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Schatzkammern der Menschheitsseele: Schöpfungsmythen


  • Mythen bergen Einsichten der Wirklichkeit
  • Schöpfungsmythen
    • Die Frau als Schöpferin
    • Griechische Schöpfungsgeschichte
    • Die Ägypter
    • Die Weltentstehung aus indischer Sicht
    • Japan, Shintoismus
  • Indios in Mittel-und Südamerika
  • Traumzeit der Aboriginees
  • Mongolei
  • Edda :Die Weissagung der Seherin
  • Philosophischer Schlussgedanke aus dem Sufismus


Mythen bergen Einsichten der Wirklichkeit

Sie sind heutzutage allenfalls sehr begrenzt Bildungslektüre der Jugendzeit. Insbesondere die Mythen der Antike, ganz zu schweigen von nordischen Sagen fernab jeder „Nationalitätenromantik“. Sehr alte Mythen wurden verschluckt und verdrängt wenn Gebiete erobert wurden oder sich neue Gesellschaftsformen sich etablierten.

Wenn überhaupt, dann kennen junge Menschen Mythen nur von ziemlich verfremdeten Verfilmungen, in denen es meist nicht nur um Helden, sondern auch um Kriege geht. Mythen haben es aber nicht verdient, darauf reduziert zu werden.

Waren Mythen und Sagen zu ihrer Entstehungszeit als der Wirklichkeit entsprechend bewertet, (sagen und Mythen haben oft einen wahren historischen Kern oder entliehene Motive) so gehören sie in der heutigen Meinung meist ins Reich der Phantasie, stammen aus Zeiten, in denen der Mensch nicht wusste wie Welt so funktioniert: Er konnte kaum die von ihm wahrgenommenen Phänomene mittels wissenschaftlicher Formeln erklären oder gar deren grundlegende Naturgesetze formulieren.

Mythen machten die Welt erklärbar und das Übermäßige, Unerhörte fassbar.

 

Sie zeigten, was sich gehörte und was Mensch sich nicht anmaßen durfte, wollte er seine Existenz und die der Welt nicht gefährden. Mythen verankerten trockene „Regeln und Gesetze“ und machten sie vielleicht auch gefühlsmäßig bewältigbar. Sie sprachen Herz und Verstand an. Gottheiten wurden menschlich und weniger furchtbar und Menschen lebten ihren göttlichen Kern.

Doch die Einsichten, die Mythen boten, sollten auch heutzutage in Zeiten der Entmythologisierung nicht unterschätzt werden:

So, wie eine Metapher einen Sachverhalt mit all seinen komplexen Bezügen zwischen Denken und Wirklichkeit, griffiger als jede genaue Feststellung „per Definitionem“ beschreiben kann, so erklären Sagen und Mythen als erweiterte Metaphern Phänomene dieser Welt: Naturkatastrophen, psychologische Phänomene, Geschichte, Ethik, Biologie, kurzum, wirklich jeden beliebigen Aspekt der Schöpfung. Dadurch werden all diese Phänomene nicht kalkulierbar, logisch erklärbar oder deren Erscheinen gar vorhersehbar, doch mit übermenschlichen Dingen kann man sich so besser arrangieren.

Mythen öffnen den Verstand und machen ihn bereit Wissen aufzunehmen, denn Erzählen ist eines der Königswege der Bildung. Wer anregend erzählen kann, kann motivieren. Feuilletonisten Psychologen, Pädagogen und Keynote-Speaker wissen das und zitieren sie gerne: die Mythen.

Schöpfungsmythen

Schöpfungsmythen erzählen davon wie die Welt entstanden ist. Der Name kommt von Schöpfung, wobei  man damit meinst, wie der christliche Gott die Welt erschaffen hat.

In manchen Kulturen gab es keine schriftlichen Aufzeichnungen und sie blieben dadurch lebendig, dass sie immer wieder erzählt wurden. Mit der Erfindung der Schrift wurden Erzählungen über die Entstehung der Welt zu nächst zu Papier gebracht, um mit der Säkularisierung (der Entfernung der Welt von Religion)  zu Literatur zu werden. Damit ist aber der ursprüngliche Erzählanlass verloren gegangen.

