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Das Einzige, was sich nicht verpennen lässt: SCHLAF

  • Wozu schlafen?
  • Schlaf im Tierreich
  • Wie schläft der Mensch?
  • Schlaf in den Kulturen
    • Griechenland (Antike)
    • Ägypten
    • Indien (Upanishaden)
    • Buddhismus (Tibet)
    • Native Americans
  • Den Seinen gibt´s der Herr im Schlaf?


Das Einzige, was sich nicht verpennen lässt

Dachlandschaft in der Nacht. Foto: ATH
Dachlandschaft in der Nacht. Foto: ATH

Der Schlaf war lange geheimnisvoll. Obwohl, kramt man im Wissensschatz alter Kulturen, so wussten diese schon Einiges, das die Schlafforschung heute bestätigt hat. Viele Phänomene des Schlafes sind messbar geworden.

Schlaf und Traum sind eng miteinander verbunden. Langschläfer und Vielschläfer jedoch hatten kein hohes Prestige, wohl aber die Ausgeschlafenen. 

 

Wozu schlafen?

Schlaflosigkeit ist nicht nur eine Qual, sondern kann auch Leben kosten. Denn wie auf verkehrsreichen Straßen finden Reparaturen dann statt, wenn der Verkehr am geringsten ist. Der im Körper und im Gehirn. Im Schlaf erholt und konsolidiert sich nicht nur der Geist, sondern essenzielle Wartungsarbeiten werden im Körper vorgenommen. 

Viele lebenswichtige Organe tanken in der Nacht laut TCM Energie (Organuhr…)

  • Zwischen 19 und 21 Uhr macht der Magen Pause, dafür aber kriegt das Forpflanzungssystem maximale Energie.
  • Zwischen 21 und23 Uhr ist das Immunsystem, der Kreislauf und das Herz (Dreifacher Erwärmer maximal mit Energie versorgt, während Milz und Bauchspeicheldrüse Pause machen.
  • 23.00-1.00 hat das Herz maximale Schonzeit, während die Energie in der Gallenblase maximal wirkt.
  • Um 1.00 freut sich die Leber über maximale Vitalität, während der Dünndarm mit den geringsten Ressourcen bis 3. Uhr auskommen muss.
  • Ab da wird bei der Blase mit Energie gespart während die Lunge volle Energie tankt.
  • 5-7 Uhr kann der Dickdarm aus dem Vollen schöpfen, da tut es ihm gut, wenn man lauwarmes abgekochtes Wasser trinkt. Dafür ist die Niere auf Sparmodus.

Der Schlaf ist der heilige Versuch der Natur, die Tageswunden zum Verheilen zu bringen. Den Schlaf vorzeitig unterbrechen heißt, heilige Verbände abreißen.“, meinte Peter Altenberg (1859 – 1919)

 

Wissenschaftler fragen sich seit Langem, weshalb Schlaf für die unterschiedlichsten Kreaturen so wichtig ist. Möglicherweise versetzt die Hirnaktivität beim Schlafen all die Milliarden von Verbindungen zwischen einzelnen Nervenzellen, die sich wegen der vielfältigen Ereignisse und Eindrücke eines Tages verändert haben, wieder in eine Art Grundzustand zurück. Die Übertragung zwischen den Synapsen wird also geschwächt, während sie in Wachphasen gestärkt werden. Dieser Hypothese zufolge ermöglicht Schlafen einem Individuum, sein Leben lang neue Gedächtnisinhalte zu formen, ohne dass sich die Kapazität des Gehirns erschöpft oder ältere Erinnerungen verloren gehen. Es wird verhindert, dass die Hirnzellen mit tagsüber angesammelten Einflüssen überflutet werden und zu viel Energie verbrauchen. Denn das Gehirn braucht immerhin ¼ der Energie des gesamten Körpers ( Vgl.Spektrum Magazin,4. 12.2014)

 

 

 

Aufnahme aus dem Botanischen Garten Linz: ATH
Aufnahme aus dem Botanischen Garten Linz: ATH

Pflanzen schlafen übrigens auch. Was der Waldexperte Peter Wohlleben erzählte macht ein kleiner Vers von Erhard Horst Bellermann (*1937) anschaulich.

Die alte Weide wäscht ihre Füße im Fluss, dann geht sie schlafen.“ Ja, auch Bäume schlafen. Peter Wohlleben: In der Nacht sinken Bäume in den Schlaf. Sie lassen ihre Zweige hängen, und sinken bis zu 10 cm zusammen. Auch kriegen die Bäume einen Wasserbauch, sind nachts dicker, weil das Wasser nicht bis in die Kronen geht.

So gehört tatsächlich Schlaf zum Leben, obwohl er in vielen Kulturen als ein Abbild, eine Quasikopie des Todes betrachtet wird. 

 

Schlaf ist im Tierreich

verbreitet, aber nicht universell. Man geht davon aus, dass die meisten Wirbeltiere die gleichen Schlafphasen durchlaufen wie der Mensch. Allerdings, der Ameisenigel, ein früher Vertreter der Säugetiere kennt keinen Remschlaf, was man etwa von Hunden und Katzen, die im Schlummer allerliebst strampeln, nicht sagen kann.

