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Getroffen!

Forscher und ihre Objekte

  • Getroffen!
  • Turner und klein aber oho!
  • Hass und der Hai
  • Konrad Lorenz, Martina und ihre Graugansgeschwister
  • Irene Pepperberg und Alex der Eigenwillige
  • Pflegekind Elsa und Joy Adamson
  • Die glorreichen Sieben: Leakey, Goodall, Fossey und Galdikas mit ihren Freunden David Greybeard, Digit und Princess


Getroffen!

In der Verhaltensforschung mit Tieren haben Menschen Meilensteine gesetzt. Diese gehen oft weiter zurück als man ahnt. Das Problem des „zivilen“ Verhältnisses zwischen Mensch und Tier ( denn indigene Völker betrachteten Tiere oft mit anderer Wert- und -einschätzung als etwa Wissenschaftler europäischer Tradition) sind sicherlich auch theistische oder gar monotheistische Religionen.

Jene, wo also Gottheit(en) die Welt erschaffen und den Menschen meist prominenteren Stellenwert einräumen als Tieren, es sei denn, Tiere werden als heilig oder als Stellvertreter eben der Götter betrachtet.

Charles Darwin begann an der Existenz oder zumindest den Charakter Gottes zu zweifeln; unter anderem als er sah, wie etwa Spinnenjungen Wespen bei noch lebendigem Leib verspeisten. (wobei das ja noch harmlos ist im Vergleich dazu dass man in Thailand verbotenerweise mancherorts etwa noch lebenden Affen die Schädelkalotten absägt und deren Hirn verspeist, da hätte Darwin an seiner eigenen Spezies zweifeln müssen.)

Aber, wie erwähnt, die meisten Buchreligionen haben den Geschöpfen der Schöpfung einen fixen Platz zugewiesen, der niedriger als der der Menschen ist und so hat natürlich nicht sein dürfen, dass manch ein Tier Bewusstseinsqualitäten entwickelt, welche dem Menschen ebenbürtig sind und besonders schwierig wird es, wenn diese Tiere als stammesgeschichtlich primitiv betrachtet werden.

Vielleicht wäre es ja nicht anders gegangen, als dass Außenseiter der Forschung die bahnbrechenden Erkenntnisse machten, da diese ja unvoreingenommener waren als Vertreter alter Schulmeinungen.

 

 

Möglicherweise haben sich die Wissenschaften, die noch besonders stark dem mechanistischen Weltbild verhaftet waren, durch streng disziplinäre Beschränkungen nicht nur Gutes getan: Nämlich dadurch, dass man unter gleichen Bedingungen Erkenntnisse nachvollziehen können muss, was ja für die Aufstellung von allgemeinen Gesetzen sinnvoll ist. Damit setzt sich jeder auch Scheuklappen auf. Ein Pferd kann mit Scheuklappen ja nur den Weg sehen, den es gehen sollte, aber nicht den Rest der Welt, durch den der Weg führt.

Aber es gab immer wieder Wissbegierige, die sich erst gar nicht akademische Sichtblenden anlegen ließen.

Manchmal waren es Menschen, die wenig Ahnung von der Materie hatten, etwa anfängliche Sekretärinnen: Lotte Hass, Jane Godall; manche kamen wie die Jungfrau zum Kind (wenn auch nicht ganz unvorbereitet), wie Joy Adamson, die Löwenmutter…weniger eine Wissenschaftlerin als eine, die nebenbei das Bild der Beziehung zwischen Raubkatzen und Menschen veränderte.

Manchmal waren es auch ganz akademische, wie Konrad Lorenz oder Charles Henry Turner, der gegen Voreingenommenheiten seiner Umwelt kämpfen musste. Nicht nur auf der Ebene der Säugetiere oder der Vögel, auch auf der Ebene der Insekten machte letzterer, ein Zoologe des ausgehenden 19. Jahrhunderts, Entdeckungen, die wohl nicht nur missachtet wurden, weil er eine dunkle Hautfarbe hatte, sondern wohl auch, weil sie radikal die „göttliche Ordnung“ unterliefen. (Paar hundert Jahre zuvor waren sich Gelehrte noch unschlüssig gewesen, ob „Neger“ dem Tier oder dem Menschenreich zu zu ordnen seien…)

 

Ohne ganz besondere Tiere wären ihre Erforscher vielleicht gar nicht sonderlich bekannt geworden.

