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Nosebook: Lehrreiche Fauna

  • Lehrreiche Fauna
  • Tierisch gute Sprüche von A-Z
  • Ameise, Affe, Bär und Chamäleon
  • Ente, Fisch, Frosch

 

  • Geier und Katze
  • Kuh, Löwe, Pferd
  • Schmetterling, Taube, Wurm
  • Wenn man Tiere sprechen lässt

 



Foto: ATH
Foto: ATH
Hundstag. Foto: ATH
Hundstag. Foto: ATH

LEHRREICHE FAUNA

Ob im alten Ägypten, in Indien in Amerika oder in Europa: Überall erzählte man sich Fabeln, deren Helden gerne Tiere waren.

Sie dienten dazu zu belehren und hatten einen bestimmten Aufbau. Das mag auch damit zusammenhängen, dass in vielen alten Kulturen Götter als Tiere erschienen, die sich vorbildlich verhalten hätten müssen, was sie nicht immer taten. Aber gleich ob sich Wasser-Luft-oder Landbewohner vorbildlich oder auch flegelhaft bis bösartig verhielten, als Modell für do´s und dont´s waren sie stets geeignet.

 

Möglicherweise gründet sich manche Fabel auf einem Spruch. Zumindest endet das gut 2000 jahre alte indische Panchatantra seine Fabeln damit und der französische Fabeldichter Jean de La Fontaine hält es genau so.

 

Sprichwörter und Redewendungen kommen aus allen Lebensbereichen und manches hat sich aus heiligen Büchern in den Alltag begeben und manche Begebenheit aus dem Alltag vor Jahrhunderten war auf den Umgang mit Tieren zurück zu führen. Sie sind zunächst mündliche Überlieferungen aus dem Volksmund. Was man von ihnen lernen kann, ist kulturell geprägt.

 

Wie viel Vermenschlichung in Tierfabeln steckt, oder wie tierisch im besten oder schlechtesten Sinne sich Menschen verhalten, darüber lässt sich endlos diskutieren.

Jedenfalls sind Redewendungen mit Tieren oft knackig und je nach Land bieten sie recht witzige Überraschungen...manchmal sind es gar keine Tiere; die in Sprüchen stecken, aber erst sie haben diese berühmt gemacht.

Tierisch gute Sprüche von A-Z

Ameisen

tragen mehr als das Hundertfache ihres Gewichts. Sie leben zu Millionen in gigantischen Bauten.

Manche sind Krankenpfleger, manche Gärtner - und manche morden.

Sie tauschen sich durch Duft und Vibration des Hinterleibs aus. Und sie sind wie ein vorbildlicher Staat organisiert.

 In den Sprüchen spiegelt sich wieder, wie organisiert sie als Masse sind.

 

"...dass es in der Natur des Menschen liegt, nicht über einen Berg zu stolpern, wohl aber über einen Ameisenhügel."

Lü Pu-wei; Chines. Philosoph um 300 v. Chr.

 

In Ungarn wird nicht nur der Bienenfleiß wortwörtlich der Ameise zugeschrieben, sondern, "sie sei in nicht weniger als 308 Fällen beispielhaft", was sinngemäß auch die Römer befanden: „Formica vobis exemplo sit.“ (Die Ameise sei euch Beispiel).

Affen

sind ein komplexes Thema, denn es macht einen großen Unterschied, von welcher Affenart man spricht.

Sie sind jene Tiere, die ganz offensichtlich mit Menschen in Verhalten und Äußerem verglichen werden.

 

Laut Sokrates soll "Gott den Menschen erschaffen haben, weil er von Aussehen des Primaten ziemlich enttäuscht war."

 

Es musste erst Friedrich Torbergs Tante Jolesch kommen, um festzustellen, dass ein Mann, der schöner als ein Affe sei, ein Luxus ist.

Immerhin, sinnbefreit zu quatschen ist eine wichtige Funktion für zwischenmenschliche Beziehungen und hat ziemlich die gleiche Aufgabe wie das Lausen der Affen untereinander. Es beschwichtigt und besänftigt die Atmosphäre.