 

Vögel schlafen, sobald sie sicher sein können, dass ihr Schlafplatz im Baum für Feinde unzugänglich ist. Sie fallen aufgrund eines besonderen Tricks nicht vom Ast, den ihre Sehnen beherrschen. Ihre Zehen können den Ast durch das bloße Eigengewicht des Körpers umschließen und verhaken sich darin. Ohne Muskelarbeit halten sie so ihre Balance ganz von selbst.

Forscher können bisher bei weiteren Tierarten wie Schlangen, Eidechsen und Fischen Schlaf (inklusive Traumschlaf) nur vermuten. Bei weniger entwickelten Spezies ist es schwerer, (Traum-)Schlaf von bloßem Ruhen zu unterscheiden.

 

Die Ägypter glaubten, Hasen seien unsterblich, da sie beim Ruhen (Schlafen?) stets nur mit offenen Augen erwischt wurden. Deshalb wurde bei ihnen ein Hasengott auch Gottheit der Ewigkeit, was auch auf das Image des Osterhasen Einfluss hatte.

Tiere ohne bewegliche Augenlider können nicht anders als mit offenen Augen, schlafen. Dazu gehören Krebse, Fliegen, Libellen, Schlangen und Fische. Selbst bei wirbellosen Tieren ohne zentrales Nervensystem wie bei der Mangrovenqualle wurde ein schlafähnlicher Zustand beobachtet.

Um Schlaf auch unter erschwerten Bedingungen zu ermöglichen, entstanden im Lauf der Evolution einige erstaunliche Anpassungen. So bleibt bei Delphinen und anderen Meeressäugern, die zum Atmen immer wieder an die Wasseroberfläche kommen müssen, abwechselnd jeweils eine ihrer beiden Hirnhälften wach.

Plinius der Naturhistoriker der Antike meinte dazu:

 

Die Frage nach dem Schlaf der Tiere bedarf keiner undurchsichtigen Vermutung. Dass unter den Landtieren alle, welche die Augen schließen, schlafen, ist offensichtlich. Dass Wassertiere ebenfalls schlafen, wenn auch recht wenig, glauben selbst diejenigen, welche es bei den übrigen Tieren in Zweifel ziehen. Ja, die Delphine und Walfische hört man sogar schnarchen.“ 

Seelöwen San Francisco.  Tuschezeichnung: ATH
Seelöwen San Francisco. Tuschezeichnung: ATH

Wie schläft der Mensch?

Renaissanceskulptur. Zeichnung: ATH
Renaissanceskulptur. Zeichnung: ATH

York Weismann hatte eine Idee. Ein Fotobuch zu machen, in dem Promis schlafen (was einige möglichst fotogen versuchten).

 

Er traf den Nerv der Zeit, das Buch ging weg, wie die warmen Semmeln. Schlafende haben was Rührendes.

Sie kontrollieren sich nicht sondern sind ganz sie selbst. Prinz Siddharta hat der Anblick seiner schlafenden Angehörigen (die auch noch ein wenig sabberten und schnarchten ) bestärkt, sich die Welt außerhalb seines Palastes anzusehen, die ihm sein Vater aus Angst, seinen Thronfolger zu verlieren, vorenthalten hatte.

Dass im Schlaf eine Menge in Körper und Geist passieren, sieht man den Schlummernden vergleichsweise kaum an.

An der Schlafeinleitung sind im Wesentlichen drei Hirnregionen beteiligt: die Formatio reticularis im Hirnstamm (was nichts Anderes als „netzartige Struktur“ bedeutet, die recht schwer abzugrenzen ist) und zwei Zwischenhirngebiete: der Thalamus und der Hypothalamus.

Die Formatio reticularis gibt das Signal zum Wachsein. Ihre Aufmerksamkeits- und Weck-Funktionen übt die Formatio reticularis über Botenstoffe aus, mit denen sie den Thalamus, gleichsam das „Tor zum Bewusstsein“, erregt.

 

Diese Neurotransmitter sind Noradrenalin und Acetylcholin. (letzteres ist übrigens auch für Lernprozesse wichtig.) Noradrenalin ist für Reaktionsfähigkeit und Bereitschaft. Hat man zu viel davon, kommt es zum Blackout. Zu viel Acethycholin löst Schwitzen und Durchfall aus. Es aktiviert nicht nur das Gehirn, sondern auch unter Anderem die Muskeln. Der Anteil an Acetylcholin beträgt im Gift der Hornisse etwa sechs Prozent des Trockengewichts und liegt damit in der höchsten Konzentration vor, die bisher bei einem Lebewesen gefunden wurde.

Die Formatio reticularis ist u.A. mit den Raphe-Kernen verschaltet. Diese fördern mittels Serotonin das Einschlafen, weil sie die Systeme, die auf Noradrenalin reagieren, hemmen.

