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Das erste Mal... zum Zweiten

Die Anfänge und Starts von:

  • Akademie, Bier, Chemie,
  • Drachen  Erdbeere, Fenster
  • Gabel Hose Intelligenz
  • Justiz, Kugel und Lüge  in ihren Anfängen
  • Musik,  Null und Organe
  • Pension Quittung, Radio
  • Sport, Teufel und Urlaub
  • Vanille, Waage, Xanadu, ZYlinder   

mehr zu Neustarts auch hier: Das erste Mal und Anfang, Ende und die Ewigkeit



© A. Traugott-Hajdu
© A. Traugott-Hajdu

Neuigkeiten verfolgen einander heutzutage  in einer wilden Jagd und lösen einander in rasendem Tempo ab. Das geschieht in einer Intensität, die  eine Müdigkeit erzeugt, welche echte Informationen wie ein Panzer abwehrt. Die Angst, Wesentliches zu versäumen, lässt Salven an Oberflächlichkeiten , die sich unverdientermaßen als Neuigkeit tarnen, passieren. 

  Dabei gibt es nichts Neues, nur Altes in neuer Aufmachung. Manches war schon da, aus dem Zufall geboren und erst durch den menschlichen Geist zur Innovation erhoben.  Je jünger die Kultur, desto künstlicher das Neue: Das absolute Schwarz, ein herzhafter Geschmack, ein hybrides Lebewesen, Chimären, wie  etwa Ziegen, denen statt Milch Spinnenseide abgemolken werden kann.

 

Chimären (ursprünglich Mischwesen in der griechischen Mythologie)  spukten schon in den ältesten Hochkulturen durch die Köpfe der Menschen; allein die Fertigkeit fehlte, sie zu erzeugen. Und da gab es auch die Furcht: Der Talmud verbot vor etwa  2300 Jahren, zwei unterschiedliche Tierarten miteinander zu kreuzen.

Zu erschaffen, das war das Monopol der Götter. Es wurde oft unbewusst schon in der Ur-und Frühgeschichte gebrochen.

 

Es blieb  nie beim ersten Mal. Diese Tatsache wurde mitunter entweder vertuscht oder im Vergessen begraben.

akademie, bier und chemie

AKADEMIE

 Universität, Hochschule. Wo ist da der Unterschied? Nun Akademie ist eine freie Hochschule, und auch der Name lässt sich frei verwenden, während jede Universität, die sich so nennen will, einer Menge Gesetzen und Reglementierungen unterliegt. Hochschulen können Universitäten gleichgesetzt sein. Doch die Akademie geht auf die Lehrstätte Platos in Athen zurück und war dem Helden Akademos geweiht. Der rettete Athen vor der Zerstörung durch Castor und Pollux.

 

Sie bestand von 388 vor Christus bis 526 n.Chr.  und lag in einem Olivenhain, den Plato gekauft hatte.

Erst im 18. Jahrhundertentwickelte das Wort die Bedeutung „gelehrte Gesellschaft“ (Duden, etymologisches Wörterbuch)

 

BIER

quasi ein alpines Nationalgetränk? Mitnichten. Es findet  sich in England genauso wie in Afrika, schon die Inka tranken Maisbier. Es ist   seit Jahrtausenden ein globales Gebräu aus den unterschiedlichsten Zutaten. In Schweden heißt es übrigens  „Öl“, aber "im Öl sein", ist die österreichische Umschreibung dafür, wenn man zu viel gesoffen hat.

Spektrum der Wissenschaft enthüllte November 2019, dass schon vor 14.000 Jahren in Mesopotamien aus Wildgerste Bier gebraut wurde. Forscher fanden entsprechende Spuren in Steinbottichen, die sie mit modernsten analytischen Methoden identifizierten. Das Bier verwendete man allerdings für den Totenkult und das Brauereiwesen befand sich im Zweistromland in den Händen von Frauen. Die Sumerer gingen allerdings, wie der Codex Hammurabi (1700 v. Chr.) zeigt, mit BierpantscherInnen hart ins Gericht: Sie wurden im vergorenen Gerstensaft ertränkt oder so lange damit übergossen, bis sie erstickten.

 

 

CHEMIE

 Die Chemie wird in die vorwissenschaftliche Epoche, die der Alchemie und der Chemie als moderne Wissenschaft eingeteilt.

Die vorwissenschaftliche Epoche kannte schon 1000 vor Christus chemische Verfahren (Metallurgische Techniken der Jungsteinzeit, Arzneimittel, Farbenherstellung). Die Alchemie folgte ihr: Der arabische Begriff „Al kymia“ bezieht sich auf die Kunst des Metallgießens.

Die Wurzeln der Alchemie gehen auf die griechische Naturphilosophie zurück (kymia ist ursprünglich ein griechisches Wort), in denen alles auf Urstoffe (Elemente) zurück zu führen ist. Die Elemente sind Luft, Wasser, Feuer und Erde. Später kam Äther dazu. Betrieben wurde sie im hellenistischen Ägypten, ein Schmelztiegel für Einflüsse von China über den alten Orient bis zum antiken Griechenland. Die Chinesen wussten bereits im 4. Jh. nach Christus, dass man aus Asche Glas machen kann.