Die drei Affen gemahnen an das mittelalterliche Sprichwort:

 

" Höre, sieh und schweige, wenn du in Frieden leben willst."  "Audi, vide, tace, si tu vis vivere pace.",

reimt es sich auf lateinisch.

 

Das zu befolgen macht den Menschen allerdings zum meinungslosen, desinteressierten Geschöpf.

Dass allerdings drei Affen das Sprichwort verkörpern, hat den Grund, dass der Ursprung der drei Affen im fernen Osten, in Japan liegt.

In der japanischen Sprachformel »mi-zaru, kika-zaru, iwa-zaru« ( nicht sehend, nicht hörend, nicht sprechend) entspricht »zaru« dem deutschen Wort »nicht«. Zaru« lässt sich aber leicht mit »saru« verwechseln, dem japanischen Ausdruck für »Affe«. Deshalb konnten aus der dreimaligen Verneinung drei Affen werden. Spannend, dass sich ein Sprichwort aus Wortgleichklang zu einem völlig anderen Bild entwickelt...

Bär

 

Meister Petz hat bisweilen das Image eines Faulpelzes, besonders wen man an Walt Disneys Balu aus dem Dschungelbuch denkt, doch auf der faulen Haut liegen kommt nicht von ihm als lebendiges Vorbild.

Man merkt, der Bär ist und war ein herausforderndes Jagdobjekt und viele Sprichwörter beziehen sich auf seine Körpergröße und sein Gewicht.

 

Wenn laut dem römischen Geschichtsschreiber Tacitus die Germanen auf der Bärenhaut lagen, taten sie es aus Faulheit und weil sie gerade nicht Krieg führten. Dann überließen sie auch den Frauen die Arbeit. Das heißt aber auch, dass keine Frau jemals auf der faulen Haut liegt und lag.

 

Wenn in Amerika ein Bär einem aufs Ohr gestiegen ist, bedeutete das, dass die betroffene Person völlig unmusikalisch war und quasi keine Töne unterscheiden konnte.

Warum in der Toskana die Unmöglichkeit, in der Lotterie zu gewinnen mit der Unmöglichkeit verglichen wird, dass ein Bär seinen Pelz schön frisiert, ist nicht so leicht zu eruieren. Wortgetreu bedeutet der Spruch: Chi dal Lotto spera soccorso, mette il pelo come un orso. Wer sich finanzielle Unterstützung vom Glücksspiel erhofft, ist wie ein Bär, der sein Fell zurecht legt.

 

Cosimo de' Medici,   Stadtherr von Florenz, führte eine Lotterie ein um damit Florenz` Vorherrschaft vor Siena zu decken. Andererseits:  Der im Wappen der Stadt Pistoia dargestellte Bär heißt "Micco" und war quasi als Gegenspieler zum Florentiner Löwen erschaffen. Auf toskanisch bedeutet "Micco" dumm.  Vielleicht war der Spruch auch eine Anspielung darauf.

 

 

 

Chamäleons

sind faszinierende Tiere: Sie spalteten sich vor 100 Millionen Jahren von ihren nächsten Verwandten, den Agamen, ab.

Chamäleonaugen sind sehr hoch entwickelt und leistungsfähiger als das menschliche Auge. Immerhin arbeiten sie wie Lochkameras mit hoher Schärfentiefe, was bedeutet, dass alles, sowohl in der Nähe als auch in der Ferne scharf und nicht verschwommen abgebildet wird.

Der Farbwechsel dient vor allem zur Kommunikation mit Artgenossen. Wenn sich zwei Männchen begegnen, liefern sie sich einen heftigen Kampf der Farben. Manche männlichen Chamäleons geben sich sogar farblich als Weibchen aus, um Kämpfe mit männlichen Rivalen zu umgehen.

 

Flexibilität ist manchmal unheimlich und dass man bei diesem Tier mit Überraschungen rechnen muss, hat sich in Spruchweisheiten niedergeschlagen.