Zum Einschlafen muss die Aktivität des Thalamus gehemmt werden. Das besorgen Gebiete im Hirnstamm mit dem Transmitter γ-Aminobuttersäure (GABA). Die arbeitet, wie viele Transmitterstoffe auch in andereren Organen des Körpers (etwa Bauchspeicheldrüse), aber sie wirkt wie eine Straßensperre. Sie hemmt den Verkehr der Nervenimpulse. (Ein hoher Gaba-Spiegel schützt auch vor epileptischen Anfällen).

Daneben wirken dieselben Kerngebiete im Hirnstamm hemmend auf Nervenzellgruppen im Rückenmark, was eine Erschlaffung der Skelettmuskeln zur Folge hat. Der Mensch wird nicht nur schläfrig, sondern auch schlapp. Wer beim Einschlafen zuckt, keine Sorge, das ist normal, quasi eine Stotterbremse für den Bewegungsapparat.

 

Tja, Einschlafen ist Schwerstarbeit, die auch noch mit dem Hypothalamus geteilt wird. Der ist mit dem Auge verbunden und produziert weniger Histamin (Ja auch das ist ein Hormon- ein Botenstoff) und auch weniger vom Orexin (was "Appetit" bedeutet, hier wohl Appetit auf Action) ansonsten steigert es tatsächlich auch den Appetit). Orexin steigert die Aufmerksamkeit, was fürs Einschlafen kontraproduktiv ist. 

 

Dann gibt es auch noch den Nucleus preopticus ventrolateralis, das „Esszentrum des Gehirns“, eine Schaltzentrale, welche mit der Retina (Netzhaut des Auges) verbunden ist. Dieser Nucleus mit den vielen Namenszusätzen  beherbergt  eine innere Uhr und steuert den 24- Stundenrhytmus des Menschen . (Das Fachwort dafür ist circadian).

 

Dann braucht es noch einen weiteren Kern (abgekürzt SCN), welcher auch mit der Retina verbunden ist und die Aktivität des Sympathikus (einen der beiden Gegenspieler des vegetativen Nervensystems) steuert. SCN stimuliert die Freisetzung von Melatonin aus der Zirbeldrüse. Das Gehirn erfährt quasi vom Hypothalamus, dass es Zeit zum Schlafen ist, weil das Tageslicht weg ist.

Wer körperlich viel arbeitet, produziert auch Adenosin, das Müdigkeit hervorruft.

 

 

2007 wurden die Schlafstadien verbindlich wie folgt eingeteilt:

  • Wach liegen,
  • transienter Leichtschlaf,
  • stabiler Leichtschlaf,
  • Tiefschlaf,
  • REM-Schlaf.

 

Leichtschlaf und Tiefschlaf werden auch als NONREM-Phasen bezeichnet (N1-N3)

Funktionelle Systeme des Gehirns variieren die Schlaftiefe in zeitlichen Abständen. Dabei wechseln sich Tiefschlafphasen, in denen der Schlafende schwerer aufzuwecken ist, mit weniger tiefem Schlaf ab. Wenn sich gegen Ende des Schlafs, üblicherweise nach etwa sechs bis acht Stunden, diese Schlafphasen in immer kürzeren Abständen abwechseln, wird der Schlafende wach. Dieser zyklische Prozess wird auch Schlafrhythmus genannt.

 

Die Entdeckung des Rem-Schlafes erregte viel Aufsehen, konnte man doch erstmals die Traumphasen festmachen. Eugene Aserinsky, ein Biologie-Doktorand entdeckte ihn in einem Labor im Keller der Universität Chicago im Jahr 1953, indem er seinen Sohn, dem er Elektroden auf dem Kopf verpasst hatte, fragte, ob er schlafe, weil sich seine Augäpfel heftig bewegten.

 

 

Mittlerweile verbindet die Forschung Schlaf enger mit Träumen als zuvor. Gesunde Kinder haben häufiger Albträume, was ein Training für Ernstsituationen zu sein scheint. Ein gesundes Maß an solchen Träumen bei Erwachsenen verbessere auch die seelische Stabilität, meinen Schlafforscher aus Kanada.

Schlafendes Baby. Buntstiftzeichnung: ATH
Schlafendes Baby. Buntstiftzeichnung: ATH

Interessanterweise ist es normal, das Kinder vor der Pubertät häufig Albträume haben. Diese entstehen oft nach intensiven Tageseindrücken, welche das in Entwicklung befindliche Kindergehirn und somit auch die Psyche überlasten. Zudem sind Kleinkinder entwicklungspsychologisch in der magischen Phase. (Vgl. Schenk-Danzinger: Entwicklungspsychologie).

 

Sie emanzipieren sich einerseits langsam von ihrer Bezugsperson und werden egozentrisch, erklären aber die Entstehung von Phänomenen, die sie wahrnehmen, mit übernatürlichen Kräften. Sie sind also besonders verletzlich und unsicher.

 

Nicola Wilbrand-Donzelli: https://www.t-online.de/gesundheit/kindergesundheit/id_51067116/schlafforschung-was-kinder-im-schlaf-beschaeftigt-.html:

 

Wenn Kindergartenkinder träumen, können sie meist noch nicht zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden. Erst mit fünf bis sechs Jahren wissen rund 90 Prozent der Kleinen, dass ein Traum kein reales Erleben ist und ausschließlich ihrem Denken "entspringt".

