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Balz: Partnerwahl im Flügelrausch

  • Der Singvogel
  • Der Häuslbauer
  • Watschler in Schale
  • Achtung Gigolo (Eintänzer)
  • Die Komplimentierer
  • Die Versorger
  • Die Loyalen
  • Die Bequemen
  • Die Kamikaze-Überflieger
  • Die Eitlen


Balz, so nennt man das ursprünglich nur bei Vögeln, wenn Männchen um die Weibchen werben, um sich mit ihnen paaren zu können. Bei Säugetieren heißt das übrigens Brunft und bei Menschen „aufreißen“, „anbraten“ „anmachen“ ….oder so. Wobei wohl die Brunft tatsächlich den Zeitpunkt der Empfängnisbereitschaft markiert, das Signal, Nachkommen zu zeugen.

 

Bei den Säugetieren steht der Kampf im Vordergrund, Männchen kämpfen gegeneinander um Weibchen. Bei der Balz steht die Brautwerbung im Vordergrund.

Es ist erstaunlich, wie vielfältig diese Werbung um die Liebste ausfallen kann. Besonders bei den Vögeln – wobei das Verb schon seit tausend Jahren für die eine „Sache“ verwendet wird.

Bei Menschen sagt man ja, dass im Grunde die Weibchen die Männchen auswählen,(übrigens fordert bei den Spatzen die Dame den Herrn auf) aber die Männer im Glauben lassen, diese hätten das Weibchen erobert.

 

Es ist aber sicher auch ein paar Industrien zu verdanken (wie Kosmetik- und -Textilindustrie, dass in der Mehrzahl die Frauen sich bunt dekorieren und ihre Körperqualitäten (sekundären Geschlechtsmerkmale) betonen. Männer erledigen das nach wie vor häufig durch breitbeinigem Gang und allfälliges Grinsen.

Wodaabe Krieger beim Guérewol. Illustration ATH
Wodaabe Krieger beim Guérewol. Illustration ATH

In Westafrika allerdings werben verschönerte Männer um die Frauen. Die Wodaabe reißen sich auf dem Guérewol-fest einen Haxen aus, dekorieren sich, schminken sich, blecken die Zähne und tanzen so anmutig wie möglich vor den Frauen. Bei ihnen geht es tatsächlich beinahe so zu, wie bei den Vögeln. Männer versuchen auf ästhetischem Weg, die Weiblichkeit von sich zu überzeugen.

 

Und doch werden sie von den geflügelten Nachfahren der Dinosaurier übertroffen: Die sind unglaublich einfallsreich, wenn es darum geht, Mädels rumzukriegen.

Wenn viele Männchen mehrere Bräute umwerben, kann das übrigens in Stress für beide Geschlechter ausarten….. alle Frauen laufen zumindest bei den Vögeln dann dem Sieger hinterher und raufen drum.

Blaukehlchen: Ill. ATH.
Blaukehlchen: Ill. ATH.

Der Singvogel

setzt seine Stimme ein und das macht Sinn, denn musikalische Männchen bürgen für Grips: Viele Gehirnteile müssen zusammenarbeiten, um Musik zu machen. Da gilt es Gefühle, Muskeln, Gehör, Rhythmus, logische Melodiefolge und vieles Andere unter einen Hut zu bringen.

 

 

Der Drosselrohrsänger zählt zu den Stimmgewaltigen (lauten) und das Blaukehlchen soll besonders hübsch singen.

 

 

Manche schrägen Vögel bauen wirklich alles ein.

 

Der Leierschwanz kann jedes Geräusch nachmachen, das er jemals gehört hat. Da muss sich Stimmakrobat Bobby Mc Ferryn verstecken, denn das wäre, als ob er Maria Callas, Pavarotti, Hells Angels samt Motorradgerräusche genau wie das Original von sich geben könnte..

https://www.youtube.com/watch?v=mSB71jNq-yQ

 

Leierschwanz. Ill.:ATH
Leierschwanz. Ill.:ATH

 

 Auf Menschen umgemünzt bedeutete dies: „Ein gut singender Mann hat jene Vorteile, die auch ein ...bunter Hausgimpel hat, er ist attraktiv, weil ihn alle anderen Frauen attraktiv finden.“ (Aus: Sex macht Spass, aber viel Mühe... Zürich 2014)

  

Der Häuslbauer :

 

Männchen präsentiert sein selbstgebautes Nestchen, mit allem Schnickschnack. Der Seidenlaubenvogel klaut sogar von anderen Nestern, um seins mit möglichst vielen blauen Dekostücken zu verzieren, denn Blau ist in der Natur rar.