Im 15. Jahrhundert leitete Theoprastus Paracelsus von Hohenheim die Ära der wissenschaftlichen Chemie ein. Er nannte sie (Iatrochemie, also frei übersetzt-medizinische Chemie). Da seine Erkenntnisse sich auf Heilverfahren mittels Chemie bezog (und auch die essentiellen Lebensfunktionen einschloss), gelangte so die neue Wissenschaft über die Medizin an die Universitäten (vgl: https://www.uni-ulm.de/fileadmin/website_uni_ulm/nawi.inst.251/Didactics/elekleit/html/index011.html )

drachen, Erdbeeren und Fenster

DRACHEN

Joanne K. Rowling verhalf mannigfaltigen Drachengestalten aus allen Kulturen durch ihre Aufzählung „fabelhafter Tierwesen“ zu neuer Popularität.

„Dracon“ (griechisch) bedeutet Schlange und so ist es kaum verwunderlich, dass Drachen oft auch Schlangen mit Fledermausflügeln, Echsen-Körpern und- Köpfen gleichen. Alles, was aus der Tierwelt verpönt war, wurde zusammengestückelt. (Zumindest in Europa).

 

In Ägypten wird der Drache als Apopis im 5. Jahrtausend v. Chr., im Akkadischen als Anzu vorgestellt. Die Chinesen, so Wolfschwerdt im Onlinemagazin für Geschichte, stellten ihn schon im 4. Jahrtausend vor Christus dar. Er steht für Glück ebenso wie für Naturkräfte. Erst seit dem 3. Jahrhundert, in der Han Zeit, repräsentiert er den Kaiser. Im Christentum ist der Drache mit dem Teufel gleichgesetzt, so wird es immer wieder im Physiologus bekräftigt, einer frühchristlichen Naturlehre aus dem 2. Jahrhundert aus Alexandrien.

 

 

ERDBEEREN

gibt es zwar seit der Steinzeit, aber nur die kleinen Walderdbeeren, die im Mittelalter auch angebaut wurden. Unsere schöne große Speiseerdbeere, jene die man mit Schlagobers oder gar zu Champagner verzehrt, ist eine Kreuzung aus zwei amerikanischen Sorten und kam erst im 18. Jahrhundert nach Europa. In Chile wurde von den indigenen Völkern eine Erdbeere kultiviert, die in einer eher zufälligen Kreuzung mit einer ansehnlich großen nordamerikanischen Sorte unsere Gartenerdbeere ergab. Sie bekam, je nach deutschem Sprachgebiet auch lustige Namen wie: Elber, Arpel, Erper (was zu dem ungarischen Namen Eper für Erdbeere führte), Rotper, oder Roper.

 

FENSTER

insbesonders Glasfenster

gab es in Europa nicht vor der Römerzeit der Spätantike. Die Löcher in der Mauer, die Licht, und Luft, aber keine Hitze oder Kälte reinlassen sollten, wurden mit Leinen verspannt, oder mit Pergament (Tierhaut, die auch noch mit Öl präpariert wurde). Dort wo es teurer werden durfte, etwa in Kirchen, verwendete man hauchdünne Alabasterplatten. Wohnhäuser vor der Jungsteinzeit waren fensterlos.

 

Seit dem 1. Jahrhundert vor Christus verwendeten die Römer Glas, um ihre Fensteröffnungen abzudecken, dieses war aber nicht durchsichtig, da es  eine raue Oberfläche hatte. Erst ab dem 12. Jahrundert findet man Fensterglas auch an den Fassaden vornehmer Privathäuser von betuchten Menschen. Obwohl die Chinesen die Glasherstellung schon länger kannten, waren Holz und (zur Versiegelung der Öffnung) Papier die Materialien erster Wahl.

Die Jalousie als Sichtschutz ist übrigens  im Magazin10 behandelt

Gabel, Hose, Intelligenz

GABEL

 Betrachtet man alte Bilder, so besteht das Essbesteck von früher und am Land aus Löffel und Messer. Die Gabel soll zwar ihren Ursprung im 17. Jahrhundert in Italien genommen haben, die bürgerlichen Tischmanieren verfeinerte sie aber erst im späten 19. Jahrhundert! 

Es soll unter Bauern eine Tischregel gegeben haben, Esswerkzeug mit Zacken nicht nach oben zu halten, um ja keinen Engel versehentlich aufzuspießen.

Einzelne kleine zwei- oder dreizinkige Essgäbelchen sind aus der Antike bekannt, also etwa zwischen 1200 vor Christus bis etwa 500 nach Christus, besonders in Ägypten und Byzanz. 

 Die Ablehnung des dritten Esswerkzeugs nach Messer und Löffel wurde  wohl durch eine weithin kolportierte Anekdote  genährt: Ein Mitglied einer venezianischen Dogenfamilie hatte Beginn des 11. Jahrhunderts eine Prinzessin aus Byzanz geehelicht, die, byzantinischen Tischmanieren gehorchend jegliche Nahrung mit einem zweizinkigen Gäbelchen zum Munde führte, um sich die Hände beim Essen nicht schmutzig zu machen. Wie konnte es jemand wagen, die göttlichen Speisen nicht mit den von Gott gegebenen Händen anzufassen? Im Mittelalter galt die Gabel folgerichtig als Teufelswerkzeug.

 

Dass man sich Essen übrigens nicht mehr mit dem Messer in den Mund schiebt, so wie man es früher machte, ist darauf zurückzuführen, dass es ab dem 18. Jahrhundert als bäurisch und tölpelhaft galt. Die britische Marine verbot noch im 19. Jahrhundert per Dekret die Benützung von Gabeln, weil dies als affektiert und weiblich galt. Damals  schoben sich jedenfalls  die Frauen süßen Konfekt mit Doppelzinken ins Schleckermäulchen und mussten keine Angst haben, ihre hübschen Lippen bei hohem Seegang zu durchlöchern.