Träume seien bei Kindern mehr als bei Erwachsenen der Filter des aktiven Lebens. Denn in Träumen verarbeiten Kinder das, was sie täglich erleben und bewältigen so auch ihre Ängste und Sorgen und zwar sehr direkt, ohne dass eine lange Zeit zwischen Ereignis und Traum liegt. Im Traum würden dieselben Hirnareale wie im Wachzustand, wenn Kinder beispielsweise spielen, stimuliert.

Kleine Kinder leiden sogar oft unter Nachtschreck (Pavor nocturnus). Er ist eine recht häufige Aufwachstörung im Kindesalter zwischen 2 und 6 Jahren. Kinder schreien plötzlich laut, sind in Schweiß gebadet, haben Pulsrasen und sitzen scheinbar wach aufgerichtet im Bettchen. Sie lassen sich auch nicht noch so liebevoll beruhigen. Nach einigen Minuten, ist plötzlich alles von Selbst vorbei. Der Schreck verschwindet aus dem Gesicht des Kindes und es schläft rasch wieder ein. Am nächsten Morgen kann es sich an nichts erinnern. https://www.kindergesundheit-info.de/themen/schlafen/schlafprobleme/albtraeume-schlafwandeln/

 

Wobei, auch Erwachsene verarbeiten Tagesgeschehen, was zu erkennen ist, wenn Traumtagebücher geführt werden. Besonders emotional intensive Eindrücke werden in Träumen eingebaut. Nur vernetzter und symbolischer, da quasi bereits ein großer Fundus verschiedener Repräsentationen und Schubladen für verschiedene Situationen vorhanden ist. Denn der Traum ist sehr individuell und arbeitet nur mit Symbolen, zu denen der jeweilige Träumende Bezug hat. Deshalb sind Traumdeutungsbücher  mit Standardsymbolen (Feuer, Wasser) nur bedingt  mit ihren Verallgemeinerungen verwendbar. Ein Südseeinsulaner hat zudem noch nie was von Sigmund Freud (den Psycho-Papa der Traumanalyse) gehört und ihm bedeutet Wasser was anderes als einem Bewohner der Kalahari-Wüste in Namibia. Allerdings könnte in Tunnel für alle Gemeinsamkeiten haben, die intensivere Autofahrten durch die Verkehrsröhren erlebt haben...

Schlaf in den Kulturen

"Der Schlaf ist das Bild des Todes." Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. Chr.)

Das nicht nur im alten Rom, sondern auch im antiken Griechenland und in Ägypten. Doch nur in der griechischen Kultur wird der Schlaf mehrheitlich negativ bewertet.

Die Übermacht des Schlafes, „der auf den Menschen „fällt“, ist ein Thema in Mesopotamien (Gilgameš), in Griechenland und im biblischen Israel.

Ungestörter Schlaf ist das Privileg der Götter des Zweistromlandes Mesopotamien. Die Menschen dort betrachten  Schlafabwehr oder gar Schlafentzug  nicht nur als Störung, sondern auch planen Wachbeiben zur Erreichung eines wichtigen Zieles.

Keinen Schlaf brauchen nur der babylonische Sonnengott Šamaš, der ägyptische Re, auch Sonnengott, (was sonst, ist doch selbsterklärend!) sowie der Jahwe der Juden.

 

Andererseits zeigen Psalmen Weckrufe an Jahwe, der in einem von ihnen  gleichzeitig als Sehender und als Schlafender angesprochen wird. Heute nennt man sowas Schlafwandler.

 

 

Der Ausdruck Traumzeit für ein Konzept der Weltschöpfung ist missverständlich. Mit dem Begriff "alcheringa" der zentralaustralischen Sprache Arrernte beschreiben die australischen Ureinwohner die Entstehung der Dinge. Mit dem Träumen im Schlaf hat die Traumzeit nichts zu tun.

 

Die Traumzeit der australischen Ureinwohner kann zudem nicht wie eine zeitliche Abfolge gesehen werden. Sie umfasst Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie ist nie abgeschlossen, da sich die Welt ständig verändert. Alles ist Bestandteil der Traumzeit: Tiere und Menschen, das Land, aber auch die übernatürlichen Wesen, alle sind miteinander verbunden. Sie haben die Erde und alles darauf erschaffen und sind heute noch Teil des Lebens.

Der britische Ethnologe Walter Baldwin Spencer und sein australischer Kollege Francis James Gillen übersetzten das Wort alcheringa mit dreaming. Es ist aber Vorstellung von einer raum- und zeitlosen Quelle der Existenz, die man als „fortwährende Schöpfungsgegenwart ohne Anfang“ bezeichnen könnte. Das ist in gewisser Hinsicht allerdings ein Traum auch. 