Bei Buschfeuern lernt das Chamäleon als erstes zu laufen besagt ein afrikanisches Sprichwort.

 

Zudem meint man in Senegal, dass das Chamäleon die Farbe wechselt, um sich der Erde anzupassen aber die Erde tue es nicht, um sich dem Chamäleon anzugleichen.

Der Name für das Reptil ist übrigens griechisch und bedeutet "Erdlöwe", wohl weil manch mit Kämmen ausgeprägt bewehrter Kopf zumindest ein wenig an eine Löwenmähne erinnert.

Einer Ente

bring nicht das Schwimmen bei sagt man in Ungarn, wenn man meint, dass man niemandem lehren muss, was er schon kann. Es ist eine Wasservogelart, die keine Rangordnung kennt und sehr flexibel ist.

Enten begegnet man auf der ganzen Welt, sind es doch Zugvögel.

Ihre prominentesten literarischen Vertreter sind in Selma Lagerlöfs Nils Holgersson zu finden. Doch auch dem individualistischtem Automobil gab sie ihren Namen: dem 2 CV.

Aktuellerweise bedeutet eine Lame Duck („lahme Ente“) im politischen System der Vereinigten Staaten, wenn ein amtierender Präsident oder Politiker nicht zu einer Wiederwahl antritt bzw. eine Wahl verloren hat. Dann nämlich kann er sich nicht mehr durchsetzen, ist also fußmarode bzw. handlungsunfähig geworden.

 

Der Ausdruck Ente für eine Falschmeldung in der Zeitung hat seinen Ursprung im 19. Jahrhundert, als im Französischen das Wort canard Ente, für Flugblatt / Falschmeldung verwendet wurde.

Vendre un canard à (la) moitié (Also nur die Hälfte einer Ente zu verkaufen) bedeutet lügen, täuschen, jemandem etwas weismachen. Im Neuhochdeutschen bedeutet eine blaue Ente eine Lüge . Die Bedeutung der Farbe blau, steht für „nebelhaft, nichtig“

Tatsächlich wurde bereits im 13. Jahrhundert der Name dieses Schnattertieres, von dem man sich vorstellt, dass es laut tratscht, verwendet, um Menschen zu bezeichnen, die zu gesprächig waren. Sie verbreiteten Entengeschnatter eben…..

 

Fisch

Der Fische gibt es viele. Schwer greifbar, sich unübertroffen in allen Gewässern bewegend, steht er für Leben, Lebensfreude und wurde nicht von ungefähr Symbol des Urchristentums, wenn auch die Initialen von Jesus Christus als Abkürzung für das griechische Wort für Fisch/ Ichtys gelesen werden können.

Leicht darzustellen durch zwei Klammern, die einander überkreuzen, war sein Abbild ein ideales Geheimzeichen.

 

Trafen sich zwei Christen zur Zeit der Christenverfolgung in Rom heimlich, zeichnete einer ein unverfängliches ( in den Sand. War der andere Gesinnungsgenosse, wusste er, dass das Zeichen zum Fisch zu ergänzen war...

 

Der Schwede denkt an den Lachs, wenn er Fröhlichkeit beschreibt: Glad som en lax /Fröhlich wie ein Lachs.

 

Der Italiener denkt da hingegen pragmatisch-kulinarisch wenn er meint, dass ein Fisch dreimal in seinem Leben schwimmen wolle: im Meer, im Olivenöl und im Wein. Il pesce vuole nuotare tre volte:nell'acqua, nell'olio e nel vino.

 

Munter ist ein Fisch wohl nur im Wasser...

 

Frosch

Ein Brunnenfrosch zu sein, galt in Indien als Schimpfwort für einen, der nie sein Geburtsland verlassen hatte, so ein Sanskrit-Wörterbuch und das Panchatantra benennt es als Lebensweisheit: „Wer nicht aus der Heimat wandert und die ganze Welt sieht, die voll von tausendfachen Wundern, der gleichet einem Brunnenfrosch“, der, nach einer gerne bei Buddhisten überlieferten Geschichte von einem anderen Frosch nicht nur dazu überredet wird, den Brunnen zu verlassen, sondern auch, diesem zum Ozean zu folgen.

