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Bleibe sie, wo sie ist!

Mobile Frauen 

  • Wenn Frauen reisen
  • Entdeckerinnen und Reisende
  • Die mit den Wellen tanzten: Seefahrerinnen
  • Die Auto-Mobilen
  • Weiblich, motorisiert, auf Rädern
  • Herrinnen der Lüfte
    • Pilotinnen
    •  Frauen und Weltraum


Wenn Frauen reisen

Captain Cook wurde 1779 auf Hawaii erdolcht, weil er sich darin gefiel, als Reinkarnation des Gottes Lono zelebriert zu werden. Ferdinand Magellan gilt zwar als erster Weltumsegler, die Ehre gebührte aber dem Basken Juan Sebastian Elcano, der die Umrundung nach Magellans Tod 1521 vollendete. Wenn Männer Reisen unternahmen, war der Blutzoll hoch. Frauen, die reisten, bezichtigte man der Ausschweifung, Ketzerei, Sittenlosigkeit und Prostitution. Dabei waren ihre Reisberichte oft mehr geschätzt als die der Männer. Als neue Fortbewegungsmittel aufkamen, standen sie nicht nur Männern in Tollkühnheit nichts nach, sie waren auch an der Entwicklung beteiligt. Die Rede ist vom Automobil. 

Reisen bedeutete für Frauen oft: Sich maskieren (Bild: ATH)
Reisen bedeutete für Frauen oft: Sich maskieren (Bild: ATH)

Entdeckerinnen und Reisende

 Im 18. und 19. Jahrhundert herrschte die Meinung vor,  dass reisen letztendlich zerstöre, was das (männliche) Idealbild von Weiblichkeit ausmache: Reisende Frauen wurden z.B.  in England als Punk (Prostituierte) bezeichnet.

 

In der Zeit, als sich Frauen erstmals auch auf spektakuläre Reisen begaben und Geschichte machten, (18. Jahrhundert) gab es "Ratgeber" über die Kunst des Reisens, die allein der  Abschreckung von Frauen dienen sollten. Sie nannten Voraussetzungen, welche die damals von höherer Schulbildung Ausgeschlossenen  nie erfüllen hätten können. "Sie müssen viel lernen, aber nur das, was zu wissen ihnen gemäss ist." , schrieb Jean Jaques Rousseau, nämlich das, was ausreichte, die Ehemänner nicht zu langweilen und verhinderte,  deren  Vorherrschaft hinterfragen zu können.

 

1791 stand etwa folgendes geschrieben, was für Kenntnisse unumgänglich notwendig waren:

  • Gesetzgebung, Naturgeschichte, Mineralogie,
  • Metallurgie und Chemie, Mechanik,
  • Hydrostatik, Hydraulik und Architektur,
  • Perspektive, Erdbeschreibung,
  • Navigation und Schiffsbaukunst,
  • Ackerbau, Sprachen, Arithmetik,
  • Zeichnen, eine lesbare und flotte Handschrift,
  • Schwimmen, oberflächliche medizinische Kenntnisse,
  • Musik, Geschmack, Menschenkenntnis,
  • Kenntnis des "vaterländischen Staates",
  • vorläufige Bekanntschaft mit den Ländern, die man besuchen will". 21 Punkte! VGL.:  https://www.derstandard.at/story/1630948/wenn-frauen-reisen (10. 5. 2004).

Fraglich, ob etwa Christoph Kolumbus das mitbrachte...James Cook fehlte es, wenn nicht an Menschenkenntnis, so doch an interkultureller Kompetenz. (S. oben.) 

Bei Marco Polo heißt es: "Und jetzt möchte ich euch noch sagen, dass sich Marco Polo gute 26 Jahre in fremden Ländern aufgehalten, und dort seine Kenntnisse erworben  hat." (In: "Die Wunder der Welt"). Immerhin wusste er, dass die Erde keine Scheibe ist, was schon seit der Antike bekannt und auch verbreitet war.