Mondnacht. Aquarell, bearbeitet ATH
Mondnacht. Aquarell, bearbeitet ATH

Griechenland

 

 

Im Mythos birgt Hypnos (latein. Somnus) (Gott des Schlafes) mit seinem Bruder Thanatos (dem sanften Tod im Gegensatz zu Ker, dem gewaltsamen Tod) Leichen vom Schlachtfeld.

 

Hypnos besitzt die Macht, alle Götter, Menschen und Tiere in Tiefschlaf zu versetzen.

Morpheus ist der Sohn des Hypnos. Er und Thanatos sind die Onkel von Lethe, welche die Herrin jenes Flusses ist, aus dem die Toten trinken, um die Erinnerung an ihr vergangenes Leben zu verlieren.

 

Die Seelen, die wiederverkörpert werden sollen, müssen hingegen die Unterwelt vergessen und tauchen in den Fluss ein, der römisch Oblivio genannt wird.

Wie passend, dass Lethes Mutter Eris, die Göttin der Zwietracht, und ihre Schwester Nemesis, die Vergeltung ist. Kein Wunder, dass man erst drüber schlafen sollte, bevor man Zwietracht sät oder gar auf Rache sinnt...

 

 

Laut Hesiod (ein Dichter, der 700 vor Christus lebte) wurde Hypnos von Nyx, der Nacht, vaterlos auf die Welt gebracht. Gemäß späterer mythologischer Überlieferung ist er Sohn der Nyx und des Erebos, der Finsternis.

Wie ist es, mit dem Gott des Schlafes verheiratet zu sein?

Das wüsste wohl, zumindest dem Dichter Ovid zufolge Pasithea, die dem Hypnos drei Kinder gebar: Morpheus (Gestalt), Phobetor (Schrecken) und Phantasos (Einbildung). Ja, und Morpheus ist der Namensgeber für Morphium, ein schmerzstillendes aber auch süchtig machendes Medikament, Phobetor klingt auch nach Phobie, und Phantasos, Fantasie ist fast selbsterklärend.

 

Morpheus, Hauptgott der Träume kann sich in jede beliebige Form verwandeln und auf allen menschlichen Traumbühnen erscheinen. Phobetor ahmt Tiere und Götter und Phantasos Naturgewalten und leblose Dinge nach.

Auch beim Traum gibt es, zumindest bei den alten Griechen, eine Klassengesellschaft.

Morpheus, Phobetor und Phantasos werken des Nachts ausschließlich an Königen und Stammesfürsten. Diese drei genannten Traumgötter zählen zu den „Oneiroi“ (griech. für Träume). Weitere Oneiroi-Brüder, quasi sozial schlechter gestellte Traumdämonen, bleiben namenlos und dürfen ihre Gespinste an das Volk senden. 

 

 

Aufnahmen von den Kulissen der Aida-Aufführung St. Margarethen. Foto: ATH
Aufnahmen von den Kulissen der Aida-Aufführung St. Margarethen. Foto: ATH

Ägypten

Auch am Nil ist der Tod des Schlafes Bruder. Der Tod an sich war in Ägypten ein Tabu und durfte nicht beim Namen genannt werden, was ungewöhnlich erscheinen mag, da die gesamte altägyptische Kultur auf den Tod ausgerichtet zu sein scheint. (Das Ägyptische Totenbuch heißt allerdings original nicht so, sondern : „Buch vom Heraustreten in das Tageslicht“ 

Der Tod wurde als eine Art Schlafzustand interpretiert, aus dem man erweckt werden konnte. Die Bezeichnung „Tod“ wurde allerdings als Metapher für Geschlechtsverkehr, Unaufmerksamkeit und Trägheit verwendet.

Da ist nachvollziehbar, dass feindselige Totengeister Albträume verursachen.

Man schrieb dem Schlaf vier Funktionen zu:

  • Regeneration
  • Vermittler von Träumen
  • Verbindungsbrücke von Gott und Mensch
  • Übergangsfeld zwischen Diesseits und Jenseits

Schlaf hatte auch mit dem Seelenanteil des Menschen zu tun, Ba genannt.

Priester begaben sich speziell in einen rituellen Schlaf. Schlafende Götter hingegen befanden sich jenseits von Raum und Zeit. Schliefen sie, wurden ihre Tempelschreine (Naos) von den Priestern verschlossen.

 

Zirka vor 5000 Jahren also stellten die Ägypter sich vor, dass der Schlafende jede Nacht in die Urgewässer des Flusses „Nun“ hinabsteigt, wo er regeneriert wird. (was ja nach heutigen physiologischen Erkenntnissen stimmt.)

NUN, das Urwasser, muss man sich als einen ein Ort der absoluten Finsternis vorstellen, wo laut altägyptischen Beschreibungen sich „die Erschöpften“ aufhalten.

Nettes Detail am Rande: In Pyramidensprüchen wurde dem Hunger befohlen, doch zum Nun zu gehen, weil er dort nicht existieren kann, und so vernichtet wird.