Die erste Begegnung der Menschen fand mit ausgesprochenen Charakteren statt, die mutig, unvoreingenommen und klug waren. Oft standen ihnen ihre Kollegen ein wenig nach, wie bei Alex, dem Graupapagei, der seinen Tierkollegen die Schau stahl. Beim ersten Forscher gab es noch kein prominentes Geschöpf der Fauna. Doch war auch nicht die Zeit der Verbrüderung, weder zwischen Tier und Mensch noch zwischen Menschen verschiedener Hautfarbe. Und so blieben beide, Forscher und Erforschter, lange weitgehend anonym.

Turner und klein- aber- oho!

Bild: AHA, Der Ameisenname Charlie stammt aus einem Witz..
Bild: AHA, Der Ameisenname Charlie stammt aus einem Witz..

Grad mal zwei Jahre nach Abschaffung der Sklaverei (3. Februar 1867 ) wurde Charles Henry Turner als Nachkomme von aus Afrika verschleppten Sklaven in den USA geboren. Er nutzte als einer der ersten die Chancen, die die neuen noch eher auf wackligen Beinen stehenden Berechtigungen boten und studierte Biologie.

Nachdem er 1907 den Doktor-Grad im Fach Zoologie an der University of Chicago erlangte, stellte er sich unter Anderem Fragen wie: „Fällen Ameisen praktische Urteile?“ „Wie nehmen Bienen Farben wahr?“ 

 

Ende 1800 Anfang 1900 war das visionär, und der Rest der Gelehrtenwelt war es weniger, denn, dass Tiere Farben wahrnehmen könnten, welche dem menschlichen Auge verborgen blieben (ultraviolett) oder dass Vögel ihren Verwandten den Reptilien intellektuell überlegen waren (damals wusste man noch nicht dass sie Nachfahren der Dinosaurier waren), daran wagte keiner zu denken.

Nein, er hielt Insekten nicht für Roboter im Chitinpanzer. Erst 100 Jahre später gestand man Ameisen kollektive Intelligenz zu, (und nicht nur, wenn sie kollektiv pinkeln, etwa als bionische Bilgepumpe, weil sie Bambusröhren, die von Regen vollgelaufen waren, entwässerten und so ihre Wohnstätte trocken hielten.)...(ehrlich, in Wikipedia nachgucken!)

Man könnte wetten, dass jede Ameise mit allen 400 Äuglein erkannt hätte, was für ein umsichtiger, kluger Mann Charles Henry Turner war.

Hass und der Hai

Bildmontage: AHA
Bildmontage: AHA

1919 wurde Hans Hass in Wien als Sohn aus gutem Haus geboren und studierte zuerst Jus, erst später Zoologie. Er brachte eine gehörige Portion Unternehmungslust mit, aber keine Lust, seinem Vaterland als Kanonenfutter zu dienen, fielen doch seine besten Jugendjahre in den zweiten Weltkrieg.

Der Feschak wollte lieber sehen, was sich in den Weltmeeren tummelt und sich dabei so bewegen, wie deren Urbewohner. So musste er die notwendigen Hilfsmittel erfinden, er konstruierte Sauerstoffautomaten und seetaugliche Gehäuse für Fotoapparate und Filmkameras. Der weltweit erste Unterwasserfilm "Pirsch unter Wasser" machte ihn weltberühmt.

Fischlein, Kraken, Seeigel, Rochen und natürlich Haie wurden zu Filmstars, die bei der Biennale in Venedig ebenso reüssierten wie 1959 in Los Angeles beim International Underwater Filmfestival.

Die bei den Malediven entdeckten Röhrenaale tragen sogar den Namen "Heteroconger hassi". Es sind hübsche Kerlchen mit einem interessanten Netzmuster.