 

Während des Schmückens der Laube nehmen die Männchen immer wieder die Position ein, aus der sich ein Weibchen der Laube nähern würde und dekorieren dann entsprechend ihre Laube um.

(Mögen wir auch nicht tiefblaue Swimmingpools? Nur, wie diese klauen?)

 

Beim Zaunkönig baut das Männchen mehrere Nester und das Weibchen darf sich dann das schönste aussuchen.

Eins in Portugal, eins in der Toskana,….man darf ja träumen!

Pinguine. Ill.: ATH
Pinguine. Ill.: ATH

Watschler in Schale

 

Unbeholfen aber adrett gekleidet watscheln sie daher, die Pinguine, keine Adonisse (Schönheiten) unter den Vögeln. Bei der Balz senken sie zuerst ihren Kopf auf die Brust, atmen tief ein, lassen dann ihren sehnsuchtsvoll trompetenden Ruf erschallen und halten die unterwürfige  Position für einige Sekunden, bevor sie eine neue Ausgangsstellung einnehmen. Das klingt fast so, wie wenn Hans Moser „Schamster Diena“ (gehorsamster Diener) nuschelt. Sollte man deshalb allen Mascherl- und Anzugträgern Chancen geben?

 

Vorsicht, wenn sie (weiße) Ringe um die Augen haben:

Kriegen Adelié-Pinguine keine Partner ab, werden sie abartig und scheuen auch vor Nekrophilie, Kindesmissbrauch und käuflichen Sex nicht zurück.

 

Sie schmeißen den Weibchen Steine als Bezahlung hin, um sie besteigen zu können (Steine brauchen die Weibchen um ihr Gelege trocken zu halten). Das beobachtete 1912 der Vogelkundler Levick und traute sich damals gar nicht, es zu veröffentlichen.

Ill.: ATH
Ill.: ATH

 

Achtung Gigolo (Eintänzer) !

 

Enteriche/ Erpel grunzen und putzen sich zum Schein und tanzen. Sie shaken den Bürzel, ziehen den Kopf ein und schnellen ihn hoch, was bei einem Menschen wohl in der Disco ziemlich retro aussehen mag.

Da diese Typen sich auch in Horden auf die Weibchen stürzen, ersäufen sie schon mal eine Angebetete beim Liebesakt.

Also Damen, Augen auf in der Disco: Etwas peinliche Tänzer, die gehäuft auftreten, besser meiden!

  

Legen die Tänzer

Wert auf Eleganz und Symmetrie, schaut die Sache schon anders aus: Der Kranich ist auch der Vogel des Apollon, was Stil garantiert. Beim Tanzen springen Männchen und Weibchen mit ausgebreiteten Flügeln umher und lassen ihr lautes Trompeten hören. Aber auch Prahlhandlungen, Laufen in Geraden und Kurven, Einknicken der Beine und das Hochschleudern von Pflanzenteilen (Na, solange es nicht Haschisch ist…) sind Bestandteile des Rituals.

 

Wichtig ist, nachher auch das Hohelied der Liebe im Duett zu singen.  Kraniche hegen und pflegen ihre Beziehung: Er balzt und wirbt auch, wenn er mit seiner Partnerin schon beisammen ist.

 

 

Ill.: ATH
Ill.: ATH

Die Komplimentierer:

 

Täuberiche gurren. Nicht umsonst nennt man zwei Verliebte Turteltäubchen, weil man sie in der Stadt so gut beobachten kann, vor allem wie Täuberich um Täubchen scharwenzelt.