Was wir als Mythen sehen, ist oft eine andere Wirklichkeit, wie jene der Traumzeit.

 

In Australien ist die Traumzeit real, und die Welt wie wir sie wahrnehmen irreal. Die Gehirnforschung zeigt, dass umfassende Wirklichkeitsbewältigung am besten so vermittelt werden kann:

Als Ahnung, als mystisches Erlebnis, als verbindendes, im Unbewussten verankertes Wissens jenseits vom erlernbaren Buchwissen, bilderreich, phantasievoll, bunt und erstaunlich. Alles, was wir an Wahrnehmung verarbeiten, geschieht in Träumen. Sie eröffnen uns erst den Zugang, der auch unsere Beziehung zur Welt in allen Dimensionen ohne Einschränkungen aufzeigt.

Schöpfungsmythen gehen meist von einem männlichen Urheber aus, der sich seinen weiblichen Gegenpart erschafft um zur Urzeugung zu schreiten, denn gebären kann ja bekanntlich nur die Frau. Aber es geht auch anders:

Die Frau als Schöpferin

 

Als Beispiel sei die alte pelasgische Erzählung von Eurynome erwähnt werden. Als Pelasger wurde in der Antike eine der ältesten Bevölkerungen Griechenlands bezeichnet. Es waren aus heutiger wissenschaftlicher Sicht prähistorische, nicht- griechischsprachige Gruppen auf dem Pelloponnes.

Eurynome, die Göttin aller Dinge, erhob sich nackt tanzend aus dem Chaos, um Wasser vom Luft (Meer vom Himmel) zu trennen.

Sie fing den Nordwind Boreas ein, wärmte ihn zwischen ihren Händen und machte daraus den Lebensatem (pneuma) mit dem sie die Schlange Ophion schuf, die sich mit ihr paarte.

Aus der Paarung zwischen Eurynome und der Urschlange entstand das kosmische Ei, das Ophion ausbrütete, indem sie sich sieben Mal um das Ei wand, welches in zwei Hälften auseinanderfiel und alles, was heute im Universum existiert, Sonne, Mond, Planeten sowie die Erde mit all ihren Dingen entließ.

 

Eurynome und Ophion ließen sich auf dem Olymp nieder doch sie gerieten in Streit, weil Eurynome die Erschaffung der Welt für sich allein reklamierte. Schließlich stieß sie mit ihrem Fuß gegen seinen Kopf und verbannte ihn in unterirdische Höhlen.

Das war´s mit Schöpfung aus weiblicher Hand.

 

Da und dort aber blitzt es auf: etwa im Indischen, wo Schöpfung ohne das weibliche Prinzip nicht möglich ist, ja wo sie sogar erst die Qualität erhält, die sie braucht, um zu bestehen. (Wie es die buddhistische Statuette des Samanthabadra so schön zeigt: Weisheit (weiblich) muss sich mit Methode-Tat (männlich) vereinigen, damit was G´scheites daraus wird. Sehr alte naturverbundene Religionen haben das noch Intus.

 

Griechische Schöpfungsgeschichte

 

Die Griechen gehen von nicht weniger als sechs Göttern aus, um die Welt aus der Taufe zu heben: Chaos, Gaia, Tartaros, Eros, Erebos und Nyx. Gaia ist die Gebärerin und Eros wahrscheinlich nicht das flatterhafte Kindchen, das willkürlich Verliebtheit entfacht, sondern das Begehren, das Gaia ohne vorhergehenden Zeugungsakt dazu bringt, Himmel Berge und Meer zu gebären.

 

Mit ihrem Sohn, den Himmel (Uranos) kommt dann die Ahnenreihe des späteren griechischen Götterhimmels (mühsam) zustande.

Uranos will nämlich nicht Vater sein, also lässt Gaia durch einen ihrer Söhne (Kronos) diesen entmannen. Danach ging es mit der Göttermoral bergab… Doch das ist eine andere Geschichte.