 

HOSE/BEINKLEID

 

Griechen und Römer zeigten prinzipiell ihre knackigen Waden und trugen allenfalls Minikleidchen (Tuniken) obwohl in der Antike Hosen durchaus bekannt waren. Die Skythen waren wahre Hosentraditionalisten. Sie lebten schon vor 2800 Jahren nördlich des schwarzen Meeres und im Gebiet der Ukraine, doch Spuren hinterließen sie als Reiternomadenvolk bis in die Mongolei. Im Gebiet der Uiguren fand man als Grabbeigabe die bislang älteste bekannte Hose, 3200 Jahre alt, die nicht maßgeschneidert, sondern maßgewebt wurde. Ihr Schnitt erinnert an Sarouel bzw. Pluderhosen, wie sie im Orient üblich waren. Die Germanen übernahmen ihr Beinkleid wohl von den Kelten, aber nachdem die Völker ethnisch durchmischt waren und sich gegenseitig kulturell befruchteten, könnte die Hose ja auch eher weit herumgekommen, als mehrmals erfunden worden sein.

Erst Ende des Mittelalters wurde die Hose für den Mann in Europa zum Statussymbol. Frauen durften keine Hosen tragen. Die Amerikanerin Amelia Bloomer (andere Quellen nennen Elizabeth-Smith-Miller) erfand das recht bauschig-unpraktische Bloomer-Kostüm; dieses wurde 1850 in der Öffentlichkeit vorgestellt erntete aber nur Spott. Ein Teil dieses Kostüms war eine weite Hose, mit an den Knöcheln zusammengebundenen Hosenbeinen. 

 

INTELLIGENZ

 

Nun ja, gibt es einen Anfang der Intelligenz? Den Anfang wessen Intelligenz? Und was ist das?

Schrammt nicht jeder, der nur versucht, über ihren Anfang zu schreiben, an ihr mit Karacho vorbei ohne sie irgendwie zu berühren?

Ist das, wenn schon nicht ganz dumm, vermessen? Trotzdem, wann fing der Mensch an, die mentalen, kognitiven und wohl "großhirnigen" Leistungen zu qualifizieren und zu quantifizieren?

 

Wann verließ er die platonische Höhle mit ihren Schattenspielen ? Das wird wohl nie herauszukriegen sein.

Die Spurensuche ist nur möglich, wo es eindeutige Spuren gibt und die können nur schriftlich festgehalten sein. Aber da lässt sich zumindest ein wenig stöbern: 

Die Chandogaya Upanishaden, zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert vor Christus verfasst, zählen zu den Weisheitsschriften des Hinduismus:  „Die Intelligenz ist größer als der Wille. Denn wenn der Mensch versteht, dann formt sich sein Wille, dann entstehen die Gedanken und dann entsteht die Sprache und die Namen werden genannt…. All dies ist in der Intelligenz enthalten, es besteht aus Intelligenz und verweilt in der Intelligenz... Derjenige, der auf die Intelligenz als Brahman (=Urgrund alles Seienden) meditiert, wird unabhängig von den Begrenzungen seiner Intelligenz….

Daraus folgern die Verfasser des Textes, die Meditation sei bedeutender als die Intelligenz.

Die Theologie kannte die göttliche Intelligenz, oder die Intelligenz der Engel, verhinderte aber zunächst, anderen biologischen Geschöpfen als dem Menschen Intelligenz zu zu sprechen (und nebenbei war Gottesfurcht wichtiger als Grips). 

Den Intelligenzbegriff, wie er in der europäischen Kultur verwendet wird, prägte Marcus Tullius Cicero 53 vor Christus. Er schrieb von „inter-legere“, was im engsten Sinn „wählen zwischen“ bedeutet und auch mit den Synonymen: erkennen, einsehen, Unterscheidung  vereinbar ist. (Das ist ein völlig anderes Konzept als etwa das hinduistische-yogische, das das Ende des Wählens als Vorbedingung zur Erleuchtung postuliert).

 

Das Ansehen der Intelligenz ist verschiedenen Kulturen nicht gleich hoch, in China etwa waren Dichtkunst Kalligraphie und Bogenschießen hochgeschätzt, im alten Griechenland ein athletischer Körper und bei Pueblo- Indianern Mitmenschlichkeit. Erst im 19. Jahrhundert begann man (Binet, Gall) Intelligenz zu messen  bzw. wenig erfolgreich auch an äußeren Merkmalen zu erfassen. Das Auftreten und Erscheinen von Intelligenz in der Geschichte der Lebewesen lässt sich nicht messen, denn sie selbst verändert sich ständig. Die Frage, wann sie erstmals erkannt und reflektiert wurde, gleich welche Form sie hatte und wo sie anfing, wird immer eine jener bleiben, die wir als unbeantwortet akzeptieren müssen.

Justiz, Kugel und Lüge

JUSTIZ

 

oder, wie man so schön sagt; Rechtspflege: Voraussetzung dafür ist, dass Gesetze niedergeschrieben sind. Seit 3500 Jahren ca. kennt der Mensch die Schrift.

Die Fixierung von Rechtsnormen in Staaten hängt davon ab, dass sie eben Staaten mit allem Drum und Dran sind, also von einer zentralen, politischen Macht gelenkt werden und nicht etwa von Clanverbänden, die nebeneinander gleichwertig sind.