Das normale Gurren dient dem Zweigespräch und klingt unheimlich verbunden, als ob Verliebte tuscheln würden. Kollert er und verbeugt sich und richtet sich wieder auf, wird es ernst. Er will ran.

 

Darum, Achtung bei besonders höflichen Herrschaften, denn möglicherweise wollen sie sich Zutritt zum Boudoir verschaffen. Man kennt das bei Menschen, Zuerst alle Türen aufhalten und in den Mantel helfen. Hat er sich sie gesichert, dann wird er mitunter nachlässig… Forscher der Universität Florida haben übrigens entdeckt, dass gewisse Laute der männlichen Taube alleine ausreichen, um das andere Geschlecht zu beeindrucken. Verbeugungen und das Abspreizen der Brustfedern stehen dagegen bei den Weibchen nicht so hoch im Kurs. https://rp-online.de/panorama/wissen/erfolgreiches-balzverhalten-bei-maennlichen-tauben_aid-17014605

 

Auch ist der Haushahn ähnlich gelagert. (Man merkt die Zivilisation): Will er, nähert er sich der Henne mit gesenkter Schulter und gefächertem Flügel, wie weiland Höflinge im Rokoko. (Erinnert auch ein wenig an Casanova). Dann aber unterscheidet sich das Ritual, denn er, (der Vogel), kann sie auch durch einen Nackenbiss auffordern.

Der Paarungsakt klingt recht unromantisch aus. Er stolpert über ihren Flügel. Die Henne richtet sich auf, schüttelt sich und geht davon.

Wanderfalke
Wanderfalke

 

Die Versorger:

 

Sie geben vor, die Auserwählte zu versorgen, ja mitunter luxuriös zu verwöhnen und manche tun das auch, wenn sie ihre Liebste bereits an der Angel haben:

Das Wanderfalken-Männchen macht täglich Geschenke an das Weibchen. Er fängt für sie kleine Vögel und legt sie im Bereich des Brutplatzes ab. Dann bleibt er daneben sitzen und ruft Sie. Diesen Ruf hört man sehr weit. Die verstehen sich auf Beziehungspflege!

Achtung, dabei gibt es auch Blender:

Ein australischer Laubenvogel nutzt eine raffinierte optische Täuschung, um die Gunst seines Weibchens zu gewinnen: Er ordnet Steine, Muscheln, Knochen und andere Objekte auf einem speziellen Balzplatz so an, dass die kleineren Objekte vorne liegen und die größeren hinten. Läuft das Weibchen durch einen Laubengang aus Zweigen auf diesen Platz zu, erscheinen ihr alle Objekte gleich groß. Eine als Balzgeschenk vom Männchen präsentierte bunte Beere sieht dagegen vor den kleinen Objekten des Vordergrunds besonders groß und auffällig aus. Jetzt habe man festgestellt, dass tatsächlich die Vogelmännchen den größten Paarungserfolg haben, die diese optische Täuschung am perfektesten beherrschen. Also Damen, hütet euch vor Blendern!

 

Zuverlässige Alleinversorger:

 

1939 schrieb ein Ornithologe, nämlich R.E. Moreau über die Brutbiologie des Nashornvogels, dass noch nie eine Balz beobachtet wurde.

 

Kein Wunder, soo erstrebenswert ist das Leben als Alleinversorger nicht. Allerdings kam man dahinter, dass er diskret, aber immer offensichtlicher sie mit Nahrung versorgt.

 

Nashornvogelweibchen mauern sich nach erfolgreicher Paarung ein. Sicher ist sicher. Soll er sich doch allein ums tägliche Brot kümmern! Kommt ein Mann mit Speckrenken, muss Frau ans Mauern denken!

 

Die Loyalen

 

pflegen mitunter komplizierte Rituale sind aber auch gefühlsbetont:

Graugänse tauchen rhythmisch die Köpfe ins Wasser, wobei vor allem der Ganter die Flügel hochstellt. Wird es intensiver, holt er Material vom Grund des Teiches und legt es über die Schulter zurück. Das passiert immer schneller. Sie beginnt immer flacher im Wasser zu liegen, während im Gegensatz dazu er immer höher aus dem Wasser ragt… und sich schließlich über die Dahingesunkene hermacht.