Nicht einmal die Haie, welche seine Frau Lotte zum Anbeißen gefunden haben mögen, denen sie aber schnell die Schneid abkaufte, waren ihren Ruf als Frau, die die Forschungs- und Filmfahrten zu „Pin-Up-Expeditionen“ machte, neidig.

Na, wenn man statt Lotte Baierl s(o hieß sie vor der Verehelichung), Lotte Haierl genannt wird ist das durchaus schmeichelhaft, denn die Knorpelfische mit Biss haben zu Unrecht den ganz schlechten Ruf, der unter anderem auf eine Begebenheit Juli 1916 an der Atlantikküste von New Jersey zurückgeht, welche von Steven Spielberg recht unverhältnismäßig ausgeschlachtet wurde.

Während einer Hitzewelle tummelten sich tausende Menschen am Strand und im Wasser und innerhalb von 12 Tagen wurden vier Badegäste durch Haiangriffe getötet…

Er hat zwar die Haie auf österreichisch angeschrien, (das wars wohl, was sie so verschreckt hatte, denn blutrünstige Tiere in Fremdsprachen anzupflaumen, brachten schon laut Mark Twain diese zum Weinen...es handelte sich dabei allerdings um toskanische Mücken), aber er trug ihnen ihre Neugier nicht nach, im Gegenteil, er wurde zum Beschützer der Meeresraubtiere, welche ihr Jägerdasein auch mit Delfinen teilen.

 

Man weiß, dass Haie mehr zu bieten haben, als scharfe Zähne und das Rollenklischees des Bösewichtes der Meere. Immerhin ist bekannt, dass sie sich mit Hilfe von Belohnung trainieren lassen und andere Haie dann dasselbe wie ihre gelehrigen Kollegen versuchen, um an Leckerbissen zu kommen...Ich würde mal sagen, das ist mehr als ein Salut mit der Rückenflosse wert.

Konrad Lorenz, Martina und ihre Graugansgeschwister

Der österreichischer Zoologe, Medizin-Nobelpreisträger und einer der Hauptvertreter der klassischen vergleichenden Verhaltensforschung (Ethologie), quasi der „Tier-Freud“ wurde 1903 geboren.

 

Wie weit ihn die Mitarbeit beim Rassenpolitischen Amt der NSDAP befangen gemacht hat, schwer zu sagen. Den Nobelpreis für Medizin/Physiologie bekam er mit Karl von Frisch und Nikolaus von Tinbergen für das, was sie bezüglich „Aufbau und die Auslösung von individuellen und sozialen Verhaltensmustern“ herausgefunden hatten. Na ja, bei Menschen spielt ja bei sozialen Verhaltensmustern Rassismus bekanntlicherweise eine Rolle...nicht bei Tieren...

Graugänse waren Lorenz' bevorzugte Studienobjekte - sie folgten dem Forscher, sie schwammen mit, und anscheinend kommunizierten sie sogar mit ihm, nachdem er sie mit dem Trick der Prägung überzeugte, dass er ihre Mutter wäre.

 

Innerhalb eines bestimmten Zeitraumes nach dem Schlüpfen nehmen Gänse das zur Mutter an, was sie als erstes sehen…

Seine Muse war Martina, die er 1949 gleich nach dem Schlüpfen feierlich taufte: Nicht nach dem Heiligen Martin, (wäre wohl im Hinblick aufs Martiniganslessen etwas makaber gewesen), sondern nach einer Freundin. Kurz vor seinem Tod erwähnte er, dass eines der ersten Bücher, das ihm vorgelesen worden war, „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ gewesen sei. Der Gänserich, mit dem der in einen Däumling verwandelte Nils mitfliegt, hieß Martin.