Die Grenzen sind im Nun festgemacht als „Müde“. Diese sind im Wasser, indem sie erschöpft sind... Der Ba erhebt sich dort nicht. Re (der Sonnengott/ die Sonne) geht dort nicht auf. Ohne dass sein Land von Göttern und Verklärten gekannt wird, das heißt, der Ort, in dem die Finsternis ist. Es ist überhaupt kein Licht darin. Jeder Ort breitet nun jeden Schatten aus...Die Finsternis dort übertrifft diejenige der Duat.

In Träumen, so glaubte man, war der Mensch in der Lage, in die Duat einzutreten. Duat, das war neben Amenti ein Teil des Jenseits.

Zeigten sich dem Schlafenden Götter, galt dies als etwas Positives, obgleich auch durchaus nicht alle Götter ein stets freundliches und wohlwollendes Wesen besaßen. Jedoch konnte sich dem Träumenden auch gleichermaßen feindseligen Ahnengeister zeigen, ihm den erholsamen Schlaf rauben und ihn sogar bis in den Tag verfolgen und im schlimmsten Fall auch dort für Unglück sorgen.

Ba ist die Seele, die mit dem Herzen Ib verbunden ist. Die Ägypter kannten nicht nur den Schlaf als Verwandten des Todes, sondern zwei Tode. Während der „normale Tod“ dem Menschen das Bewusstsein lässt, ist Ba im „zweiten Tod“ vom Verlust des Bewusstseins bedroht.

Interessanterweise gab es keine Gottheit, die für Träume zuständig war. Weder als Verursacher noch als Beschützer. Jedoch wurden unterschiedliche Gottheiten in diesen Belangen um Hilfe gebeten.

 

 

Im Schlaf sind wir keine Heuchler, meinte William Hazlitt (1778 – 1830). Da bestand ja durchaus Hoffnung fü die alten Ägypter.

 

 

Purusha in allen Dingen, auch in einer Blüte. Aufnahme: Steven Zeitlos
Purusha in allen Dingen, auch in einer Blüte. Aufnahme: Steven Zeitlos

Schlaf in den altindischen Upanishaden

 

Upanishaden sind uralte philosophische Bücher und Weisheitsschriften. Sie sind Bestandteil der Veden (heilige Schriften), die von den Göttern übermittelt wurden.

Laut ihnen ist das wahre Licht des Menschen Purusha, mit dem man einerseits die unsterbliche Seele aber auch das höchste verkörperte geistige Prinzip bezeichnet. Purusha hat mehrere Standorte, einen aber, so die Brihad Arankaya Upanishad, im Traum.

Im Tiefschlaf sieht Purusha kein Traumgesicht und verspürt schlafend keinen Wunsch, wussten die Inder schon zwischen dem 9. und 6. Jahrhundert vor Christus, also vor 2600 Jahren.

 

Es ist aber auch Purusha, der sich in allerlei Traumgestalten verwandelt. (Man beachte, wie tiefgründig die Doppeldeutigkeit ist: Verwandelt sich die Seele und/oder das höchste geistige Prinzip?

Wobei es im asiatischen Denken gar nicht die Wahl gibt: Purusha ist beides; ähnlich wie Wellen auch Teilchen sein können).

Purusha schwimme wie ein Fisch zwischen Traum und Wachen hin und her und für ihn sei beides einerlei…

Die Upanishaden meinten, man solle einen Schlafenden nicht wecken, denn „der ist schwer zu heilen, zu dem der Geist nicht zurückkehrt“ (welcher im Traum eben noch herumgewuselt war).

Der Tiefschlaf überwinde alle Herzenssorgen, weil es in ihm keine Wünsche mehr gebe. Alle Sinne wie Sehen Riechen und Hören funktionierten, aber es gebe nichts Zweites, keine Dualität, kein Objekt, das von den Sinnen erfasst werden könnte. Auch kein Denkobjekt. Der Tiefschlaf bildet so gewissermaßen die absolute Freiheit ab, nach der etwa Yogis streben.

 

In einer anderen jüngeren Upanishad zeigt sich das Höchste, Brahman, im Wachen, Tiefschlaf und im Traum. Im Tiefschlaf werde die Seele von Tamas überwältigt und gehe in einen Zustand der Freude ein.

Tamas ist eine Qualität von drei (Gunas genannt): Sie ist das Dunkle, Schwere, Faulheit aber auch Dumpfheit. Die weiteren Rajas und Sattva sollen erstrebenswerter sein ...

 

Schlaf ist ein Hineinkriechen des Menschen in sich selbst., meint  Friedrich Hebbel (1813 – 1863) und das soll laut Upanishaden Freude machen…

Bewusstsein wie ein Leuchtturm. Foto: ATH
Bewusstsein wie ein Leuchtturm. Foto: ATH

Buddhisten,

wobei hier tibetische gemeint sind, kennen Traum-Yoga und Schlaf-Yoga. Was ein Mensch im Traum empfinde gehe auf sein Karma zurück. Er reagiert auf die Spuren vergangener (auch in vergangenen Leben) getätigten Handlungen, Empfindungen und Emotionen.