Die Ägypter schufen im vierten Jahrtausend v. Chr. eine staatliche Ordnung; aber mehr als Streit schlichten passierte lange nicht. Da dem König/Pharao alles gehörte, hatte der das Sagen. Da wurde entschieden, aber nicht nach Gesetz gerichtet. Es galt ja die Weltordnung (Maat genannt) und der Pharao passte darauf auf.

 Das historisch älteste niedergeschriebene Recht geht auf die Sumerer im Süden Mesopotamiens zurück. Sie entwickeln die Keilschrift etwa im 3. Jahrtausend vor Christus. Das Gesetz des Urukagina von Lagasch entstand um 2360 v. Chr.

 

KUGEL

 Seit altersher gilt die Kugelform als vollkommene Form. Sie ist das Symbol des Kosmos schlechthin.

Die Kugel hat die kleinste Oberfläche von allen Körpern mit einem vorgegebenen Volumen. Von allen Körpern mit vorgegebener Oberfläche umschließt sie das größte Volumen.  (Deshalb packte man Mozart in Kugeln: Rundherum platzsparend, und drinnen voller Leckerei!)

 

Die Natur erschafft sie mit Hilfe der Elemente; sogar Wassertropfen sind kugelförmig, lässt man die Gravitationskräfte außer Acht. Der Mistkäfer dreht sie aus Mist, Muscheln umhüllen in perfekter Symmetrie feine Sandkörnchen (was  die Araber schon vor mehr als 7000 Jahren schätzten, denn 2012 entdeckten Archäologen in den Arabischen Emiraten eine Perle die mindestens 5300 vor Christus entstanden war).

 

Wann aber formte jemand zum erstem Mal absichtlich eine Kugel?

Gab es Teigknödeln a´ la Neandertal, Rockfootball oder gar Pilzkegelscheibn´?

Mit Speerspitzen und Faustkeilen konnten die Menschen ja bald etwas anfangen. Aber mit Kugeln?

 

Erst nach Aufkommen der Drechseltechnik waren sie perfekt in Serie herzustellen. Vor 8000-10.000 Jahren benutzten die Bewohner des Zweistromlandes (auf heutigem irakischen Gebiet) markierte Tonkugeln als Zählmarken. Ähnlich alte Tonkugeln fand man übrigens auch in der Mandschurei. Da lebte man in Europa noch die mittlere Steinzeit. (Mesolithikum).

 In Schottland fand man 5000 Jahre alte Steinbälle, welche allerdings mit Gravuren versehen waren und deren Funktion bisher unerklärlich ist. 5000 Jahre alt ist auch die älteste Murmel, die man bisher gefunden hat: Sie lag in einem Kindergrab in Ägypten. Vor 4500 Jahren spielten immerhin die Chinesen schon mit Bällen, was eine militärische Sportart zur Leibesertüchtigung war.

Der Kugel auf die Spur zu kommen ist allein deshalb schon nicht leicht, weil ja auch die Entstehung durch Bearbeitung nachgewiesen werden muss. Immerhin: mit genügend Zeitpolster formt Wasser aus Stein perfekte Rundkörper.

 

Wirklich alte Kugeln sind auf der ältesten bekannten Menschendarstellung zu sehen: Es sind die Brüste der Venus von Hohle Fels mit einem geschätzten Alter von 40.000 Jahren. Somit entdeckte der Homo Sapiens wohl die "Spaßlaibchen". vor dem Ballrund.

 

LÜGE

 

 ist mit Sprache verbunden, man täuscht mit Worten, und diese führen Gedanken und Taten des Belogenen in die Irre. Im Christentum ist der erste Lügner klar zu identifizieren: Es ist der Teufel, der Eva Versprechungen macht und als Schlange mit gespaltener Zunge spricht (sic !) Die Buddhisten verpönen Lüge, weil sie den Lauf der Dinge beeinflusst, dieser Ereignisprozess aber irgendwann im Sande verläuft. Die Maytrani Upanishad (700-500 v. Chr.) sagt, dass Lügner von Sinnesgegenständen betört sind und daher steht die Lüge im Dienst des Karmas, des Gesetzes von Ursache und Wirkung. 

 

Der Codex Hammurabi ahndet Falschaussagen schon in seinem ersten Paragraphen schwer: § 1 Gesetzt, ein Mann hat einen anderen bezichtigt und ihm eine Mordtat vorgeworfen, hat ihn aber nicht überführt, so wird derjenige, der ihn bezichtigt hat, getötet. Auch falsche Zeugenaussagen werden mit dem Tod bestraft. So erließ es König Hammurabi 1800 vor Christus  in Mesopotamien.

Laut Ann Marlene Henning  fängt ein Kind zu lügen an, wenn es Erwachsene lesen kann, es also anhand von Mimik, Gestik, Körperhaltung weiß, wie es um den Anderen bestellt ist. Die Lüge geschieht nicht, damit sich das Kind Vorteile verschafft, sondern damit es den wahren Befindlichkeiten der Bezugspersonen gerecht wird. Schon Zweieinhalbjährige durchschauen Erwachsene und allenfalls Lügen. Die klare Trennung zwischen Wahr und Unwahr solle erst, so die Psychologin Hauffe-Bojé erst ab dem 4. Lebensjahr möglich sein.

musik, null und organe

MUSIK

 Wann wurden Bemühungen, wiederholt gleiche Töne, Rhythmen, Melodien zu produzieren, Musik?  Musik zur Partnerwerbung, beim gemeinsamen Arbeiten und nicht zuletzt im religiösen Rahmen, etwa um Trance zu erzielen?