 

Jedenfalls sind Tartaros (Unterwelt) Erebos (Finsternis) und Nyx (Nacht) finstere Gestalten und die griechische Schöpfungsgeschichte recht undurchsichtig. Wen wundert es, bei so viel obskuren Elementen?

 

Es sieht danach aus, als wären verschiedene Einflüsse zusammengestoppelt worden. Das weibliche Element der Hervorbringung wird auch hier sabotiert. Jedenfalls braucht es drei Generationen und Revolutionen gegen die jeweils vorherige Generation, bis endlich die Welt so funktioniert und eingerichtet ist, wie es die olympischen Götter unter Zeus haben wollen.

 

Die Ägypter

 

Ägypten bestand lange aus mehreren Reichen mit variierenden Göttern und deshalb gab es unterschiedliche Schöpfungsgeschichten.

Der Anfang der Welt heißt ägyptisch zp tpj, das erste Mal. (Das sollte man mal aussprechen.. die Welt wäre mit einem Zischen entstanden...)

 

Chaos war im biblischen Sinne den Ägyptern fremd. 

 

Es gab aber ein Urmeer und aus einem Willensakt erschuf sich Atum, nach der Version aus Heliopolis, selbst.

Der Luftgott entstand danach durch Ausspucken und der Wassergott durch Erbrechen.

 

Dass Übelkeit Ursache für manche (Miss)geburt war, erzählten die Griechen ja auch: Kronos wird gezwungen, die Kinder, die er gefressen hat, herauszuwürgen, die da sind: Zeus und &).

 

Hermopolis verehrte Re als Sonnengott und Schöpfer, der aus einem Ei geboren wurde, welches eine schnatternde Gans gelegt hatte, die damit auch die ewige Stille durchbrach.

 

Memphis überlieferte, dass der Gott Ptah die Welt und die Götter durch das Wort und die Gedanken entstehen ließ. Ptah entstieg aus dem Urgewässer und als er die Namen der Götter nannte, erschuf er sie. Nach altem ägyptischen Glauben formt das Herz die Gedanken.

 

Die Vorstellung, dass am Anfang der Welt Finsternis herrscht und Wasser eines der ersten Elemente ist, übernahm wohl das Christentum. In Genesis 1 heißt es: "Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser." Man braucht nur die Reihenfolge umzukehren um bei den Ägyptern zu landen. Immerhin lebten die Hebräer ja lange genug dort.

Am Nil finden sich also drei Varianten der Schöpfungsgeschichte und allen dreien begegnet man auch in mehr oder weniger weit entfernten anderen Kulturen.

In Indien

entstand die Welt aus einem Ei, dessen Schale Himmel und Erde formte und dessen Frucht ein Urwesen namens Purusha war, das sich opferte. 

 

Purusha ist aber auch gleichzeitig Erkenntnis, das Selbst der Menschen; verbindet sich mit ihnen bei Geburt und trennt sich von ihnen beim Tod. Somit ist die Essenz des Daseins in uns ständig vorhanden, solange wir leben.

Dass aber die Welt entstand, ist dem weiblichen Prinzip der Urmaterie zu verdanken: Prakrti, welche Trägheit, Dunkelheit, aber auch Rastlosigkeit, Bewegung und Energie, sowie Gleichgewicht, Harmonie und Frohsinn in sich vereint.

 

Sie tanzt (wie Eurynome!!) vor Purusha, damit er endlich konkret wird und wohl auch was zustandebringt. Purusha ist das reine Bewusstsein, der Weltgeist und muss unterscheiden, um was zu bewirken. Dazu braucht es halt die Motivation durch das Weibliche.

Prakriti ist die Grundlage alles Materiellen und Dynamischen im Universum. Purusha und Prakriti sind zwar getrennt, aber beeinflussen einander vielleicht sogar wie Materie (Körper) und Geist.

Sobald die Urmaterie bei der Weltenschöpfung in Bewegung gerät, wird das ursprüngliche Gleichgewicht der Eigenschaften gestört. Die Eigenschaften vermischen und verbinden sich. Die unendlichen Variationen der Mischung ermöglichen die Verschiedenheit der Dinge.

