· 

Männer über Liebe:

Ich fühle mich furchtbar. Eben hielt ich schwarz auf weiß fest, was Frauen von der Liebe halten. Noch dazu versäumte ich, Role-Models wie Colette, Simone de Beauvoir oder Tanja Blixen im Titel zu nennen. Ohjeh!

 

Von Männern wollte ich mir in diesem Fall nicht dreinreden lassen. Ich kenne das: Reden sie von Liebe, schwingen sie ihre Wortkeulen und verkaufen das Niedersausen als säuseln. Ihre vorgeblichen Liebesdienste enden oft abrupt mit der Werbephase.

 

Bei vielen Liebesromanen haben die Herrschaften ihre Finger im Spiel, an der Schreibfeder oder auf der Tastatur (welche auch immer, die analoge oder digitale.) Natürlich schreiben die Männer ständig über Frauen „...doch das ist niemals von den Frauen selbst gekommen“, ließ Virginia Woolf eine ihrer Romanfiguren sagen. Natürlich schreiben sie auch über Frauenem-pfindungen in der Liebe, möchte man hinzufügen und auch das ist nicht authentisch.

 

Raus kommt meistens: Keine Lust ohne Leid, viel Leid. Mehr für Frauen als für Männer.

Immerhin habe ich es zwei Monate geschafft, prominenten Herren den Mund zu verbieten, doch dann suchten sie mich in ihren Träumen heim...meistens als attraktive Exemplare ihres Geschlechts, sicher fescher als in der Wirklichkeit, doch fieserweise blieb es bei Verlockungen. Erfüllt haben sich die Träume nicht, in keinerlei Hinsicht. Sie entzogen mir ein happy End, wie der Eseltreiber die Karotte dem Grautier.

Nicht, dass ich mich von meinen Träumen erpressen ließe, aber ein wenig demokratisch möchte ich mich bei einem Thema, das nicht ohne Männer und Frauen (und divers) funktioniert, verhalten.

 

Mag sein, dass diese Gesprächsrunde antiquiert wirkt, das liegt aber daran, dass sich die Einstellung dazu (und vor allem die die Einstellung haben) erst seit kurzem ändert.

 

Das Panchatantra, (hat nix mit Tantra-Sex zu tun sondern ist ein altes indisches Buch mit Tierfabeln) schreibt von den sechs Zeichen der Liebe: „Schenken und sich beschenken lassen, von sich erzählen und nach Geheimnissen fragen, genießen und Genuss gewähren. Keinem und auf keine Weise wird Liebe ohne Dienst zuteil...“

 

Ein Lächeln enthält alle Bausätze für Liebe, wenn es aber nicht erwidert wird, geht es ihm wie dem Apfelkern, der mit tausenden anderen nicht aufgeht, weil ein Paar Bedingungen dafür fehlen. Steht er aber da, fragt niemand danach, ob es ein Apfelbaum ist.“ Netter Versuch Herr Welding, die Kurve zur Bequemlichkeit kratzen. Nichts tun und die andere schenken und sonstige Dienste verrichten zu lassen, nicht sehr nobel...

Ovid meint hingegen, ein Liebhaber müsse wie ein Angler seine Köder und Fischgründe, ein Jäger seine Jagdgründe kennen, eben die Plätze, wo sich die Beute aufhält. Das klingt wenigstens nach Arbeit.

Besonders lernt die Weiber führen; Es ist ihr ewig Weh und Ach so tausendfach aus einem Punkte zu kurieren,und wenn Ihr halbweg ehrbar tut, dann habt Ihr sie all' unterm Hut.“ volendete Mephisto, das Sprachrohr Johann Wolfgang von Goethes, die Jagdstrategie.

 

Da zischte plötzlich wer offensichtlich erbost in altgriechisch rüber, dass Liebe eine schwere Geisteskrankheit sei... Ach ja, Plato hätte ich so viel Emotion gar nicht zugetraut...

Und schon gibt sich der galante Herr, dessen Namen für Schürzenjäger schlecht hin steht, zu erkennen. Nein nicht Don Juan, nicht Herr Bel Ami, sondern Herr Neuhaus, alias Casanova, der wohl keine Schnitte gemacht hätte, wäre er Deutscher gewesen.

Liebe ist eine Art Wahnsinn, ja - ein Wahnsinn, auf den die Philosophie gar keinen Einfluss hat; sie ist eine Krankheit, der der Mensch in jedem Lebensalter unterworfen ist, und die unheilbar ist, wenn sie ihn im Alter befällt.

Ah, Plato hat das anders gemeint?