Wann wurde eine von Instrumenten erzeugte Melodie  erstmals über Generationen überliefert?

Wann sagte man zum ersten Mal: „Lasst uns Musik machen?“ 

 

Menschen erzeugten vielleicht erstmals mit Flöten,  vielleicht sogar mit dem Körper als Musikinstrument das, was Klänge zu Kompositionen ja gar zu Ohrwürmern werden ließ.  Möglicherweise war die menschliche Stimme über den Gesang hinaus ein Instrument denkt man an die Gesänge der Inuit oder an den von einem Sänger erzeugten zweistimmigen  Kehlkopfgesang Hoömii.

 Imitierte man Tiere, Vögel etwa, von denen bekannt ist, dass sie oft Melodien in der Familie weitergeben? Wurden sie mimetisch nachgeahmt?

Die ältesten bisher bekannten Musikinstrumente sind 35.000 Jahre alte Knochenflöten, aber wenn Menschen auch andere Materialien wie Holz oder Fell verwendeten, dann kann sein, dass Instrumente zerfallen und vielleicht als solche nicht mehr erkennbar sind. Man kann ja auch auf Blättern pfeifen  oder auf Kämmen spielen.

In der Mongolei soll der Obertongesang in einer Gegend entstanden sein, in der die Landschaft dem Wind Melodien entlockt (oder umgekehrt).  Wo keine anderen Geräusche existieren, da kann man noch die Natur musizieren hören. Warum sollte also nicht sie angeregt haben, ihren klanglichen Äußerungen zu antworten?

 

Der Homo Sapiens ist 300.000 Jahre alt und niemand weiß, ob nicht eine andere Menschengattung, wie etwa die Neandertaler auch Musik gemacht hat. Die Frage stellt sich, ob Musik nicht auch aus Tanz entstanden ist, aus der rhythmischen Bewegung des Körpers, der plötzlich begann, Töne zu erzeugen. Jedenfalls zeigt die Body-Music-Bewegung, dass die Suche nach  Instrumenten  möglicherweise beim menschlichen Körper beginnen sollte.

 

Es brauchte auch eine bestimmte Entwicklung des Gehirns, der Fähigkeit zur Sprache, welche die Musik zu dem machte, was sie heute im Grunde ist: sozialer Kitt, Seelenheilerin, Identifikationsmittel. 

Wenn auch gut aussehende schön singende Männchen sowohl bei Menschen als auch bei Tieren den größten Erfolg bei Frauen haben, so hatte Musik nie ausschließlich die Funktion eines Balzrituals.  Wer singen kann, dessen Körper kann schwingen. Nicht umsonst hängen Sound und gesund wortgeschichtlich zusammen.

 

NULL

„Die Null ist die Kardinalität der leeren Menge“ schreibt Wikipedia und bezieht sich auf sie als die „kleinste Kardinalzahl“. (https://de.wikipedia.org/wiki/Null )

Sie wird ursprünglich als neutrales Element eingeführt, markiert als Nicht-Zählbares die Grenze zwischen Zahlenbereichen. Erst die Vorstellung, dass die Null eine Zahl sei, ermöglicht eine Reihe von Entwicklungen in der Mathematik. Das arabische Wort „sifr“ bedeutet Null, daraus übernahmen wir das deutsche Wort für „Ziffer“ und die romanischen Sprachen „Zero“. Sifr leitet sich wiederum aus dem Sanskritwort shunyam ab, und bedeutet „Leere“.

 

Als Platzhalterin wurde die Null aber auf dem ganzen Globus in vielen Kulturen eingeführt: so etwa bei den Mayas oder vor 4000-5000 Jahren bei den Sumerern, da Lücken zwischen Zahlen zur Verwirrung führten. In Ägypten bedeutet die Hieroglyphe für „Null“, „Nichts“ Diese war im 2. Jahrhundert vor Christus nachweisbar, während etwa die Griechen (wie auch die Chinesen) die Null nicht kannten.

Lateinisch bedeutet „Nullus“ „Keiner“. (Im Gegensatz zu „Einer“!).

1881 wurde in Pakistan ein Manuskript gefunden, das einen Punkt beinhaltet, der in Sanskrit „Null“ bezeichnet. Das Manuskript wurde vor ein paar Jahren dank moderner Analysemethoden auf ein Alter von 1800 Jahren zurückdatiert. Bill Casselmann von der Universität von British Columbia (Kanada) hält es für möglich, dass dieser Platzhalter unter Alexander dem Großen von Griechen aus Babylonien übernommen und nach Indien  exportiert wurde. 

 

Für den mathematischen Gebrauch in unserem Sinne bedurfte Null noch beinahe 500 Jahre Entwicklung. Der indische Mathematiker Brahmagupta führte sie 628 als das Element in Berechnungen (Gleichungen) ein, als das wir sie heute kennen. 773 erreichte 0 Bagdad und fand Eingang in das arabische Zahlensystem. (https://www.livescience.com/27853-who-invented-zero.html )

Der Mathematiker Leonardo Fibonacci, der die Null aus Algier (dort aus den arabisch-indischen Überlieferungen) kannte, machte 1202 die Null als Zeichen (nicht als Zahl!) in Italien bekannt. Händler dankten es ihm und führten sie in ihre „Buchhaltung“ ein, während die Kirche im Mittelalter die Null als Teufelswerk betrachtete.