Aber das ist nur eine Version der Weltentstehung.

 

Im Hinduismus ist es kompliziert und verschlungen.

Geht man auf die Ebene der Götter, so findet man folgende Erzählung:

Aus einem Lotus, dessen Trieb aus dem Nabel Vishnus wächst, entsteht Brahma, der eigentliche Schöpfergott.

 

Shiva könnte ein Gott, älter als die hinduistischen Götter sein (bei den Ureinwohnern, den Draviden) und wurde als Zerstörer, der das Universum kaputt macht, integriert. Weil er aber dieses zerstörte Universum in seinem Körper birgt, wird er Urheber der Neuschöpfung dieses Universums.

Es gibt also Brahma, den Schöpfer, Vishnu, den Erhalter und Shiva, den Zerstörer und alle drei sind an der Existenz, dem Fortbestand und dem Verschwinden der Welt in einem ewigen Kreislauf beteiligt.

 

Shesha, die Urschlange ist eine weitere Erscheinungsform Vishnus. Sie gibt den „Quirlimpuls“ im Urozean, der mit vereinten Kräften vieler Götter gebuttert wird: Der Weltenberg Mandara wird zum Wirbeln gebracht, indem alle an ihrem Kopf und ihrem Schwanz ziehen, während sie den Berg umschlungen hält. Als Achse dient eine Schildkröte, (Vishnu hatte sich in sie verwandelt).

Übrigens kennen auch die Ägypter kennen einen Weltenberg bzw. Urhügel, was der Realität der Frühgeschichte der Erde entspricht: es gab ursprünglich nur einen Kontinent, Pangäa.

 

 

In Japan hingegen erzählte man es sich so:

 

Am Anfang war die Welt ein flüssiges, wirbelndes Chaos, das sieben Generationen lang von "kami" bewohnt war. Alles kann im Shintoismus, der Urreligion der Japaner "kami" sein, egal ob gut oder böse: Menschen, Tiere, Bäume, Pflanzen, Berge oder Meere, genauso Götter, Geister oder einfach Wirkursachen, die etwas auslösen, auch Gefühle, wie Freude oder Angst.

Kami ist wohl "Ursache" mit individuellem Charakter.

 

Die Erde war also von Wesenheiten bewohnt, Schöpfungspotenzial in sich hatten. In achter Generation entstanden die Gottheiten Izanagi und seine Schwester Izanami.

Auf der bereits geschaffenen Insel vereinigen sich Izanagi und Izanami und bekamen noch mehr „kami". Izanagi erschafft die Sonnengöttin Amaterasu, den Mondgott Tsukiyomi und den Sturmgott Susanoo. Amaterasus Nachkomme Jimmu Tenno wird der erste Kaiser von Japan.

 

Was also bedeutet, erst wenn sich zwei Prinzipien (männlich, weiblich) vereinigen, schaffen sie nicht nur neue Möglichkeiten der Existenz, sondern auch, dass diese sich ab nun selbst vermehren kann.

 


Alles entsteht bis jetzt entweder aus einem Chaos, was aber nicht unbedingt Unordung bedeuten muss, sondern vielleicht, dass Gesetz (Im Sinne von Naturgesetz), und Ordnung (im Sinne von Hierarchie) eben erst mit den Dingen entstand.

Eier, Tiere und Götter tanzen, werken, streiten und rotieren, bis ihnen schlecht wird: Atum in Ägypten speit das Meiste aus.

 

Nicht nur bei den Griechen oder im alten Orient oder gar im Christentum hat sich Gott übrigens  den ersten Versuch der Schöpfung verhaut, und musste daher eine Sintflut schicken, um wieder neu anfangen zu können, nein auch in Südamerika braucht es paar Anläufe (vor allem bei den Menschen), bis alles passt.


Indios Mittel- und Südamerikas

Bei den Maya müssen die Schöpfer nicht von Null anfangen, aber leidergottes sind sie es, die von allen Schöpfenden (=Demiurgen) gerade bei den Menschen am meisten pfuschen.  So erzählt es das Popol Vuh, quasi die Bibel der Maya...