Maria Sibylla Merian (1647 /Frankfurt am Main-1717 Amsterdam)

 

war eine Naturforscherin und Künstlerin. Wegen ihrer genauen Beobachtungen und Darstellungen zur Metamorphose der Schmetterlinge ("Metamorphosis insectorum Surinamensium") gilt sie als wichtige Wegbereiterin der modernen Insektenkunde. Matthäus Merian, ihr Vater, ist vor allem für seine Kupferstiche bekannt, die Landkarten und Stadtansichten boten. Er war Verleger zahlreicher Landkarten, Städteansichten und Chroniken, sein Hauptwerk ist die Topographia Germaniae.

 

Sybilla erhielt ihre künstlerische Ausbildung von ihrem Stiefvater Jacob Marrel. Durch den Gouverneur von Surinam, Cornelis van Sommelsdijk, wurde sie angeregt, ab 1699 eine zweijährige Reise in diese niederländische Kolonie zu unternehmen. Von der Stadt Amsterdam erhielt sie dafür finanzielle Unterstützung. In Surinam wohnte sie bei der Pietisten-Gemeinde und unternahm Exkursionen in die schwer zugänglichen Urwälder. Begleitet wurde sie dabei von ihrer Tochter. Dort beobachtete, zeichneten oder sammelten sie alles, was sie über die tropischen Insekten entdecken konnte.

 

Ihre Einteilung der Schmetterlinge in Tag- und Nachtfalter ist bis heute gültig. Pflanzennamen übernahm sie aus dem Sprachgebrauch der Indianer. Nach zweijährigem Aufenthalt war die damals 54-Jährige  den Anstrengungen nicht mehr gewachsen und erkrankte an Malaria.  1701 publizierte sie ihr Hauptwerk, aber allein vom Ruhm und den Erträgen ihrer relativ teuren Bücher konnte sie  nicht gut leben. Sie starb im Alter von 69 Jahren in Amsterdam, nachdem sie wegen eines Schlaganfalles 2 Jahre im Rollstuhl verbracht hatte.

 

 

Lady Montagu, Graphik: ATH.
Lady Montagu, Graphik: ATH.

 

Lady Mary Wortley Montagu ( 1689/ Nottinghamshire -1762/ London)

 

wird als Schriftstellerin gehandelt, begleitete aber auch 1716-1718 ihren Mann, der als Botschafter an den osmanischen Hof gerufen worden war, nach Konstantinopel. Die Mission ihres Mannes war übrigens gewesen, zwischen Österreich und dem Osmanischen Reich zu vermitteln, befand man sich ja im Venezianisch- Österreichischen Türkenkrieg. Reisen waren daher unglaublich beschwerlich und gefährlich. 

Sie ließ sich auf das Fremde ein. 

Lady Mary lernte Türkisch (als Kind hatte sie sich selbst Latein beigebracht), informierte sich gewissenhaft über den Islam, die Kultur, Literatur, Geschichte, Rechtswesen und Heiratsbräuche  und pflegte Freundschaften mit Frauen der türkischen Oberschicht. Sie gebar auch ihre erste Tochter in Konstantinopel (Istambul).

 

Die Briefe, die sie während ihres Aufenthalts  schrieb und die postum als "Turkish Embassy Letters" veröffentlicht wurden, machten sie europaweit bekannt. 

 

In England war sie Zielscheibe von boshaften Attacken der Presse und Männerseilschaften, obwohl sie als Mittelpunkt einer Literaten-und Intellektuellen-Szene agierte. Zu dieser Szene gehörten etwa Alexander Pope, John Gay oder Mary Astell.

Da ist es verständlich, dass sie auch Seitenhiebe in Richtung schreibende Männer austeilte:  Allzu oft gebe es bislang nur oberflächliche Berichte junger Männer, die "sich nur daran erinnern, wo es den besten Wein gab oder die hübschesten Frauen".