Völlig von der Gewaltigkeit des Anblicks überfordert, explodiert sein Kopf.

 

„Man kann einem Brunnenfrosch, nicht vom Meer erzählen, er sieht nicht über sein Loch hinaus.“ schrieb Zuangzhi etwa vor 2.300 Jahren. Auf ihn soll auch die Geschichte vom Brunnenfrosch zurückgehen, der dort von einer Schildkröte angesprochen wird.

 

In Europa, wo man Froschkönige kennt und Frauen viele Frösche küssen müssen, bevor aus ihnen ein Prinz wird (eigentlich sollten sie ihn an die Wand schmeißen, wie im Märchen), kennt man auch den Spruch, dass Frösche immer ins Wasser zurück springen, selbst wenn man sie auf einen goldenen Sessel setzt.

Die Ureinwohner Amerikas erkannten schon, dass kein Frosch den Teich aussäuft in dem er schwimmt. Die Menschen tun das..irgendwie…

 

Die Japaner hingegen wissen, ist der Vater ein Frosch, ist der Sohn immer auch einer...

Geier

 haben einen schlechten Ruf, weil man sie dort trifft, wo der Tod gewaltet hat oder noch zu erwarten ist. Dann holen sie die letzten Überreste vergangenen Lebens. Dass sie die Natur sauber halten und vor Krankheiten, die aus Verwesung resultieren bewahren, erkannten zwar manche Naturvölker, aber zumal viele dieser Aasfresser auch nicht mit Schönheit gesegnet sind, haben sie keinen guten Stand bei Menschen.

 

Schon die alten Lateiner sagten: Vultures cadaver exspečiat; Geiersein bedeutet automatisch, auf Aas zu lauern.

Doch der Pleitegeier hat nichts mit dem Vogel, sondern mit dem Jiddischen zu tun. Der Bankrotteur hieß nämlich „Pleitegeher“. פּלטהגײער‎ (YIVO: und das klingt so wie: [pleyte-geyer]

 

Den Müllmann der Lüfte kann man auch schinden. Schinden ist ein Wort, das  Ähnlichkeit mit dem englischen skin hat. Schinden bedeutet „häuten, die Haut abziehen“ Der Schinder ist einer, der Tierkadaver verwertet. Daraus entwickelte sich auch die Bezeichnung „Schindluder treiben“. Luder ist ein Wort für Tier, es handelt sich also um ein Tier, das gequält wird. Einen Geier zu schinden bedeutet, dass ein Speisegeflügel ziemlich mager ausfällt. Deshalb gilt:

Wenn der Geier stirbt, weinen die Hühner nicht….

 

 

Katze

Zwei Tiere gibt es, die der Mensch besonders in seiner Gesellschaft aufgenommen hat: Hund und Katze. Beiden ist er emotional zugetan, wobei bei den Feliden immer eine Unsicherheit bleibt, sind doch Miauer weder berechenbar noch zu bestechen. Das man bei Katzen oft vor vollendeten Tatsachen gestellt ist, schlägt sich sprichwörtlich nieder.

Ein arabisches Sprichwort lautet, dass Katzen nicht daran sterben, dass Hunde sie verfluchen und war wohl dem sprichwörtlichen Aberglauben der Orientalen geschuldet.

Wenn es aber in England Hunde und Katzen regnete raining cats and dogs (bei uns tun es ja bekanntlich die Schusterbuben) hatte das nichts mit den des Menschen liebsten Haustieren zu tun. Es kam aus dem Griechischen, welches man wie Latein früher als elitäre Sprache pflegte. cata doxa, bedeutet: „Im Gegensatz zu Erfahrung, bzw. Glaube.“ Dann regnete es unglaublich in Strömen wie eben im Regenwald.