Wie man sehen wird, viele Köche verderben den Brei, denn wie man aus Mittelamerika hört, sind einige am Werk.

Und das, obwohl die Erschaffung der Welt eine  wahre Konstruktionsleistung ist, wobei die Ecken des Himmels in genauen Winkelmaßen sowie durch  Himmelslinien bestimmt werden und das Universum aus drei übereinander liegenden Vierecken besteht. Die Grenzen der Weltenden werden durch Farben definiert. Da waren die Götter echte Diplomingenieure!

 

O-Ton Popol Vuh: Es gab am Anfang nur Himmel und Meer, sonst nix. Doch im Wasser waren  Tzakól der Schöpfer, Bitól der Former, Gucumatz die Grünfederschlange  (zuständig für Harmonie von Himmel und Erde),  Alóm (Gebärerin-Urmutter) und Caholóm (Urvater) auch die die Erzeuger genannt. Sie entschieden über die Entstehung der Welt.

Blitz, Donner, Widerschein bildeten mit Huracán (Das Wort Hurrikan  (Sturmorkan) kommt davon) das Herz des Himmels.

 

Aus dem Wasser sollte die Erde aufsteigen, in Nebel, Wolken und Staub geschah die Schöpfung, was ja große Ähnlichkeit mit dem hat, wie die Forschung Erdentstehung und Entstehung des Lebens sieht.

Als die Tiere geschaffen wurden, waren vor allem Schöpfer und Former enttäuscht, weil sie als Produzenten nicht beim Namen genannt werden konnten. (Tja, immer wieder das Urheberrecht!)

 

Der erste Menschen-Prototyp war sowieso ein Desaster: Schwabbelig, blöd und wie aus Zuckerwatte, die sich im Wasser sofort auflöste. Also machten sie den wieder kaputt und fragten andere Götter, nämlich (Sonne und Mond vulgo Ixpiyacóc und Ixmucané.)

 

Der zweite Versuch, die Krone der Schöpfung zu erschaffen, bekam stabiles Holz als Baumaterial,  hatte aber keine Seele. Auch diese Menschen wurden vernichtet und zwar durch eine Flut, nachdem sie von Jaguar Tapir und Co bestraft, zerfetzt und zerrissen worden waren, obwohl sie ja nichts dafür konnten, dass sie nach wie vor stumm und blöde waren.

 

Sie hatten zwar kurz gesprochen, allerdings leider im wahrsten Sinne des Wortes Dreck am Stecken, weil sie Tiere getötet, gekocht und verzehrt hatten. Sogar Werkzeuge und Kochgeschirr wandten sich wegen schlechter Behandlung gegen die Menschen, deren Nachkommen die Affen sind , die heute in den Wäldern leben.

 

Schließlich wurde der Mensch (ausschließlich männlich) aus Fleisch und Blut geschaffen und ihm gleich der Mais als Nahrungsmittel gegeben (was aus der Menschheit bekanntlich keine Vegetarier gemacht hat).

Immerhin dankten die Geschöpfe den Göttern nun mit allem Drum und dran. Leider aber konnten die Menschen das nur, weil sie nun zu viel über die Schöpfung wussten. Also warfen die Götter ihnen einen Schleier über die Augen. Und dann erschufen sie die Gattinnen.

 

 

Bei den Quechua (Inka)

in Peru war Huiracocha, was recht nach Huracan klingt, der Weltschöpfer. Als er aber soweit ist, dass er die Menschen organisieren kann, taucht ein Gefährte und Gegenspieler auf, der ihm immer wieder in die Suppe spuckt. Macht Huiracocha einen Berg, verwandelt Taguacipa ihn in ein Tal, erschafft H. gute Menschen, macht T. sie zu schlechten Zeitgenossen.

 

 

Mystischer geht es in Kolumbien zu.

Die Chibcha erzählen, dass das Licht in einem Wesen namens Chiminigagua eingeschlossen war. Der Typ mit dem unaussprechlichen langen Namen war so etwas wie ein Gott. Er ließ quasi das Licht aus sich rausleuchten und machte sich in diesem Licht an die Schöpfung.