Fast in solch einem Stil waren übrigens Marco Polos Reiseerinnerungen verfasst. Da ging es hauptsächlich um Währungen, Handelsgüter, wirtschaftliche und politische Abhängigkeiten und Kuriositäten, wie über  Pinkelsitten in einer Provinz in Kaukasus…

 

Isabel Godin des Odonais geb. Graméson (* 1728 -1792

wurde durch ihre strapaziöse und gefährliche Reise durch das Amazonasgebiet  bekannt, wo sie eine Suchexpedition anführte, um ihren Mann, den Astronom Jean Godin wiederzufinden, der an der Nordküste Südamerikas seinen Forschungen nachging. Dabei legte sie 600 Meilen (966km)  zurück, wurde von den indigenen Führern mehrfach in Stich gelassen und sogar tot geglaubt. Nach 20 Jahren Trennung und einem Jahr Umherirren konnten sich die Eheleute wieder in den Arm schließen. 

Die Engländerin Lady Hester Stanhope

lebte von 1776-1839 und war eine Abenteurerin. Edith Sitwell berichtete über sie:  „Nachdem sie erkannte hatte, was von jenen Menschen (den Menschen der Londoner Gesellschaft) zu halten war, verschwand sie auf immer, um Königin der Wüste zu werden." Mit dem Tratsch ihrer Geschlechtsgenossinnen konnte sie nichts anfangen: "Nobody is such a fool as to moider away his time in the slip-slop conversation of a pack of women." Niemand ist so töricht, seine Zeit mit den schleppenden Gesprächen einer Meute von Frauen zu vertreiben. Dafür herrschte sie in den Drusenbergen des Libanon tatsächlich über ein lokales „Reich“ und verschaffte sich den Respekt der Beduinen. Sie war die erste westliche Frau, die Palmyra betrat (Vor ihr war das nur der Schweizer Johann Ludwig Burckhardt alias  Scheich Ibrahim ibn Abdallah  zw. 1810 und 1812 gelungen )  Von  den Beduinenstämmen  ließ sie sich sogar als neue Zenobia ( im 3. Jahrhundert n. Chr. die Herrscherin Palmyras und des römischen Orients von Kleinasien bis Ägypten) feiern.

Sie sei 1813 unter dem Triumphbogen von Palmyra zur Königin der Wüste gekrönt worden, meinte sie in ihren Aufzeichnungen.

Auf ihrem befestigten Sitz bei Joun nahe Sidon, dessen Reste noch heute „Deir es Sitt“ (Brunnen der Herrin) genannt werden, intrigierte sie gegen Emir Bashir II., die Hohe Pforte in Konstantinopel, den Gouverneur von Tripoli, Mustafa Babar Agha, und die verschiedensten Drusenfraktionen. Balzac bezeichnete sie als "blutrünstige Engländerin", hatte sie sich doch auch z.B. an der Brandschatzung eines Dorfes  beteiligt.


Ida Pfeiffer, 1797 -1858 Wien,

war die erste Frau, die alleine eine Weltreise machte. Und das in der Zeit des Biedermeier!

 

Bis sie ihre Mutter beerbte, lebte sie ständig in finanziellen Schwierigkeiten. Sie, die eine unglückliche Liebe und später eine ebenso unglückliche Ehe hinter sich hatte, konnte 1842 nichts mehr halten. Im Alter von 44 Jahren verließ Ida Wien zu ihrer ersten großen Reise.

 

Vorgebend, nur eine Freundin in Konstantinopel besuchen zu wollen, waren ihr eigentliches Ziel Palästina und die angrenzenden Länder, ein politisch unruhiges von Pestausbrüchen heimgesuchtes Gebiet. Die Reise ging über die Donau und das Schwarze Meer nach Konstantinopel, Beirut, Jerusalem, zum Toten Meer, nach Damaskus, Baalbek über Alexandria bis nach Kairo; von dort nach einem Kamelritt durch die Wüste zur Landenge von Suez und mit Zwischenstopps in Italien zurück nach Wien.