Als Gänsemutter konnte Lorenz auf sehr lange zurückliegende Erfahrungen zurückblicken, hatte er noch vor seiner ersten Einschulung die beiden Enten Pipsa und Pupsa aufgezogen. Diese Namen sind vielleicht nicht so schmeichelhaft, bezeichnen sie doch die Lautäußerung junger Vögel vom Schnabel ausgehend, oder beim Hintern raus…

Laut der Ziehmama Lorenz waren die Enten so dumm, trotz ihrer Anhänglichkeit „nie imstande zu sein, ihre Namen zu kennen.“

Bitte, Herr Professor Doktor Lorenz, hätte man Sie Piepser oder Furzer gerufen, hätten Sie denn Ihren Namen freiwillig gekannt? Dabei hatte der Wissenschaftler gar nicht die Absicht gehabt, „Gänsemutter zu spielen“.

Zunächst, als Martina, die sich mit dem ersten Blick ihn auserkoren hatte, noch ein Einzelkind war, hatte er eine liebe Mühe mit ihr, denn sie konnte nicht allein sein. Später jedoch kam er zu dem Schluss: „Glückliche Wissenschaft, in der ein wesentlicher Teil der Forschung darin besteht, dass man nackt und wild in Gesellschaft einer Schar Wildgänse in den Donau-Auen herumkriecht und schwimmt.

Was hätte wohl Martina gesagt? „Patscherter Papi, fliegen konnte er nicht und genuschelt hat er, als ob man ihm den Schnabel krumm gehauen hätte?“

Irene Pepperberg und Alex der Eigenwillige

Wie um Himmels willen kam Irene Pepperberg auf die Idee, einem Papagei nicht nur Wörter zu lehren, sondern auch deren Sinn klar zu machen?

(Ich warte nur noch darauf, dass Papageienvögel den Sinn der Flüche erkennen, die man ihnen beibringt. Der meiste Blödsinn, den sie plappern lernen, ist ja ohnedies nicht erschließbar.)

Jedenfalls könnte es sie geprägt haben, dass sie in New York als Kind keine Spielgefährten, sondern einen Papagei hatte. Ursprünglich studierte die 1949 Geborene Chemie, doch die Tatsache, dass Verhaltensforschung bei Tieren eine neue aufregende  Wissenschaft war, änderte ihr Leben.

 

Sie bewies Mut, sich einen Graupapagei zu kaufen, wo alle dabei waren, Menschenaffen zu erforschen. Sie nannte ihn Alex, was ein Akronym für Avian Learning Experiment, also (Vogel) – Lernexperiment war.

Sie behandelte Alex nicht als Haustier, sondern als wissenschaftlichen Kollegen, auch mit gewisser Reserviertheit, um wissenschaftliche Unbefangenheit zu wahren. Alex tat das nicht. Er wusste, welche Knöpfe er drucken musste.

 

Peppers Ziel war nicht nur, den Papagei Wörter zu lehren, sondern auch deren Sinn. Nach 19 Jahren Training hatte Alex einen Wortschatz von 200 Wörtern und kannte 500. Er konnte größer und kleiner unterscheiden und kannte auch, was „gleich und unterschiedlich“ als Konzept bedeutete. Doch er konnte auch Geschehnisse vorwegnehmen und gelernte Wörter in der sozialen Interaktion richtig verwenden. Bei einer Radiosendung über die sie auf https://www.youtube.com/watch?v=rrX1nrvPbLY erzählte, musste Pepperberg einen Gegenstand zuerst für die Hörer beschreiben, bevor sie ihn, wie üblich dem Papagei zeigte und nach der Farbe fragte.

 

Doch Alex begann Gegenfragen zu stellen: „Was für ein Material?“ „Holz.“, antwortete Pepperberg. „Was für Form?“ „Sechseck.“ „Wie viele?“ Anstatt also das dressierte Vögelchen zu geben, begann Alex mit Irene zu interagieren, ja sogar die Rollen umzudrehen. Schließlich wurde sie ungeduldig und fragte: „Welche Farbe?“ Er: „Nein, welche Form?“ Da begann sie, von Alex wegzutrippeln,  was so was wie Aufmerksamkeitsentzug als Strafe bedeutete und was man im Radio als leises Stöckelschuhstakkato hörte. Da kam plötzlich Alex´Stimme : I´m Sorry…come here…..orange…“ (tut mir leid, komm zurück... es ist orange!).