Viele Indio nennen aber auch eine Urmutter als Schöpferin.

Australien

In Australien gibt es einen besonderen Zeitbegriff: Die Traumzeit. Sie ist ständig präsent und vereint Vergangenheit Gegenwart und Zukunft. Die Welt, die ihr unterworfen ist, ist allerdings zeitlos und stets gegenwärtig. In dieser Gegenwart passiert ständig Schöpfung, welche die Traumzeit mit Geschichte, mit einer möglicherweise universellen Erinnerung füllt.

 

Da denkt moderner Mensch unwillkürlich an die Quantenphysik. „Die Welt wird in jedem Augenblick neu geschaffen, aber mit einer Erinnerung an die Welt davor.“, sagte Hans Peter Duerr in einem Vortrag an der TU Clausthal 2002:“Wir erleben mehr als wir begreifen.“ Traumzeit ist Schöpfungszeit und beschreibt wohl das, was uns mit normalen Sinnen nicht zugänglich ist.

 

Alles ist Bestandteil der Traumzeit: Tiere und Menschen, das Land, aber auch die übernatürlichen Wesen waren miteinander verbunden. Sie haben die Erde und alles darauf erschaffen und sind heute noch Teil des Lebens. So ist auch die Schöpfungsgeschichte der Aborigines eine, die intuitiv mehr erfasst, als es die analytische Wissenschaft mit ihren nebeneinander laufenden Disziplinen wie Physik, Chemie, Biologie, Kosmologie, Astronomie etc. auszudrücken vermag.

 

In Australien erzählen sich in vielen Stämmen die Menschen die Schöpfung so, wobei nicht alle Stämme gleich ziehen:

Vor vielen Millionen Jahren war alles eins, Menschen, Tiere und spirituelle Wesen. Letztere, auch totemische Vorfahren oder schöpferische Ahnen genannt, erträumten zu dieser Zeit die Erde.

 

Sie bewegten sich durch die noch kahle Landschaft und kreierten, angeleitet durch ihre Weisheit, die Sonne, Sterne, alle Elemente und sie gaben Tieren ihre Namen.

Eine der wichtigsten Schöpfungsgestalten war die Regenbogenschlange, die Berge, Täler und Flussläufe formte. Nichts war jedoch fest angelegt, sondern alles konnte sich in alles verwandeln, denn alles ist eins. Ein Stein kann als Mensch wieder geboren werden, ein Mensch als Tier …

In der Mongolei

 

ist der Schamanismus noch lebendig, wie sonst nur mehr bei ganz wenigen indigenen Völkern.

Die Mongolen haben mit manchen eingeborenen Stämmen Nordamerikas (aber auch mit Indien) die Vorstellung gemein, die Welt würde von einer Schildkröte getragen.

 

Diese Welt gliedert sich in drei Teile. Einer Oberwelt, einer Mittelwelt und einer Unterwelt. Oben wohnen die Tengris, (Sing. Tengri) die obersten Gottheiten, bei denen es gute und übelwollende gibt.

In der Mitte sind Menschen, Tiere und Pflanzen zu Hause. Und drunter wesen die Totenseelen.

Die drei Welten sind durch einen Pfahl, eine Weltachse verbunden, ähnlich wie im Germanischen und Nordischen der Weltenbaum. Der Polarstern hält als „goldener Nagel“ die Achse an seinem Platz.

Im Weltmeer lebt eine riesige Schlange, die sich an Früchten und Blättern des Baumes gütlich tut.

Diese Schlange hat einen mythischen Riesenvogel zum Feind: Khangard. Der ist auch der „Patron“ der Hauptstadt Ulanbataar. Er hat Hörner und sieht mehr aus wie ein Mensch mit Flügeln. Jedenfalls sind Vogel und Schlange einander spinnefeind und wie es (das Patriarchat?) will, hat die Schlange weibliche Züge.