Island, Norwegen und Schweden wurden ihr Trainingscamp für die weiteren Reisen.

 

Nachdem sie unter anderem Brasilien, China, Indien und die Südseeinsel Tahiti bereist hatte, besuchte sie 1852 allen Warnungen zum Trotz als erste Weiße die als Menschenfresser geltenden Batak in den Dschungeln von Sumatra. Es wurden 7 große Reisen, über die sie in 13 Buchbänden berichtete.

 

Um Geld zu sparen, hatte sie meist das entbehrungsreiche Leben der Einheimischen geteilt und auch deren billige Fortbewegungsmittel wie Ochsenkarren, Kamele, Elefanten, Dschunken benutzt. Ihre letzte Reise führte sie nach Madagaskar, wo sie in ein Komplott gegen die Herrscherin Ranavola verwickelt wurde. Von den Strapazen der von der Königin verordneten 53tägigen Folterreise durch die Insel auf dem Weg in die Ausweisung erholte sie sich nicht wieder. Wenige Tage nach ihrer Rückkehr starb sie in ihrer Heimatstadt.

Amalie Dietrich. Graphik: ATH
Amalie Dietrich. Graphik: ATH

Amelia Heber

war 1823 mit ihrem Mann, der als anglikanischer Bischof in Kalkutta wirkte, nach Bengalen gekommen und durchwanderte an seiner Seite ganz Hindustan von Kalkutta über Bombay bis Madras, und beschrieb „nach des Gatten frühem Tode (1826) die Reisen, sein Leben und seine Wirksamkeit auf eine für die Länder- und Völkerkunde Indiens anerkannt sehr lehrreiche Weise.“

 

Amalie Dietrich

Naturforscherin, Botanikerin, Zoologin und Pflanzenjägerin aus Siebenlehn in Sachsen bereiste von 1863 bis 1873 im Auftrag des Wilhelm Godefroy in Hamburg für dessen Museum Australien. Queensland und die Freundschaftsinseln, waren Ziel naturwissenschaftlicher Sammlungen. Dass sie acht Skelette und zwei Schädel von Aborigines aus Queensland nach Deutschland sandte, verschaffe ihr den zweifelhaften Titel „Angel of Black Death“ in Australien. Heute wäre ihre Handlungsweise wohl eindeutig als rassistisch beurteilt...

 

Alexandra David Neél (1868-1969) war eine Nomadin, die es in den fernen Osten trieb. Sie wurde zur profunden Kennerin und Vermittlerin tibetischer Kultur und Religion.

In den 1880er Jahren inspirierte das Musée Guimet in Paris den Teenager, der allzu gerne von zu Hause ausriß, zu Fernoststudien.  Vgl: "Als Berühmtheiten Kinder waren"

 

An der Sorbonne, dem Collège de France, vertieft sie ihre Kenntnisse über Buddhismus und Sprachen. Von 1891 bis 1893 reist sie erstmals nach Asien, nach Ceylon und Indien, absolvierte, wieder heimgekehrt, eine Gesangsausbildung und reussierte sogar als Sopranistin in Indochina. 1904 heiratete sie den wohlhabenden Eisenbahningenieur Philippe Neél, den sie in Tunis kennengelernt hatte. Er würde fortan, ohne mit der Wimper zu zucken, ihre Reisen finanzieren. 37 Jahre waren die beiden verheiratet, ohne dass die Ehe jemals vollzogen wurde. Sie zanken sich oft, aber lieben und achten einander. 1911, mit 43 Jahren trat Alexandra sie ihre erste große Expedition durch Asien an, die bis -1925 dauern würde.

Um Lhasa (damals eine verbotene Stadt) als erste weiße Frau der Welt zu erreichen, legt sie 8000 Meilen /12875 km zu Fuß zurück. Der erste weiße Mann hatte 1661 Lhasa erreicht. Es war der in Linz geborene Jesuit Johann Grueber.