Da Weggehen oft als Strafe benutzt wurde, gab es ein Ritual. Immer wenn die Forscherin nach der Arbeit wegging, sagte sie „Bye, see you tomorrow!“ Er: „Bye, I love you!“, worauf sie mit „I love you too“ antwortete.

All das mit einem Tier, dessen Hirn so groß wie eine Nuss war und mit Forschungen, die zu deren Anfängen in den 1970er Jahren nicht sonderlich angesehen waren, wenn man keine Elektroden ins Gehirn von Tieren steckte...

 

Als Alex 2007 starb, wurde sein Tod von seiner Fangemeinde damit verglichen, als ob Michael Jackson gestorben wäre.

Hätte Irene Pepperberg jenen Papagei beobachtet, der vor einem Gasthaus in Passau die armen Hunde der Gäste verwirrte, indem er sie zu sich pfiff und dann stillschweigend und durchaus grinsend beobachtete, wie sie Herrli oder den Pfeifer suchend umherirrten, hätte sie wohl erkennen können, dass die klugen Vögel den Sinn des Pfeifens erkennen, was ja angepfiffene Frauen bekanntlich nicht immer tun….

Pflegekind Elsa und Joy Adamson

Joy Adamson, eigentlich Friederike Victoria Gessner, 1910 - 1980 war eine britisch-österreichische Naturforscherin, Malerin und Schriftstellerin.

Joy hieß sie, weil ihr zweiter Ehemann, den sie schon in Kenia kennen gelernt hatte (mit dem ersten war sie wegen dräuender Nazi-Verfolgung nach Afrika ausgewandert) der Spitzname Fifi nicht gefiel.

Sie war vielseitig, fotografierte, sang und hatte noch in Wien auch ein Studium der Psychologie, Anatomie und Medizin begonnen.

Doch erst der dritte Ehemann, ein Wildhüter, war der Partner, der ihr letztendlich die Begegnung ihres Lebens ermöglichte. Für den vorhergehenden Gatten, einen Botaniker, hatte sie fleißig afrikanische Pflanzen gezeichnet.

Die Haltung und Auswilderung einer Protea wäre wohl nicht so spektakulär gewesen, wie die Adoption dreier Löwenbabys, nachdem George Adamson deren Mutter, die angeblich immer wieder Menschen angefallen hatte, erschossen hatte. Dass die Löwenmutter die Menschen anfiel, um ihre Jungen zu verteidigen und nicht, weil sie ein „Maneater“ war, oder so, ging etwas unter. Das alles passierte übrigens im Meru National Park in Kenya, zu diesen Zeiten noch eine Arche Noah für tausende Wildtiere.

Zwei Löwen wurden letztendlich an einen Zoo verkauft, aber der dritte, ein anfänglich schwächliches Mädchen, machte seine Adoptivmama unter dem Namen Elsa weltberühmt.

Elsa wuchs wie ein Haustier auf. Als das der britische Naturfilmpionier Sir David Attenborough hörte, interessierte er sich dafür. Er besucht die Adamsons im Busch und porträtiert ihr ungewöhnliches Leben mit dem Löwenbaby. Ihm blieb eine Erfahrung nicht erspart, die viele Gäste der Adamsons machten: "Ich lag auf meinem Feldbett und glaubte zu träumen. Auf einmal lag etwas Schweres, Pelziges auf mir. Elsa! Ich spüre noch heute den üblen Mundgeruch und die sabbernden Barthaare."

 

Nachdem Joy Elsas Entwicklung und Auswilderung minutiös aufzeichnete, hatte sie Stoff genug für das Buch „frei geboren“, das in 33 Sprachen übersetzt und auch verfilmt wurde. Bei der Premiere in London war sogar Queen Elisabeth anwesend. Natürlich waren die Geschichten kalkuliert herzerwärmend.

Gerührt berichtete etwa Joy, wie Elsa an ihren Fingern nuckelte und ihre Schenkel trat, um mehr Milch zu bekommen und mit dem Daumen im Mäulchen auch eindöste.