Yogis können sowohl im Remschlaf bewusst träumen und ihre Träume steuern, als auch im Tiefschlaf bewusst bleiben. Konzentrieren sie sich etwa beim Einschlafen auf den Kehlkopf, werden ihre Träume lebhaft. Fokussieren sie aufs Herz, wird der Schlaf tief und traumlos.

Zwischen 3 Schlafqualitäten wird im Buddhismus unterschieden:

  • Unwissender Schlaf (Tiefschlaf),
  • Samsarischer Schlaf (Traumschlaf) und
  • Klares-Licht-Schlaf.

Im Schlaf ziehe sich das Bewusstsein von seinen Sinnen zurück. Im Klaren Licht- Schlaf schläft nur der Körper, aber das Bewusstsein bleibt in der reinen Natur des Geistes, quasi erleuchtet.

Traumyoga spielt sich im Bereich der Subjekt-Objektbeziehung ab, im Schlafyoga ist diese aufgelöst. Im Traumyoga, dem luziden Träumen erkennt der Träumende den Traum als Traum. Im Schlafyoga ist das subjektive Ich verschwunden.

"Schlaf ist die beste Meditation.", bestätigte auch der 14. Dalai Lama

Blutmond (Doppelbelichtung).  Auch er ist Person und zählt zu "people". Foto: ATH
Blutmond (Doppelbelichtung). Auch er ist Person und zählt zu "people". Foto: ATH

Native Americans

Etwas über den Schlaf zu erfahren, ist nicht so leicht, zumal es ja viele nordamerikanische Völker mit unterschiedlichen Überlieferungen gibt.

 

James E. Billie, Chairman der Seminolen in Florida erzählt auf der stammeseigenen Website über Traditionen, die er von seiner Mutter lernte. https://seminoletribune.org/sleep-with-your-head-to-the-east/

 

Eine war, er solle stets mit dem Kopf nach Osten schlafen. Denn die Alten glaubten, dass wenn ein Mensch sterbe, seine Seele nach Westen in Sonnenuntergang und Dunkelheit wandere und dies der Weg zur Milchstraße sei, wo sie in ihr ewiges Leben eingehen würde. Deshalb würden Tote mit dem Kopf nach Westen bestattet.

Schläft ein Mensch, so wandere nämlich die Seele vom Körper weg um sich mit anderen Seelen zu vereinen. Lege man sich mit dem Kopf nach Osten, verscheucht man Seelen, die in der Nähe sein wollten. (Möglicherweise eben auch jene von Verstorbenen).

Mit dem Kopf nach Westen hingegen lade man andere Seelen ein. Diese wiederum beeinflussen die Seele des Schlafenden, sie auf der Reise zu weiteren Seelen zu begleiten. Das hat zur Folge, als Schlafender einen seelenlosen Körper zu haben, Das könnte Schlafgenossen irritieren oder unglücklich machen. Deshalb sei der Osten die richtige Richtung.

Jeden Morgen nach dem Aufwachen bedankt er sich außerdem beim „Breathmaker“, wohl dem Schöpfer, dass er auf dieser Welt existiert und lebt.

 

Das heißt, dass auch indigene Völker Schlaf und Tod miteinander in Verbindung bringen.

 

Was den Schlaf aus physiologischer Sicht betrifft, so fanden Schlafforscher heraus, dass alle Jäger und Sammler  jedenfalls dann aufwachen, wenn die Temperaturen am niedrigsten sind, bzw. zu steigen beginnen.

 

Schlaf war bis heute kaum ein interessantes Thema für Anthropologen, und so wüssten sie, zumindest laut Carol Worthman, Direktorin des Laboratory for Comparative Human Biology/ Emory University, herzlich wenig daruber. https://www.discovermagazine.com/mind/how-to-sleep-like-a-hunter-gatherer

 

Im Vergleich zu vielen indigenen Völkern sei der Schlaf des „westlichen Menschen“, eine trockene, ziemlich isolierte und individualistische Angelegenheit. In Jäger und Sammler-Kulturen hingegen ist "Nachtruhe" sozial und gewisserweise auch voller Action.

 

Nicht repräsentativ aber beispielhaft wird hier der Zugang der Ojibwe beschrieben, welche selbst den Namen Anishinaabe verwenden und zu den größten Ethnien der indigenen Völker Nordamerikas zählen. Sie waren Jäger, Fischer und Sammler und hatten eine Pictogrammschrift, ähnlich wie auch die Hieroglyphen der Ägypter. Sie sind deshalb so interessant, weil sie noch eine lebendige ethnische Identität besitzen.

Träume sind neben Geschichten und Zeremonien Anishinaabe Wege des Lernens.

 

Wissen werde den Anishinabee gemäß oft durch Träumen und Visionen aus der geistigen Welt auf den Menschen übertragen. Anthropologen meinten dazu, dass diese  glauben, dass die physische und die geträumte Welt eins sind oder dass sie gleichermaßen real seien. Laut eigenen Angaben nehmen Anishinaabe das Träumen sehr ernst.

 

Die Anishinaabe-Erfahrung der Welt, ob wach oder im Traum, ist eine Erfahrung einer Welt, die durch die Handlungen von Menschen, Personen und anderen Wesen kontrolliert werde.