 

Wahrscheinlich hätte Alexandra David Neel die Strapazen nie überstanden, hätte sie nicht im Kloster Lachen eine Ausbildung zur lamaistischen Nonne gemacht, wo sie auch yogische Techniken lernte. In zwei entsagungsreichen Jahren bekam sie Einblick in die esoterischen Lehren des tibetischen Buddhismus, erlernte Lung-gom , das «In-Trance-Gehen», und Tummo, eine meditative Atemtechnik, um das «innere Feuer» zu entfachen, und autosuggestiv selbst in extremster Kälte eine körpereigene Hitze zu erzeugen.

 

Mit ihrem Adoptivsohn, dem tibetischen Lama Yongden, erreichte sie 1923 mit 57 Jahren ihr Ziel. „Derjenige der an das >Ich< glaubt, kann nur eine einzige grausame Devise haben: >Soll doch das Universum untergehen, wenn das mein Ich, mein Leben rettet!< Und diese Devise tragen bewusst oder unbewusst alle in sich, Einzelwesen oder Nationen!“ (in einem Brief an ihren Mann Philippe.)

Isabelle Bird

war die erste Frau, die in die Royal Geographical Society aufgenommen wurde. Geboren wurde sie 1831 als Pastorentochter in Yorkshire und   übersiedelte als Kind  relativ oft mit ihrer Familie. Da sie stets kränkelte, empfahl ihr der Arzt viel Bewegung an der frischen Luft. 1850 musste sogar ein fibröser Tumor in Nachbarschaft ihrer Wirbelsäule entfernt werden. Nachdem ihr Vater ein protestantischer Reverend war, hatte ein steifes evangelikales Korsett ihre Kindheit bestimmt. Dass sie es sprengen konnte, war ihrer lebhaften Intelligenz zu verdanken. Eine Reise nach Amerika, wo sie ihre Cousins per Schiff begleitete, startete ihr Leben als Globetrotterin. Australien, Hawaii, die Rocky Mountains (zu Pferd) wurden nicht nur Destinationen, sondern auch Themen ihrer Reisebeschreibungen. Nachdem sie Japan, China, Korea, Vietnam, Singapur, und British Malaya bereist hatte, ließ sie sich breitschlagen, den Edinburger Chirurgen John Bishop zu heiraten. Nach fünf Jahren Ehe starb ihr Mann. Befindend, sie sei zu dilettantisch an ihre Reisen gegangen, studierte sie Medizin und beschloss mit fast 60, als Missionarin unterwegs zu sein. Sie besuchte Missionen in Indien, und weiters Ladakh, Persien, Kurdistan und die Türkei. In Kaschmir gründete sie das John Bishop Memorial Hospital mit sechzig Betten und einer Arzneiausgabe für Frauen.

Ihre letzte große Reise fand 1897 statt, als sie die Flüsse Jangtse und Han in China bzw. Korea hinauf reiste . Als sie Marokko besuchte, wo sie mit Berbern unterwegs war, brauchte sie eine Leiter, um ihren schwarzen Hengst zu besteigen. Einige Monate nach der Rückkehr erkrankte sie und starb am 7. Oktober 1904.

  

Mary H. Kingsley (1862-1900) brach nach dem Tod ihrer Eltern in viktorianischen Trauerkleidern nach Westafrika auf. Mieder und Wollrock retteten der Schriftstellerin und Ethnologin das Leben, als sie in eine Großwildfalle stürzte. Ohne sie wäre sie „bis auf die Knochen durchbohrt gewesen“.

Kingsley betrat - oft als erste Europäerin - Gebiete in West- und Zentralafrika und veränderte mit der Art ihrer Berichterstattung manch überhebliche Vorstellung von „den Wilden“.

 

 

Besonders bekämpfte sie das Vorurteil, "primitive Neger" müssten von Europa zivilisiert werden. Kingsley starb an Typhus, nachdem sie während des Burenkrieges in Südafrika als Krankenschwester in einem Gefangenenlager gearbeitet hatte.