Mrs. Adamson glaubte zudem daran, dass Löwen mit ihr durch mentale Telepathie kommunizierten .

Sie musste trotzdem Elsa das Jagen und das Überleben in der Wildnis beibringen, indem sie mit gutem Beispiel voranging und dafür auch mal Tiere erlegte, was sie sicher nicht auf Löwenart machte...

Es gelang trotz holpriger Jagdlektionen, ihrer Raubkatze das wichtigste Know-how beizubringen und Elsa schloss sich einem Löwenrudel an.

Sie kam dann zu Stippvisiten auch zurück zu den Adamsons um ihre Babys zu präsentieren.

Doch 1961 starb sie an einem von Zecken übertragenen Fieber. In den Jahren nach Elsas Tod wurde das ehemalige Paradies von Wilderern überrannt.

Joy widmete sich weiterhin der Aufzucht von Wildkatzen, doch die halb domestizierten Feliden dezimierten die Schafe, Ziegen und Rinder benachbarter Hirten, sodass Kenya die Adamsons aufforderte, sich mit ihren Tierchen woanders hin zu begeben. Im Serengeti Nationalpark jedoch wiederholte sich das Problem. Die Adamsons schossen Wild für ihre Schützlinge und die Wildparkverantwortlichen verboten den Adamsons, das Tierfutter für die Löwen selbst zu produzieren...

 

Zudem war es auch keine gute Idee, dass Raubkatzen ihre natürliche Scheu vor Menschen verloren.

Löwen sind in Wirklichkeit nicht die edlen Jäger wie ihr Ruf vermeinen lässt und als König der Tiere manchmal auch eher dekadente Royals: Sie stehlen bisweilen ihr Futter von anderen Jägern, anstatt es selber zu erlegen, (deshalb funktionierte wohl die Adamson lion school).

Bei Nahrungsknappheit lässt ein Rudel die jüngsten Nachkommen verhungern. Jagen tun die Damen,welche auch die Herrscherinnen sind, nicht die langmähnigen Herren.

Bei diesen Wahrheiten müsste manch ein Adliger noch überlegen, ob er sein Wappentier behalten möchte….welche zwar (laut einem Artikel der NY Times) frei geboren, aber auch faul und selbstsüchtig sind. https://www.nytimes.com/1973/10/14/archives/the-king-of-myths-born-free-lazy-and-selfish.html

 

Joy sah das anders: Alle Wildtiere seien rein und pur. Menschen hätten ihre Reinheit und Unmittelbarkeit verloren, aber Elsa sei natürlich auch rein und pur gewesen. Sie soll das (dem Macho und Kettenraucher) Clark Gable gesagt haben, und als er auf seinen Tod zuging, habe er nach den Büchern von Elsa verlangt. (Der Schauspieler und Darsteller von Rhett Butler in „Vom Winde verweht“ starb an Krebs) „After a life like his, he wanted something clean and beautiful.” sagte Joy Adamson in einem Interview.

1980 wurde Joy Adamson von einem ihrer ehemaligen Angestellten, dem kaum 18 jährigen Turkana Paul Nkaware Ekai erstochen. Als Arbeitgeberin sei sie eine Cholerikerin gewesen. Aber ob sie ungehorsame Angestellte angeschossen und ihnen danach Schweigegeld gezahlt habe, wie er 24 Jahre später in einem Interview behauptete, bleibt zu bezweifeln. (https://www.theguardian.com/environment/2004/feb/08/kenya.conservation)

Die glorreichen Sieben: Leakey, Goodall, Fossey und Galdikas mit ihren Freunden David Greybeard, Digit und Princess

Louis Leakey war ein in Kenia geborener Brite, der sich für Affen als Vorfahren des Menschen interessierte. Dafür brauchte er aber unvoreingenommene Forschungskräfte. So rekrutierte er in den 1960er Jahren drei unbeschriebene Blätter, drei Frauen, die als vollkommen unqualifiziert galten, aber für Primaten brannten: Jane Godall, die derartig kühne Erkenntnisse sammelte, dass sie sich mehr als 20 Jahre nicht traute, darüber zu schreiben, dass etwa Schimpansen sich bei Entdeckung von Nahrung Freudenschreie verkneifen, um keine Artgenossen anzulocken, die ihnen den Fund streitig machen könnten.