 

Interessant in dem Zusammenhang ist, dass sich 1738 Jonathan Swift über die geschraubte Art lustig machte, in der die höheren Klasse redete und die wohl nicht unbedingt des Griechischen mächtig war. Sie verballhornte das Cata doxa. Seine Satire “Complete Collection of Genteel and Ingenious Conversation,” machte die tierische Redensart zu starken Niederschlägen erst populär.

 

Bezeichnete aber ein Franzose eine Katze eine Katze (Appeler un chat un chat), nannte ein Deutschsprachiger das Kind beim Namen.

Dass nachts alle Katzen grau sind, übernimmt im Ungarischen eine

Kuh: A fehér tehén ejjel fekete  Sogar weiße Kühe seien in der Nacht grau; eine lästige Sache für die Gulyás,  die Rinderhirten der Puszta.

Löwe

Er ist im Märchen der König der Tiere und lässt sich doch in der Fabel von einem Mäuslein retten. Sein hochherrschaftliches Image und der Respekt, dem man ihm als (Groß)katze zollt, prägt auch, was man sich über ihn erzählt. Er ist zwar nicht das Maß aller Dinge, doch Sprüche über ihn sind stets von einer unsichtbaren Messlatte begleitet.

Der „Löwenanteil“ an einer Sache ist einer Fabel Äsops zu verdanken, wo der Löwe in einer gemeinsamen Jagd mit einem Schaf und anderen Tieren sich seinen Anteil auf folgende Art zuspricht: "Der erste Teil gehört mir, weil ich der Löwe bin; der zweite, weil ich der Herzhafteste unter euch bin; den dritten müsst ihr mir als dem Stärksten überlassen, und den werde ich auf der Stelle erwürgen, welcher mir den vierten abspricht."

 

„Was in der Nähe des Schwanzes eines toten Löwen gesagt wird, wird nicht gesagt, wenn der Löwe lebt .“, sagt man sich immerhin an der Elfenbeinküste.

Aber "...bis die Löwen nicht ihre eigenen Historiker haben, werden Jagdgeschichten immer ausschließlich die Jäger verherrlichen…."  meint man in Südafrika. In Europa müssten die Herren der Wüste und Savanne zumindest das kleine Latinum pauken, denn da spricht man bekanntlich Jägerlatein...

 

 

Pferd

Das Pferd war immer ein Arbeitsgehilfe des Menschen. Sei es in der Fortbewegung, sei es beim Transport. Pferde verlangen eingehende Beschäftigung und Kenntnis. Sie sind höchst feinfühlig und zudem Fluchttiere. Gute Pferde zu besitzen war teuer. Oft hing auch Erfolg und Misserfolg von Handelsgeschäften, Landwirtschaft und sogar Kriegsführung vom Pferdematerial ab. Kein Wunder, dass Gäule sprichwörtlich oft Erfolgsbilanzen spiegeln.

 

Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul.“, denn er ist eine Okkasion, die jeder Unternehmung mehr Dynamik und Erfolgsaussichten verspricht. Sah man sich nämlich die Zähne des Tieres an, konnte man sein Alter und somit auch seinen Wert erkennen.  Selbst wenn man ein gutes Ross erwischt hat, kann man „Sich in irgendwas vergaloppieren.“ Also, sich in einer Sache verrennen und nicht wieder herausfinden.

Besonders, wenn man die Pferde beim Schwanz aufzäumt also etwas falsch anfängt.

 

Wie der Ami so schön sagt,: Man kann ein Pferd zum Wasser führen, aber es nicht zum trinken bringen. (You can lead a horse to water, but you can’t make him drink it). Will sagen,  Dinge passieren von sich aus, auch wenn man (das Pferd) richtig aufgezäumt und auf den Weg geführt hat.

Schmetterlinge

Sie sind zarte, vergängliche Wesen und die Faszination liegt daran, dass sie sich drei Mal verwandeln, zuerst vom Ei in bunte, oft skurrile Raupen, dann in Puppen und schließlich schlüpfen sie als Schmetterlinge mit bunten Flügeln.