Gertrude Bell (1868-1926)

war politische Beraterin und Angehörige des britischen Geheimdienstes im Ersten Weltkrieg. Als zunächst inoffizielle Mitarbeiterin des Secret Intelligence Service, später als politischer Verbindungsoffizier und Orientsekretärin war sie maßgeblich an der Gründung des heutigen Iraks beteiligt.

Ihre Reisen im Nahen Osten versorgten sie derart mit Kenntnissen, dass sie ebenso wie der als Lawrence von Arabien bekannt gewordene Thomas Edward Lawrence während des Ersten Weltkriegs und danach die politische Neuordnung maßgeblich beeinflusste. Sie war später auch als Spionin seine Kollegin in Kairo.

 

Während andere Frauen in England noch nicht einmal Wahlrecht hatten, wurde Gertrude Bell zur Königsmacherin im Irak: Sie trug dazu bei, dass 1921 ihr Favorit Faisal gekrönt wurde.

 

Großbritannien hatte im Jahr zuvor die vormals osmanischen Gebiete von Bagdad, Mossul und Basra zum heutigen Irak zusammengefasst. An den neuen Grenzmarkierungen beteiligte sich auch Gertrude Bell, besonders an der Südgrenze, wie sie selbst ihrem Vater 1921 schrieb. Danach brachte sie sich Persisch selbst bei und ein Zeitgeschichtestudium schloss sie in Oxford mit der höchsten Auszeichnung ab. Dann bereiste sie nicht nur Persien sondern umrundete zweimal die Welt.

 

 

Harriet Chalmers Adams (1875-1937)

war eine der wichtigsten amerikanischen Entdeckerinnen. Nachdem aber zu ihren Lebzeiten keine Frauen als Vollmitglieder bei der National Geographic Society erlaubt waren, gründete Harriet Chalmers Adams 1925 einfach die Society of Women Geographers, deren Vorsitzende sie bis 1933 war. Südamerika hatte sie 1904- 1907 gemeinsam mit ihrem Mann drei Jahre lang kreuz und quer bereist.

 

 

 

Der Maler und Reiseschriftsteller Thomas Atkinson war mit seinen Reiseberichten weniger erfolgreich als seine Gattin 

 

Lucy Atkinson,

welche er in Moskau geehelicht hatte, obwohl er mit einer gewissen Rebecca bereits in England verheiratet war.

 

Sie begleitete ihn auf einer mehrjährigen Studienreise durch Sibirien bis in die Mongolei und gab ihren Bericht 1863 heraus.

 Es war pikanterweise ihre Hochzeitsreise mit dem Bigamisten, die sich über 40.000 Meilen (64.374 km) erstreckte. 

 

Wir sehen an ihr, daß Frauen ganz andere Dinge beobachten und fremde Eigenthümlichkeiten oft schärfer auffassen, als Männer; daher bietet das Buch eine Fülle interessanter Neuigkeiten und spannender Situationen dar. Mrs. Atkinson war überdies eine wahrhaft heroische Dame; denn es gehört nicht wenig Muth zu dem Entschlusse, aus der gebildeten Welt heraus eine vierjährige Wanderung unter den nomadischen Steppenvölkern Sibiriens zu unternehmen und auszuführen. „, schrieb ein gewisser J. Loewenberg (1880 in der "Gartenlaube"). Vermutlich handelt es sich dabei um den Geographen Julius Löwenberg, der immerhin mit Alexander von Humboldt befreundet war.


Die mit den Wellen tanzten: Seefahrerinnen

Krk. Aufnahme und Grafikbearbeitung: ATH.
Krk. Aufnahme und Grafikbearbeitung: ATH.

Die Riege der Reisepionierinnen zeigt, dass es mit einfachen Mitteln möglich war, den Globus mehrfach zu umrunden und sogar mit der sperrigen Frauenkleidung des 18. und 19. Jahrhunderts große Sprünge zu machen.

