei aus roten Bohnen hasste, während der Wintersonnenwende. Er wurde ein böser Geist, der Pocken verbreitet.

Es ist daher zur Wintersonnenwende Tradition, Eintopf mit roten Bohnen zu essen, um Krankheiten abzuwehren.

 

SÜDHALBKUGEL

 Die Wintersonnenwende findet hier im Juni statt, da ja die Jahreszeiten vertauscht sind.

Die Australier feiern sie also zu unserer Sommersonnenwende im Juni mit einem ziemlich frostigen...Nacktbadetag.

Die Maori  in Neuseeland feiern ihre Sonnenwende, welche im Dezember also die Sommersonnenwende ist, als Sternenevent. Im Dezember geht  Antares auf.

Matarik, die Plejaden erscheinen im Juni zur Zeit der Wintersonnenwende auf der südlichen Hemisphäre des Globus.

 Eine Legende besagt, dass Matariki eine Mutter ist, die von ihren sechs Töchtern umgeben ist .

 

Die Wintersonnenwende hat also in vielen Kulturen auch eine weibliche Note. Zwar überwindet meist der Mann den Tod, aber es sind die Frauen, die schützen und, was vergangen ist, ins Leben zurückholen, wie Frau Holle, Isis (die sich auch auf Heilkunst versteht) und Amaterasu sowie Matariki zeigen.

 

 


Kultplätze

Kult und Ritual. Die Menschheit ist nicht ohne diese Elemente vorstellbar. Die Inhalte und Ausrichtung mögen sich laufend geändert haben.

Rituale verankern den Inhalt, den sie symbolisieren. Kult pflegt und nährt nicht nur die Verehrung des Göttlichen, sondern schweißt Menschen zu kulturellen Einheiten zusammen.

 

Wer Kultplätze anderer Kulturen besucht, wird von der höchsten Ebene der menschlichen Selbstorganisation angezogen: der Spiritualität.

Kultplätze waren ursprünglich wohl als von Göttern gegeben angesehen und entstanden dort, wo die Natur Außergewöhnliches geschaffen hatte, oder wo sich Aspekte einer Natur-und Weltordnung trafen (Etwa an besonderen geografischen Punkten). Je besser Menschen Naturgesetze in Formeln fassen konnte, desto mehr wurden Kultplätze gestaltet anstatt vorgefunden. Die gotische Kathedrale ist zum Beispiel die Revolution des Raumes (Martin Burckhardt), die architektonische Verneigung vor der Erhabenheit des Lichtes und die Spiegelung von Makro-und Mikrokosmos.

Was kultisch Bestand haben sollte, ward durchwegs in Stein gemeißelt; zuerst von der Zeit, von Gott und schließlich vom Menschen.

Und stets spielte das Licht der Sonne eine wesentliche Rolle, für einen Magischen Moment von Steinen oder in Stein gefangen...

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