Dian Fossey aus San Francisco, (Die ehemalige Ergotherapeutin in einem Kinderkrankenhaus litt seit der Kindheit an Allergien, hatte Höheangst und fiel gleich mal bei der ersten Afrikareise in ein fiebriges Delirium. Was sie nicht hinderte eine auch (gegen Wilderer) rabiate Gorillamami zu werden.)

 

Birutė Galdikas war Kanadierin mit litauischen Wurzeln und begab sich in den Neunzehnhundertsiebzigern nach Indonesien, um die Waldmenschen, die Orang Utans zu erforschen, wobei die Einheimischen meinten, Orang Utan- Männchen würden Menschenfrauen verschleppen und vergewaltigen.

Zudem hatte sie gegen Insekten, Parasiten, Giftpflanzen, hoher Luftfeuchtigkeit, Essensknappheit, Viren und anderen Unwegsamkeiten zu kämpfen.

Doch keine der engagierten Frauen hätte sich einen Millimeter an Erkenntnissen fortbewegt, hätten ihnen ihre Forschungsobjekte nicht nur nicht viel Vertrauen entgegengebracht, sondern sich einfach auch reduziert verhalten, wie das ja auch Menschen in fremder Gesellschaft tun. Sie zeigen nur einen Teil von sich, ihr öffentliches Ich.

Es war der Schimpanse David Greybeard, der das Eis brach und dessen Furcht am kleinsten war, als er die von Jane Godall ausgelegten Bananen sich nicht nur schnappte, sondern auch die anderen seiner Gruppe überzeugte, sich zu bedienen.

Mehr noch, erlaubte er der Menschenfrau, ihn zu lausen, was eine ausgesprochen intime und verbindende Handlung bei den Menschenaffen ist.

Seine Sippe(er war zwar nicht der Führer, aber Quasi Meinungsmacher, dem alle vertrauten) zeigte, dass Menschenaffen Vieles, was Menschen an Eigenschaften dafür beanspruchten, sich von den Tieren abzugrenzen, mit ihnen gemein haben.

 

Laut Godall könnte man sogar mit ihrem Blut eine Transfusion zwischen Mensch und Tier vornehmen, sofern die Blutgruppe stimmt.

Dian Fossey war die Kompromisslose. Doch die Sanftheit dieser riesigen Affen zu erleben, die zwar eine halbe Tonne auf die Waage bringen können, aber mitunter über Kameramänner Bocksprünge machen, ohne sie zu verletzen, muss ja vereinnahmen! Erlegte Gorillas waren stets als zähnefletschende Unholde präpariert worden und es war eine Sensation, als etwa 1876, der freundliche Gorilla Pongo Menschenmassen begeisterte. Koko, eine Gorilladame, die 2018 in San Francisco starb, konnte sich mit 1000 Zeichen in Gebärdensprache verständigen und verstand noch mehr  Wörter. Auf die Frage: „Wohin gehen die Tiere, wenn sie sterben?“, antwortete sie  mit drei Zeichen: „Gemütlich – Höhle – Auf Wiedersehen“.

Doch es bedurfte zuerst wohl der Feldforschung mit wilden Tieren, um das Bild dieser mächtigen Primaten zu schärfen.

Von klein auf sah Fossey das Gorillamännchen Digit heranwachsen. Er war der Wächter der Gruppe 4 und stand meist auf Posten, während die anderen Tiere dösten oder Futter suchten. Die Amerikanerin und Digit hatten ein ungewöhnliche enges Verhältnis. Einmal nahm er ihr Notizbuch und studierte es, danach drehte er sich um, legte sich hin und schlief ein – ein großer Vertrauensbeweis.