 

Ihr Name kommt davon, dass Menschen glaubten sie würden von Rahm (Schmand) angezogen werden. Darauf weist das englische Wort butterfly (Butterfliege) hin.

Manche Schmetterlingsarten können nur als Raupe Nahrung zu sich nehmen. Haben sie sich mit Flügeln erhoben, bleibt ihnen nur noch Eiablage und Tod.

Das schwedische Sprichwort: „Der Schmetterling vergisst oft,dass er einmal eine Raupe war.“, hat also durchaus auch tödliche Konsequenzen.

 

Im antiken Griechenland bezeichnete man Schmetterlinge als Psyche, sie wurden als Seelen der Toten angesehen. Römer und Griechen stellten zudem Seelen mit Schmetterlingsflügeln dar.

Der Dichter Novalis jedoch verband Leichtigkeit mit Fantasie als er schrieb: „Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken.“

Jedenfalls aber stehen Falter, die in der Fachsprache Imagines genannt werden um sie von ihrer Raupenform zu unterscheiden, welche sich fast wie eine fremde Tierart gegen sie ausnimmt, für immaterielle Aspekte des Daseins. 

 

Taube:

Tauben sind Kulturfolger, und wurden nicht nur gerne gegessen, sondern wegen ihrer guten Orientierung als Postboten verwendet. In Afghanistan ist Taubenzüchten ein Hobby, das so beliebt ist, wie es einmal Briefmarkensammeln bei uns war.

Weil man in der Antike glaubte, dass die Taube keine Gallenblase hat galt sie frei von allem Bitteren und Bösen. So schuf sie es zum Symbol der Friedenstaube.

Wirklich populär wurde die Friedenstaube, weil der französische Schriftsteller Louis Aragon ein Motiv für den ersten Kongress der Weltfriedensbewegung suchte und sich an seinen spanischen Freund Pablo Picasso wandte. Er blätterte dessen Grafiken durch – und entschied sich für die auffliegende weiße Taube, die nur als Silhouette gezeigt wird.

In Bulgarien sagt man, dass aus einer Krähe niemals eine Taube werde, was sich wohl auf die den Vögeln zugeschriebenen Charaktere bezieht. Auf der einen Seite steht die pazifistische Gurrerin, auf der anderen Seite der schlaue aber auch grausame Nesträuber.

 

Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu.

hat im Englischen die Entsprechung: „Birds of a feather flock together“. Die Tauben sind reine Schwarmtiere und es ist in ihrem Interesse, sich zusammen zu scharen. So tun es Menschen mit gemeinsamen Interessen.

Wurm

Ein absolut nützliches Tier, eins vor dem wir uns ekeln und eins, das wir nicht in unserer Nahrung wissen wollen.

Dementsprechend treibt sich das kriechende, oft beinahe durchsichtige Wesen mal als Parasit und unerwünschter Zeitgenosse mal als fetter Happen in Sprichwörtern herum. Letzteres in: Früher Vogel fängt den Wurm. Was auch der Engländer als Early birds get the worm konstatiert.

Spricht man davon, Würmer aus der Nase zu ziehen, meint man damit, dass man sich mühselig jede Information holen muss. Der Spruch kommt aber aus der Volksmedizin, denn man stellte sich Krankheiten als wurmförmige Dämonen vor. Quacksalber heilten Depressionen, indem sie theatralisch  ihnen den "Gehirnwurm" aus der Nase zogen.

 

Den gibt es tatsächlich in der Form des kleinen Leberegels, der sich in Ameisengehirne einschleicht und diese dazu bringt, sich an der Spitze von Gräsern zum Schlafen fest zu beißen, anstatt sich in ihren Bau zurück zu ziehen. So gelangen sie in die Innereien grasender Kühe, quasi ihre letzten Aufenthaltsorte bzw. Wirte.

Sagen Japaner, dass stille Würmer Löcher in Wände graben, meinen sie wohl die Holzwürmer, und denken dabei an unauffällige Menschen, die auch Manches untergraben können.