  

 

ORGANE

 Wir alle fingen als Einzeller an. Die ersten sollen vor 3,5 Milliarden Jahren gelebt haben. (Wenn die gewusst hätten, was mal aus ihnen wird!) Der Uropa hieß Luca= last universal common ancestor und hatte keinen Zellkern. Lucas Nahrung war Kohlendioxid, Wasserstoff und Stickstoff. 

Doch wann fing die Natur an, Zellen zu spezialisieren und Lebewesen mit Organen zu erschaffen?

 

Solange es Einzeller gab, spielte Altern und Tod keine Rolle, der Faden des Lebens riss nie ab, weil sich die Zelle einfach teilte. Vor 600 Millionen Jahren tauchten mehrzellige Lebewesen auf. Einzeller besaßen schon sowas wie die Vorstufe von  Organellen, doch wie diese zu definieren waren und ob sie etwa eine Membran haben mussten, darum rangen Wissenschaftler vom 19. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert.

 

Organe sind deshalb so spannend, weil sie alle aus den gleichen Zellen bestehen. Das heißt, dass grundsätzlich eine Herzmuskelzelle genauso eine Leberzelle oder eine Zelle aus Lungengewebe, oder ein Nerv... kurzum alles sein könnte. Die Anlagen, die sie für etwas anderes spezialisieren würden, als sie spezialisiert sind, sind einfach unterbunden, als ob man Tasten eines Klaviers abgeklebt hätte. Das passiert auf der Genebene. Umso spannender, dass 2016 in einem recht primitiven Tier, das vor 550 Millionen Jahren lebte,der bislang älteste Darm gefunden wurde. Auch in der Embryonalentwicklung ist der Darm früh dran, noch vor Haut, Herz Lunge oder Hirn im 3. Schwangerschaftsmonat. Zudem ist er auch, durchsetzt mit Nervenzellen, eine Art von Urhirn.  Es beeinflusst  sogar das Gehirn im Kopf mehr, als wir wahrhaben.

Die Spezialisierung der Zellen zu Organen startete also mit dem Verdauungstrakt.

Pension,   Quittung, Radio

PENSION

Arbeiten bis zum Umfallen? Bis vor ein paar Generationen Realität. Da ja auch die Lebenserwartung nicht sehr hoch war und erst in den letzten zwei Jahrhunderten stieg, war es widersinnig, fürs Alter anzulegen. Denn dieses kam früh und rasch.

Rente oder Pension war nur denen bekannt, die Beziehungen zu einem  zu einem Adelshof hatten. Sie geschah bis ins 19. Jahrhundert in Form einer jährlichen Zahlung. Kinderreichtum garantierte unter Umständen einen erträglichen Lebensabend zu Zeiten, da Altersversorgung reine Familienangelegenheit war.

Die Verbürgerlichung der Gesellschaft (nach den großen Revolutionen, in denen der Adel entmachtet wurde), sowie die Industrialisierung änderte dies. Auf der einen Seite gab es Vorformen betrieblicher Pensionskassen, etwa 1769 für Bergleute ( die vom Fürst Ludwig von Nassau-Saarbrücken verordnete Bruderbüchse  half ursprünglich nur bei Unfällen).

 

Schon ab dem 17. Jahrhundert wurden erste staatliche Pensionssysteme für Zivilangestellte des Staates und Militärangehörige eingerichtet. In Frankreich gab es seit 1653 die sogenannten Tontinen, eine Vorform der Rentenversicherung. Erfinder war der Bankier Lorenzo die Tonti, der ein Zinsen- und Ausschüttungssystem kreierte.

In der Donaumonarchie hatten nur Beamte Recht auf eine Pension, sodass sich für einen erbärmlich bezahlten Staatsposten 50 Bewerber einfanden, die gerne jahrelang auf ihre Einstellung warteten.

 

Eine Altersrente hätte bei Piraten wenig Sinn gehabt, allerdings hatten diese zumindest in der Karibik eine „Invalidenpension“. Captain Morgan, ein walisischer Freibeuter durfte per Kaperbrief der englischen Krone ab 1665 spanische Schiffe ausrauben.

Anstatt seine Beute zu verprassen, wurde er zum Unternehmer, der seine Leute sozial absicherte. Sie mussten einen Vertrag, den sogenannten Piratenkodex unterzeichnen, durch den sie   bei "Verdienstausfall" aufgefangen waren. Wie zu biblischen Zeiten Methusalem (969 Lebensjahre) und andere Urväter ihren Lebensabend fristeten, ist unbekannt. Sie müssen wohl zwangsläufig ziemlich rüstig geblieben sein.

 

QUITTUNG

bedeutet ursprünglich "Befreiung" (aus einer Verbindlichkeit entlassen sein) und tauchte im 15. Jahrhundert in der Kaufmannssprache auf.

Doch die Praxis des Quittierens ist schon viel älter. In Hanau in Deutschland fand man eine Zahlungsbestätigung, die 130 nach Christus ausgestellt wurde, genauer, am 5. April mit dem Wortlaut: "In Mainz (...) habe ich erhalten 200 Denare an den Nonen des April als Catullinus und Aper Konsuln waren..."

 

 Quittungen gab es sogar schon früher, etwa auf Papyrus aus der hellenistisch-römischen Zeit. Eine der ältesten gefundenen Zahlungsbestätigungen datiert 23 vor Christus und bestätigte die Entrichtung einer Kopfsteuer.