Er hat immerhin sehr viel zur Liebe geäußert, sein berühmtestes Gleichnis erzählt von der Kugel mit vier Beinen, die zu Mann und Frau getrennt werden, und dass die sich jetzt suchen, um wieder eins zu werden, um eine runde Sache zu bewerkstelligen.

„Der Liebende blickt in einen Spiegel, in dem er sein Selbst entdeckt“,

„wenn man sich wie der Venezianer Spiegelkabinetten auf Jahrmärkten herumtreibt…“, warf der Grieche süffisant ein, wobei seine Barthaare erbebten.

Casanova erwiderte: „Die Liebe besteht zu drei Viertel aus Neugier. Da gibt es viel zu entdecken.“

...“Im Spiegelkabinett.“ Herr Platon, so echauffiert kennen wir Sie nicht!

Ein kleiner Mann mit spitz behaartem Kinn, Halbglatze und geschlitzten Pluderhosen, dem die Theaterschminke die Mimik zur Maske goss, wandte ein: „Was soll ich mit der Liebe, wenn sie den Himmel mir zur Hölle macht.“

Ach William Shakespeare, schlechte Erfahrungen?

 

Die Liebe beginnt damit, dass man sich selbst betrügt, und sie endet damit, dass man andere betrügt.“, ließ unverkennbar ein Dandy verlauten, zwar kein Landsmann des Spitzbärtigen, aber einer, der in England durchaus Karriere gemacht hatte. Das war natürlich Munition für den Italiener.

Wenn ich Frauen betrogen habe, so war das Hintergangenwerden gegenseitig. So etwas zählt nicht; denn wenn die Liebe mit ins Spiel kommt, sind gewöhnlich beide Teile angeführt.“ Als er diese Replik vernahm, zog Oscar Wilde (Ja, ein Dandy) unnachahmlich nonchalant seine linke Augenbraue hoch.

Da konnte ein weiterer Franzose, ein gewisser Herr Racine, nicht hinterm Berg halten. „Begierig glaubt die Liebe, was sie wünscht.“

Ja, meine Herren, und da glaubt ihr, ihr seid aus dem Schneider? Glaubt die Liebe, oder glauben die Menschen? Glauben, immer wieder Glauben ohne Gewissheit!

 

 

 

„Liebe heißt, dass man zu träumen weiß und dann wieder aufzuhören weiß mit dem Träumen.“ So was konnte nur ein Psychologe sagen. Tatsächlich war es einer, ein gewisser Francis Lelord.

 

Da lächelte Platon mit der Milde eines alten Philosophen: „Der Liebende wird gegen das, was er liebt, verblendet.“ Dem war das Träumen in diesem Zusammenhang wohl etwas suspekt.„Sag ich ja“, meinte da ein etwas modernerer Italiener, ein gewisser Gino Cervi: „Liebe auf den ersten Blick ist die am meisten verbreitete Augenkrankheit.“

Das schien Herrn Casanova ziemlich zu missfallen, hatte er Liebe auf den ersten Blick doch recht häufig als Eroberungsstrategie benutzt. Er kräuselte seine Stirn, sodass sich seine Perücke etwas verschob.

„Das Ende einer Liebe erhöht die Sehschärfe.“, sagte jener Wiener Arzt und Bühnenautor, der seine Geliebte, die Schauspielerin Adele Sandrock zu dem Ausspruch veranlasst hatte, die Männer seien alle Schweine. Dr. Arthur Schnitzler, da haben Sie sich jetzt ein Ei gelegt. Denn wenn Adele Sandrock am Ende ihre Sehschärfe wieder erlangt hatte…, das kann nicht gut enden!

 

Irgendwie war das Augenfällige eine Kerbe, in der die Männer gerne schlugen, auch Theodor Adorno: „Liebe ist die Fähigkeit, Ähnliches an Unähnlichem wahrzunehmen.“ Nicht umsonst hatte Cosmopolitan (die Zeitschrift, nicht der Drink) im zwanzigsten Jahrhundert an die Frauen den Spruch ausgegeben: „Frauen seid lieber schön als klug, denn die Männer können besser gucken, als denken.“

 

Dem schlecht'sten Ding an Art und Gehalt, leiht Liebe dennoch Ansehen und Gestalt.“, erwiderte William volley.

 

Immerhin, es war wohl gut so, denn vielleicht wären die Menschen ausgestorben, noch bevor sie sich so weit entwickelt hatten, sich über Liebe den Kopf zu zerbrechen.