Als Digit 1974 bei der Verteidigung seiner Familie von Wilderern getötet wurde, wurde Fossey zu einer Menschenhasserin, die nicht vor Gewalt zurückschreckte, um ihre Gorillas zu schützen. 

Biruté Galdikas

Forschungskollegin war die fast schon extravagante Princess, eine Orang Utan Dame, die ein derartiges Potenzial hatte, dass sie zwischen 1978 und -80 an einer Studie zur Erforschung der Gebärdensprache teilnahm. Dabei sind Orang Utans weit weniger sozial als Schimpansen oder Gorillas, sie sind Individualisten. Immerhin wusch Princess leidenschaftlich gerne die T-Shirts ihrer Erforscher, weil sie dann Seife fressen konnte. Sie pflegte das Textil intensiv einzuseifen, mit ihrem Handrücken, welcher eine natürliche Bürste abgab zu bearbeiten, bis sich Schaumberge bildeten, die sie genussvoll ableckte, dann auf den Steg zu schlagen, zu spülen und auszuwringen, bis sie des Spiels müde wurde.

 

Außerdem stahl sie oft ein kleines Kanu, um mit ihrem Baby auf und ab zu paddeln und bequem vom Ufer Früchte zu fressen, anstatt durch den Urwald hangeln zu müssen. Hatte sie genug, warf sie die Paddel weg, sprang aus dem Boot und ließ es den Fluss hinuntertreiben. Die Forschungsmannschaft beschloss am Ende, das Boot zu versenken um Princess am Diebstahl zu hindern.

 

Es war wohl allen Forschungskooperationen zwischen Tier und Mensch gemeinsam, gleich welche Forschungsepoche und welche Tierart: Am Ende stahlen sie alle mehr oder weniger offensichtlich die Herzen und machten ihre menschlichen Beobachter berühmt.

Auch wenn es für die Bereitwilligkeit sich auf Menschen und deren Begehren einzulassen, Belohnung gab, letztendlich muss es wohl auch eine Entscheidung für das unbekannte zweibeinige, häufig gegen Tiere so grausame Wesen gewesen sein.

Die meisten der vorgestellten Tierstars waren echte Charismatiker, deren Nachfolger hatten gegen die Vorlage von Alex, Greybeard, Princess oder Digit schwer zu kämpfen.

Betrachtet man Vertreter der Fauna, deren Ruf durch Märchen und Schauergeschichten getrübt waren, so sind und waren auch Vorurteile ein fast unüberwindliches Hindernis, ihnen friedlich zu begegnen. Man denke nur an die intelligenten, verspielten Wölfe. Es reicht leider nicht, ein Held des Dschungelbuches zu sein, wie Akela, der Leitwolf, der weniger bekannt ist als Balu oder Baghera.

Wer hätte gedacht, dass, schabbrige, glitschige Oktopusse so intelligent sind, und sogar hirnlose Seesterne neidisch sein können?

Immerhin:  50 bis 60 Milliarden Tiere tötet der Mensch weltweit jedes Jahr. Infolgedessen ist es kaum zu glauben:  in manchen Staats-Verfassungen sind Tierrechte auch verankert.

 

Eines der strengsten Tierschutzgesetze hat etwa die Schweiz. In Schweden dürfen seit 2020 Elefanten und Seelöwen nicht mehr in Zirkussen auftreten, weil dies wider ihr natürliches Verhalten sei. Doch bereits seit 1960 dürfen Affen, Tiger, Löwen und Bären in Schweden nicht mehr mit einem Zirkus reisen, ebenso wenig Nashörner, Nilpferde, Herdentiere, Giraffen, Kängurus Krokodile, Strauße und Raubvögel.

Wir essen Tiere, die Persönlichkeit haben, wie etwa Schweine aber auch Hühner, die sehr klug sind.

 

Das Schlimme daran ist, wie wir sie behandeln und für ein kleines Stück den großen Rest ihrer Kadaver wegwerfen. So kann man kein Wesen behandeln, von dem wir Menschen sogar noch lernen können.

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