 

die wohl älteste Quittung der Welt
die wohl älteste Quittung der Welt

Im Museum der Universität von Tübingen befindet sich eine Quittung über 38 700 Liter Gerste aus dem 21. Jahrhundert vor Christus,  Aus Ur, Mesopotamien.

Darauf steht in Keilschrift eingraviert: „8.700 (Liter) Gerste (nach) Königsmaß; Gerste des Abba, des Koches des Stadtfürsten, hat Ur-lisi, der Getreidespeicher-Aufseher, aus dem neuen Haus des Abba, des Koches, erhalten. Monat E-iti-asch; Jahr, in dem der En-Priester von Eridu inthronisiert wurde." Etwaige Reklamationen können wohl trotz des einwandfreien Erhaltungszustandes des Dokumentes, nicht mehr getätigt werden.

 

  

RADIO

 Radio ist die Kombination aus Tonaufzeichnung (Edison) und Übertragung, wobei die Erfindung des Telefons genauso wichtig war wie die Entdeckung elektromagnetischer Wellen für drahtlose Übertragung. Laut Wikipedia soll nicht Marconi, sondern ein gewisser Alexander Popow das erste Radio 1895 präsentiert haben, allerdings war Marconi der Schnellere auf dem Patentamt.

Die Idee ist aber wesentlich älter. Sie war schon 1627 da, in Francis BaconsNova Atlantis“. Er beschreibt in seiner utopischen Erzählung Klanghäuser, in denen alle Formen von Klängen und Stimmen imitiert, künstliche Echos erzeugt, Klänge manipuliert, verstärkt und über Distanzen durch Röhren u.A. übertragen werden.

Sport, Teufel und Urlaub

SPORT

Bei den Anfängen des Sports denken Manche wohl nicht ungerne an griechische Vasenmalereien, auf denen knackige nackte Männer Leichtathletik betreiben. Dabei waren die alten Ägypter mit Sport früher dran, nämlich 3000 vor Christus, und bei der Stufenpyramide des Djoser befindet sich eine Laufstation, die mit 4600 Jahren wohl die älteste Sportanlage der Geschichte ist. Körperertüchtigung stand nämlich oft auch mit religiösen Riten in Verbindung.

 

Der Ringkampf setzt sich wohl als eine der ältesten Sportarten durch, wurde er doch vor etwa 15.000 Jahren in der Höhle von Lascaux dargestellt und vor 6000 Jahren in der Mongolei (heute noch eine Ringernation).

 

Spricht man von Sport, dann bezieht man sich auf das englische Wort „sport“ „Zeitvertreib, Spiel, Vergnügen“ das von disport kommt, „sich zerstreuen“. Die Körperertüchtigung der Griechen war also etwas Anderes als Sport, ein Begriff des 19. Jahrhunderts für eine Bewegung, die von England und Amerika ausging.

Manche schreiben Fürst Pückler-Muskau die Einführung des Wortes in die deutsche Sprache zu, da er in äußerst populären Reisetagebüchern, welche Anfang des 19. Jahrhunderts verlegt wurden und Bestseller waren, sich recht ausführlich über englische sportsmen erging.

 

TEUFEL

In vielen Religionen gibt es böse Mächte und Dämonen, aber die Götter waren meist zahlreich und ihre Gegenspieler wechselten sich oft nach erfolglosen Umsturzversuchen ab. Der biblische Gott  hat nicht von Anfang an einen Gegenspieler gehabt.

Der Teufel ist  eine exklusiv biblische Erfindung:  Sein Name aus Dia-Bolus („der Verleumder, der der durcheinander wirft“ abgeleitet bzw. Satan bedeutet „Feind“.

Es schien an der Zeit, dem Herrgott einen Feind gegenüber zu stellen, damit seine Macht besser zur Geltung kam. Der Teufel tritt anfänglich nicht als Verkörperung des Bösen, sondern, nicht ganz unsympathisch, als Versucher und Verführer auf. Mit der Hauptresidenz in der Hölle ist er eine christliche Erfindung aus der Spätantike. Sein Karrierekick kam also relativ spät.

 

Bat-Idol
Bat-Idol

Spannend ist auch die Darstellung des Teufels. Es gibt im alten Ägypten eine uralte Göttin der Milchstraße , eine der ältesten Darstellungen auf einer Stele ist 5000 Jahre alt : Bat.

Sie ist die weibliche Seele, (BA)  die mit den zwei Gesichtern, "welche sie vor allem Bösen beschützen".   Vielleicht war sie ja auch ein Vorbild für die Baphomet-Darstellung der Templer, welche Satanisten im 20. Jahrhundert aufgriffen.

Pan, Natur,-Wald-und Hirtengott mit animalischen Gelüsten kommt  dem klassischen Teufel am Nächsten: Er wurde ab dem Mittelalter  als Vorbild für den Gottseibeiuns genommen, zumal er alles christlich-moralisch Verwerfliche verkörperte.

 

 

URLAUB

Urlaub ist aus der Arbeitswelt und Ferien aus  dem Bildungswesen  nicht mehr wegzudenken. 

Urlaub, der bezahlt wird und auf den der Mensch Anspruch hat  ist ein Recht, das sogar in die Charta der Grundrechte der Europäischen Union Eingang gefunden hat. 