Beide binden sich für ihr ganzes Leben. Wenn sie einander verloren gehen, mögen sie sich mit anderen gesellen, aber taucht der Partner wieder auf, finden sie zueinander. In einer Kolonie von 100 Vögeln kennt jeder jeden. Kein Wunder, dass sie sich keine Seitensprünge leisten. Spezielle Begrüßung mit „Triumphgeschrei” halten das Paar zusammen. Bei Graugänsen (und auch etlichen anderen Vögeln) weiß man, sie sind nicht ausschließlich hetero. Man sah auch schon zwei Jünglinge sich lebenslang lieben. 

 

Die Bequemen:

Man kennt sie die Typen, die glauben, mit ein bisschen Zwinkern, paar Bemerkungen und Winken kriegen sie die Frauen rum. Ebenso ist es mit den Straußen.

 

Zuerst röhren sie ein bisschen, dann lassen sie ein Klackern ertönen (es soll ja Männer geben, die anerkennend schnalzen und dann lassen sie sich nieder und wacheln mit den Schultern. Das macht der Strauß aber recht ausdauernd. Bei den Zweibeinern bleibt oft nur eine Kopfbewegung á La: „Oide, gemma ins Bett“, übrig.

 

Na, ja, lässt sich das Weibchen auch nieder, hat er es geschafft. Aber seien wir uns ehrlich: Wenig Aufwand lockt keine Katze hinterm Ofen hervor...

Kamikaze-Überflieger:

 

Sie reißen manchmal ihre Auserwählten vor lauter Leidenschaft ins Verderben.

Weißkopfseeadler verfallen einander tatsächlich. Dann steigt das Paar geradezu atemberaubend hoch auf, die Klauen der beiden Vögel greifen ineinander und sie stürzen in einer „Todesspirale“ gen Boden.

 

Lassen sie zu spät los, stürzen sie tatsächlich zu Tode. Echte Romeo und Julias der Lüfte...

Die Eitlen:

Sein Rad ist bekannt, doch er schlägt nicht nur das Rad, sondern lässt die Federn auf raffinierte Weise vibrieren, so dass die Augen wirken, als schwebten sie in der Luft. Effekthascherei pur.

 

Kein Wunder, dass Adelige immer wieder gerne Pfaue und sonstige exotische Vögel in ihren Gärten hielten. Die Männchen des “Blaues Pfaus” gelten übrigens als die ältesten Ziervögel der Menschen. Bereits in den Sagen der griechischen Antike wurden sie erwähnt. Ursprünglich waren sie in Indien und Sri Lanka beheimatet.

Aber, Eitelkeit steht halt einer wirklich liebevollen Beziehung im Wege. Pfaue fallen immer wieder durch ihr aggressives Verhalten auf, wenn sie keine Partnerin finden. Klar, ist doch die Enttäuschung groß, wenn Selbstdarstellung nicht bewundert und honoriert wird.

Also einen Bogen um den eitlen Pfau machen!

Das Paarungsverhalten der Menschen, um nicht zu sagen der Männer, hat schon was Flatterhaftes an sich; nicht nur das, bedenkt man, dass, wie anfangs erwähnt,  jedes Vögelchen Dinosaurier als Urahnen hat.

 

Gut möglich, dass man sogar das Bild der Urechsen revidieren muss, denn vielleicht warben auch diese  mit viel Anmut um ihre Partnerinnen. Die Aussage, dass manche Männer, wollen sie eine Frau erobern, sich wie Fossilien benehmen (was etwa den Abwechslungsreichtum bei der Brautwerbung betrifft), ist mit Vorsicht zu genießen.

 

Am Ende war es gut, nicht mit Säugetieren zu vergleichen. Das Flusspferd nämlich versucht "Sie" zu becircen, indem es kackt und seine Exkremente mit propellerartig rotierenden Schwanzbewegungen verteilt. Auf solche Schei… kann man gut verzichten. 



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