 

Genau, Liebe sei genauso notwendig wie Brot, äußerte ein beleibter Franzose, bei dem es sich um niemand Geringerem als Honoré de Balzac handelte. Ja, ja, die Franzosenfraktion: „Zu leben, ohne zu lieben, ist kein richtiges Leben. Nimm dem Leben die Liebe, und du nimmst ihm sein Vergnügen“ meinte da ein Berufskollege Wiliam Shakespeares, ein gewisser Herr Molière „Am Ende des Lebens wird es die Liebe sein, nach der beurteilt wird.“ Okay, nicht schlecht, wenn ein Leben nach dem Vergnügen beurteilt wird, mit dem es geführt wurde...

„Ungerecht bleiben die Männer, und die Zeiten der Liebe vergehen.“. seufzte der Geheimrat von Goethe. Ausgerechnet, er, der verlangte: „Liebe mich, damit ich mich des Lebens freue.“

Das gefiel William Shakespeare nicht sonderlich: „Wo Liebe rechnet, ist sie bettelarm.“

Was nämlich Herr Goethe von sich gab, ist beileibe keine Milchmädchenrechnung, sondern beinharte Kalkulation über Gewinnchancen beim alten Glücksspiel, das Amor mit spitzen Pfeilchen immer wieder anstachelt.

 

Herr Sartre dürfte mit Berechnungen auch so seine Erfahrungen gemacht haben: „Frauen leben in der Hoffnung, dass Männer, die mit Geld gut umgehen können, auch gut mit Frauen umgehen werden.“ Da wären dann laut Herrn Shakespeare die Frauen am ärmsten dran.

Alles, worauf Liebe wartet, ist Gelegenheit.“ Und nicht Geld, möchte man meinen. Nicht Herr Miguel de Cervantes?

Ich frag mich nur, bezüglich Gelegenheit, muss die Liebe da lange warten? Gelegenheiten gäbe es nämlich viele. Vielleicht sind es ja die Menschen, die auf Gelegenheit zur Liebe warten, und im Bezug darauf mit schwersten Sehbehinderungen geschlagen sind?

 

„It matters not who you love, where you love, why you love, when you love or how you love, it matters only that you love“. Na dann Herr Lennon, einfacher geht es nicht: Wurscht, wen du wo, wann, wie oder warum du liebst, es macht nur was aus, dass du liebst...wie auch immer.

 „Man hört immer von Leuten, die vor lauter Liebe den Verstand verloren haben….“

„Herr Lennon, was sagen Sie dazu?“, musste ich nun den behäbigen Mann, der das gesagt hatte, unterbrechen. Doch Lennon schien keine Einwände gegen den Romantiker zu haben, der seine Gedanken fortsetzte: „...Aber es gibt auch viele, die vor lauter Verstand die Liebe verloren haben.“ Meinen Sie wirklich, Herr Jean Paul?

 

Na, das wäre wohl eingehender zu erörtern. Wenn, wie Herr Rilke sagt, dass die Frau seit Jahrhunderten die ganze Arbeit in der Liebe geleistet habe, dann geht es um gewaltigen Leistungsentgelt, für den Wahnsinn, auf den sie sich eingelassen haben und um Entschädigung für das getrübte Spiegelbild, das sie ständig von den Männern vorgesetzt bekamen, sowie für viele weitere Jagdunfälle.

 

Immerhin hat die dieser Diskussion voran gegangene Damenrunde gezeigt, dass sie pragmatischer und klüger mit dem Thema Liebe umgeht. Dafür, dass in der Weltliteratur vorwiegend Männer ihren Senf dazugegeben haben, ist hier wenig raus gekommen.

Im Nachhinein bin ich erleichtert, die beiden Geschlechter nicht zusammengespannt zu haben.

 

Vielleicht ist es ja besser, wenn die Herren im Glauben bleiben , sie seien die Jäger und Frauen die Beute. In den vielen weiteren Geschlechterverhältnissen, von denen aus Zeitgründen wenig zu erfahren war, kann es ja noch spannend werden.

 

Aber vielleicht bleibt nur noch als Fazit ein weiblicher Ausspruch: „Warum sind Frauen für Männer soviel interessanter als Männer für Frauen?“ (Virginia Woolf)

 

Weil Männer halt gerne Jagdstrategien ausprobieren? Weil sie sich gerne blenden lassen, oder weil sie eher zum Wahnsinn tendieren, wäre eine mögliche logische Schlussfolgerung aus den männlichen Diskussionsbeiträgen als Antwort auf Frau Woolfs Frage. Uuups...


Copyright: AHA

 

Nachdrucke bzw. Wiederveröffentlichungen (auch auszugsweise)

sind honorarpflichtig und bedürfen einer 

schriftlichen Genehmigung der Autorin.

 

Kontakt: hier klicken

Kommentar schreiben

Kommentare: 0