Trauer ist für die Seele das, was der Wurm für Holz ist. , meint man in der Türkei. Verfolgt man den Gedanken konsequent weiter, wäre eine allein gelassene trauende Seele  dem Zusammenbruch preisgegeben...

Wenn man Tiere sprechen lässt

 

reichen ein paar Seiten nicht aus, um sie alle mehrfach zu Wort kommen zu lassen.

 

Eines der ältesten Fabeldichtungen ist das Panchatantra, was in der Übersetzung „Fünf-Lehrbücher“ bedeutet:

 Statt wissenschaftliche Fächer zu lehren, um einen angehenden Herrscher im Kindesalter auf seine Aufgabe vorzubereiten, erzählt der Weise Vishnusarman Tierfabeln.

Das Buch ist in einer ähnlichen Erzählweise verfasst wie "Tausend und eine Nacht". Mehrere Geschichten werden ineinander verschachtelt.

Dabei wird klar, dass alle Lebewesen, die sich in Hierarchien organisieren, den gleichen Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind, egal, ob sie in der Lage sind, ihre Situation zu kommunizieren zu reflektieren und zu tradieren oder nicht.

 

Die Auswahl der Tiere für die Fabeln ist eine Metapher für Charaktereigenschaften und Rollen und entspricht natürlich auch gängigen indischen Vorstellungen über Gesellschaft, ihre Sitten und Regeln.

Ein Brunnenfrosch ist, wer von der Welt nichts sieht...selbst eine Schlange, die kein Gift hat, hebt zur Abschreckung den Helm  und:  Es ist besser ein Geier von Schwänen umgeben, als ein Schwan von Geiern…Theodor Benfey: PANTSCHATANTRA: Fünf Bücher Indischer Fabeln, Märchen und Erzählungen.

Brockhaus 1859, Reprint by Amazon.

 

Äsop, ein Thraker der im 6. Jahrhundert vor Christus lebte und einem Justizmord zum Opfer fiel, gilt als Begründer der europäischen Fabeldichtung.

 

Ursprünglich wurden diese nur mündlich überliefert. Wie schon erwähnt, definierte er unter Anderem, was ein Löwenanteil ist. Ganz klar aber besetzte er menschliche Charaktere mit tierischen Rollen.

Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz.“ stammt aus seiner Fabel mit dem Jungen und den Fröschen und ist aktueller denn je.

1695 starb Jean de La Fontaine, aus dessen Feder etwa die Fabel von der Schildkröte und den Enten stammt, der aber wie Gotthold Ephraim Lessing die äsopschen Fabeln neu belebte.

 

Aus seinen Fabeln kann man weniger Zitate entnehmen, die allegorisch mit Tieren besetzt sind, als Tieren zusammen mit Menschen als Protagonisten zu begegnen.

Manch ein tierisches Sprichwort stammt auch aus der Bibel: Perlen vor die Säue werfen,

Gehe hin zur Ameise du Fauler, sieh ihre Wege und werde weise (Buch der Sprüche)

Selbst der Storch am Himmel kennt seine bestimmten Zeiten, und Turteltaube und Schwalbe und Kranich halten die Zeit ihres Kommens ein; schrieb Jeremias und ärgerte sich, dass dafür die Menschen die Gottesgesetze nicht kannten….

 

Im Jüdischen hing es auch sehr davon ab, ob das Tier nach mosaischem Gesetz rein oder unrein war und je nachdem musste Gottes Kreatur für Gleichnisse herhalten.

Klar ist nun, dass tierische Redewendungen  zur Kulturgeschichte gehören  und, dass sie die Art der Beziehung zwischen Mensch und Tier, sei sie religiös geprägt oder aus dem Umgang  entstanden, darstellt.

Tierische Sprüche sind   fantastische Argumente, jemanden zu überzeugen und ihm/ihr ein Lächeln zu entlocken.

 

Tiere verbinden immer, weil sie uns absichtslos  spiegeln.

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