 

(Tieren und leblosen Gegenständen wird im indianischen Glauben Persönlichkeit zugeschrieben, was aber nicht mit einer Beseelung lebloser Dinge oder von Tieren und Pflanzen verwechselt werden darf- es handelt sich bei Persönlichkeit also nicht um anthropomorphe Elemente, die etwas besetzten. Vielmehr wird der Kosmos als ein Ort erlebt, der buchstäblich von ‚people' überfüllt ist. People meint nicht Menschen, sondern Völker, ein Begriff, der auch nicht in erster Linie vom Humanen ausgeht, sondern im Gegenteil Menschen mit umfasst.)

 

Garry Raven, ein Anishinaabe-Schwitzhüttenführer von Hollow Water First Nation, erklärt:

Remember your dreams

They tell you what you need to do

Ask elders what your dreams mean

You will learn more about

Choices Meaning in Your Life

The Contributions you should make”

 

Träume werden mit anderen geteilt.

Ando pawachige n bedeutet, dass Sie Ihren Traum suchen, Ihren Traum leben, Ihren Traum verstehen und mit Ihrem Traum vorankommen. „ so Tobasonakwut Kinew.

https://tribalcollegejournal.org/stories-dreams-ceremonies-anishinaabe-ways-learning/

 

Steve Ayan, der ein interessantes Buch über Selbsterkenntnis verfasste („Ich und andere Irrtümer“, ISBN 978-3-608-96353-3) sieht das Potenzial des Traumes, sich aus einer Außenperspektive sehen zu können, zumal der Traum ja auch unsere normale Selbstzensur umgeht. „Nur als distanzierte Betrachter sind wir den Ereignissen einen Schritt voraus. Sich von außen zu sehen und sei es nur imaginär, hilft, das Dickicht der Gefühle zu lichten und die Frage »Wie geht es jetzt weiter?« zu beantworten."

 

Die Abenakis aus Neu-England glaubten, dass der große Geist, der die Erde auf dem Rücken einer Schildkröte erschuf, dies tat, bevor er in den Schlaf fiel. Als er aufwachte, sah er aber, dass er, erst nachdem er von ihnen geträumt hatte, alle Bewohner der Erde erschuf.

 

 

Beinahe auf der ganzen Welt sind die indianischen Traumfänger bekannt. Sie sind Schutzamulette, welche böse Träume abfangen sollen. Erst in den 1960er Jahren, als die Pan-Indianer-Bewegung erblühte, verbreiteten sich diese Amulette bei allen nordamerikanischen Stämmen und gelangte (wohl durch die Hippie-Bewegung) sogar über den Kontinent hinaus. Er stammt ursprünglich aus der Ojibwe-Kultur.

 

"Wir sind von solchem Stoff wie Traumgebild, und unser kleines Leben umgibt ein Schlaf. Und dies kleine Leben umfaßt ein Schlaf."

William Shakespeare (1564 – 1616).

 

Na ja, man könnte dem Herrn aus Stratford durchaus indianisches  oder gar indisches Temperament zuschreiben.

 

Übrigens sind  Wiegenlieder Nordamerikas recht hübsch. Eines besagt, man möge kleine Sterne in den Schlaf einweben. Vielleicht war ja Herr Shakespeares Schlaf tatsächlich von Sternen um-und durchwoben.

Den Seinen gibt ´´ ´s der Herr im Schlaf?

Nacht in Südchina. Foto: ATH
Nacht in Südchina. Foto: ATH

Den Schlaf kann man als Einziges nicht verpennen.  Klar, selbst Schlafmützen sind irgendwann ausgeschlafen. Klar haben viele weitere Kulturen interessante Konzepte, sei es in den Archipeln der Südsee, in Afrika, bei den Inuit.

 

Allen ist gemein: sie wussten schon lange  Details zum Schlafen und zu dessen Funktionen, bevor Wissenschaftler oft erst im 21. Jahrhundert diese messen und nachweisen konnten.

Ein Beispiel: Lernen geschieht im Schlaf. Aber erst, wenn man im Wachleben das Gehirn mit Stoff gefüttert hat.

 

Manch eine Gesellschaft trennt zwischen notwendigem Schlummer und jenem, der Müßiggang im Alpha, Gamma und Theta-Gehirnwellentrott weiter pflegt. Die genannten Wellenlängen treten im Schlaf gehäuft und letztere beiden im Tiefschlaf dominanter auf. Die Hellwachen, Fokussierten und Konzentrierten zeigen dominierende Betawellen, mit denen es sich allerdings ziemlich schlecht tagträumen lässt.

 

Die Mongolen halten sprichwörtlich nichts von „Essen, schlafen und vergessen“. Aber ohne diese drei Dinge wäre selbst für sie das Leben schwierig.

Also ab und zu kann man auch ein Loch in den Tag schlafen. Zumindest im Berufsleben muss man es ohnedies irgendwann flicken.

 

 

Schaufenster eines Geschäftes in Krumau. Foto: ATH
Schaufenster eines Geschäftes in Krumau. Foto: ATH

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