Dass aber das Ur-Wort für Ferien durchaus mit der Landwirtschaft zu tun hat, zeigt die Tatsache, dass Knechte und Mägde nach der Ernte zum Altbauern gehen  und sich frei nehmen konnten, wofür sie sogar Geld für Vergnügungen bekamen. Der Altbauer „Ur“ gab also Erlaubnis. Die  Wurzeln liegen aber tiefer,  im Mittelhochdeutschen, und waren  die Erlaubnis, die ein Adeliger einem Ritter zu geben hatte, damit er sich entfernen konnte. Daraus leitete sich wohl auch der Urlaub österreichischer Militärangehöriger im 19. Jahrhundert ab.

 

Handwerker, die auf der Walz waren oder aber grad nichts zu tun hatten, pflegten schon länger eine Form der Ferienkultur, die der gegenwärtigen recht nahe kommt. Sie reisten und lernten andere Gegenden und Sitten kennen. Erst im 19. Jahrhundert ist der Urlaub Teil eines Lebensstils geworden, der sich langsam in allen Sozialschichten durchzusetzen begann. Deutsche Brauereiarbeiter setzten etwa erst 1903 einen Urlaub durch und waren damit Urlaubspioniere.

Vanille, Waage, Xanadu und Zylinder

VANILLE

 Patisseriekunst, Weihnachten, süße  Küche: Nicht ohne die duftenden braunen Stengelchen, die teurer als Silber, Stärkungselixier des Gehirns und Liebesmittel sind! 

Die Pflanze, die dieses wunderbare Gewürz liefert, ist eine Orchideenart.  Schokolade mit Vanille ( ihr Name hieß auf Nahuatl “Geschenk der Götter”) war deshalb ein begehrter Trank aztekischer Herrscher. Der Letzte, nämlich Moctezuma II. (1465 – 1520) soll täglich bis zu 50 Tassen Schokolade mit Vanille konsumiert haben.

Im 15. Jahrhundert übernahmen die Spanier, die lange ein Vanillemonopol hatten,  sie von den Azteken. Die Orchidee  wird allerdings ausschließlich von der mexikanischen Melipona Biene und von dortigen Kolibris bestäubt. Auf Madagaskar und etwa auch auf Reunion (ehem. Bourbon), wo das Monopol durchbrochen wurde, muss sie händisch befruchtet werden. 

Die Totonaken  hatten sich vom  zentralmexikanischen Bergland bis in das Gebiet des heutigen Bundesstaates Veracruz am Golf von Mexiko ausgebreitet und wurden  1460 von den Azteken erobert.  Sie mussten einen Teil ihres Tributes in Form des aromatischen Gewürzes entrichten, welches sie anbauten. In den Regenwäldern im Südosten des Landes hatten sie  fast 500 Jahre vorher das "Geschenk der Götter" entdeckt, also schon 1000 Jahre lang  Speis und Trank verfeinert.

Der Name Vanille stammt aus dem Spanischen: Vainilla  von vaina Scheide, bedeutet Kapsel . Es gibt 120 Arten, aber nur drei werden angebaut. (Muttermilch soll übrigens auch leicht nach Vanille duften(!)

 

 

WAAGE

 

Messen und Wägen sind uralte Kulturleistungen. Sogar das indische Wort Maya-für „Schein“ hat in seiner Wortwurzel matr=messen. Das Gemessene ist also Schein.

Ab wann aber fand man ein Maß für die Schwere einer Sache und legte entsprechend geeichte Körper auf eine Schale, um Dinge zu wägen?

Schon den alten Ägyptern ist die Seelenwaage bekannt. Nach dem Tod wurde das Herz des Verstorbenen gewogen und nur wenn die Feder, die in der anderen Schale lag und nichts anderes als die Göttin der Gerechtigkeit Maat verkörperte, in der Schwebe blieb, durfte der Tote weiter ins Jenseits wandern. Man fand in Ägypten eine Balkenwaage, also eine, die mit zwei Waagschalen funktioniert, die 7000 Jahre alt ist.

Noch früher, nämlich 2000 Jahre früher waren es die Arme des Menschen, die Gewicht ermaßen, indem sie dazu Gewichtssteine als Referenz in die Hand nahmen. 

 

XANADU

A place where nobody dared to go-The love that we came to know-They call it Xanadu“ trällerte Olivia Newton-John über einen Fantasieort in einem im Grunde furchtbar hanebüchenen Fantasyfilm. Die Story wurzelt irgendwie in der griechischen Antike. Tatsächlich war Xanadu „Shangdu“ , die 1256 angelegte Residenzstadt Kublai Khans in der inneren Mongolei. Berühmt wurde es durch den romantischen Dichter Samuel Taylor Coleridge. Und dieses Gedicht :“In Xanadu schuf Kubla Khan ein Lustschloss, stolz und kuppelschwer...“ inspirierte dann Randolph Hearst zum Bau eines Anwesens und die Benennung des gleichnamigen Tanzlokals  Xanadu (!) im Film.

 

ZYLINDER

Marlene Dietrich trug ihn keck, und Oliver Hardy  (der Dicke in Dick und Doof-Filmen) zerdepschte ihn. In Ascot kann man den Zylinder, den top-hat,  noch ab und zu sehen. Er wurde einer Quelle nach 1790 aus Amerika importiert, fasste aber erst im Empire (also unter Napoleon) Fuß in Europa.  John Hetherington soll der erste Mann gewesen sein, der  1797 in London einen Zylinder trug. Vorläufer des Zylinders, sogenannte Biberfellmützen waren wegen ihrer angenehmen Trageeigenschaften schon ab 1550 beliebt.

 

 

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