 

 

Das  Schöpfungsmärchen mit Schildkröte ist burjatischen Ursprungs und in der alten Hauptstadt Dschingis Khans Karakorum stehen noch Schildkröten, die ehemals Säulen auf ihren Rücken trugen.

Drei Schöpfer namens Burkhan  schufen den Menschen, und zündeten in der Nacht ein Licht an um zu überlegen, wer die Menschen beseelen durfte.

Schibegeni Burkhan steckte, als die anderen schliefen, sein Licht an und löschte das der Anderen, also durfte er die Menschen, dank dieses „Betruges“ beseelen. Seine Kollegen Madari Burkhan und Esege Burchan durchschauten aber den Betrug.

Auch im Popol Vuh gibt es bekanntlich ein Schöpferteam und im Etana Epos ist die alte Fehde zwischen Adler und Schlange beschrieben. 

Edda

In der Edda aus Island heißt es , dass die Welt aus dem Gegensatz zwischen Feuer und Eis entstand: Niflheim war Land des Eises, Muspelsheim das südliche Land des Feuers.

Ymir, der Urriese, entstand aus der Verbindung von Feuer und Eis, als es noch nichts als Schlund und Urleere gab. Aus dem geschmolzenen Eis entstand Audumla, die erste Kuh, die Ymir nährte.

 

Aus der Milch, die aus ihrem Euter floss, entstand Buri, dessen Sohn Burr (Bor) zeugte mit der Riesin Bestla die ersten Götter Odin Wili und We.

Die erschlugen den Urriesen und schufen aus seinem Körper den Kosmos. Hier lehnen sich die Kinder gegen den Vater auf (hatten wir schon bei den Griechen) und schaffen aus dem Leichnam etwas Neues.

Aus dem Fleisch wurde Erde , dem Blut das Meer, dem Gehirn die Wolken.

Als die Götter das Himmelsgewölbe über die Erde gespannt hatten, ließen sich die Sonnenfunken darauf nieder und wurden zu Sternen.

Die Götter regelten auch den Sonnenlauf. „Die Sonne wusste nicht, wo sie ihren Saal hatte….die Sterne wussten nicht, wo ihre Heimstatt war, der Mond wusste nicht, was er an Kraft besaß." ....."Erst der Rat der Götter sorgte für Ordnung und führten die Zeit ein.“

 

Es wird also in vielen Mythen, wo mehrere Schöpfer am Werk sind, etwas Altes kaputt gemacht, umgebracht und zerstört, bevor die Welt als bewohnbarer und belebter Platz entstehen kann. Das erinnert an die größten Katastrophen der Urgeschichte, als Meteoriteneinschläge fast die gesamte lebendige Schöpfung vernichteten. Vielleicht sollte ja auch eine Ahnung davon im kollektiven Bewusstsein verankert werden...

Im Sufismus,

der mystischen Ausprägung des Islam, schreibt Rumi, der 1273 in Konya starb: „Der Anfang, das ist der Gedanke, findet sein Ende in der Handlung; wisse, dass die Welt auf diese Weise in der Ewigkeit erbaut wurde. Die Früchte sind am Anfang im Denken des Herzens, am Ende sind sie im äußeren Handeln. Diese Welt ist ein Gedanke der universellen Vernunft, die Vernunft ist wie ein König und die Ideen sind seine Abgesandten.“

 

Gedanken zur Erschaffung der Welt jenseits von Buchreligion sind nicht nur spannend und interessant. Wie alle oben erwähnten Schöpfungsmythen bergen sie Stoff, über den es wert ist, nachzudenken.

Diese Erzählungen dürfen nicht verloren gehen, machen sie doch einen Teil der Identität aus, auch wenn wir sie für Legenden halten. 

Es ist doch beruhigend zu wissen, dass unser Dasein geplant ist und bereits mehreren Stresstests ausgesetzt war. Bleibt nur zu hoffen, dass wir unsere Welt nicht dem ultimativen Stresstest aussetzen, an dem sie zugrunde gehen könnte. Wir sind keine Götter, die sich der Verantwortung göttlich entziehen, auf uns fällt alles zurück…. 

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