 

Seefahrt stellte besonders vor dem motorisierten Wasserverkehr an Menschen große Anforderungen: Wochen,- monatelang zusammengesperrt auf engstem Raum, auf Vorräte und Ressourcen angewiesen, die sich nicht nur nicht schnell nachbeschaffen ließen, sondern auch schnell verrotteten (besonders im feuchtwarmen Salzwasserklima), allerlei Witterungen und Strömungen ausgeliefert, oft auch Ungewissheit, wo man sich nun befand.  Das war eine große Belastung für Körper und Psyche, besonders wenn man zudem plötzlich ausbrechenden Krankheiten ausgeliefert war.

 

Die Kühnheit seefahrender Frauen ist umso höher zu bewerten und manche zahlten auch einen bitteren Preis dafür,  sich aufs Wasser begeben zu haben.

 

Gudridur Thorbjarnardottir 

war mehreren  Quellen zufolge (besonders nach der Saga vom Erik dem Roten und der  Grænlendinga sagaum 1000 n. Chr.  die erste europäische  Frau, die nordamerikanischen Boden betrat, nachdem sie schwanger auf dem  Wikingerboot von   Leif Eriksson über den Atlantik gesegelt war.  Ihr Sohn Snori Borfinnson wurde der erste Europäer, der auf dem von den Wikingern als Vinland bezeichneten Kontinent geboren wurde. Sage und schreibe acht Mal soll Gudridur diese beschwerliche Fahrt zwischen Grönland  und Neufundland (?)  absolviert haben.

Nach einer Pilgerfahrt nach Rom konvertierte sie zum Christentum und zog sich als Eremitin zurück. Irgendwie nachvollziehbar, nachdem sie dreimal verheiratet gewesen war...

 

Mary Read ( um 1685 London- 1721 Santiago de la Vega, Jamaika)

 

war eine legendäre englische Piratin. Zusammen mit ihrer Freundin, der Irin  Anne Bonny

gingen die beiden als Piraten-Frauenpaar in die Legende ein.

 

Mary Read  wurde als uneheliche Tochter eines Kapitäns geboren und  von ihrer Mutter als Junge verkleidet aufgezogen. Nachdem sie 9 Jahre zu Lande als Soldat gegen die französische Armee gedient hatte, heuerte sie auf einem nach den Westindischen Inseln segelnden Schiff an. Sie mischte sich als Mann verkleidet unter die männliche Besatzung.  Auf den Bahamas wurde sie Piratin und kurz später zur Freibeuterin, bevor sie durch Meuterei ihren halblegalen Status wieder verlor. 1720 traf sie Anne Bonny, die Geliebte des berüchtigten Piraten John Rackham. Anne Bonnys  uneheliche Herkunft war vertuscht worden, indem sie ebenfalls als Junge ausgegeben worden war. Ihre Familie war nach South Carolina ausgewandert, nachdem ruchbar wurde, der "angeblich fremde Verwandte" sei ein Kuckucksei. 

Anne und Mary wurde eine gleichgeschlechtliche Liebesbeziehung nachgesagt. Beide entgingen nur knapp dem Tod durch Strang, nachdem ihr Schiff, die Revenge, von einem englischen Kriegsschiff aufgebracht worden war.

Jeanne Baret, 1740- 1807

(Pseudonym Jean Baré)  war eine französische Naturforscherin und Botanikerin und die erste Frau, die, als Mann verkleidet, die Welt umsegelte. Nämlich  als Mitglied der Expedition, die Louis Antoine de Bougainville zwischen 1766 und 1769 mit den Schiffen La Boudeuse und L’Étoile in den Südpazifik führte. Die Route ging vom Hafen Rochefort über den Atlantik Richtung Brasilien, und später über die Magellanstraße in den Pazifik.

Kurz bevor die Schiffe von Frankreich aus auf ihre Reise aufbrachen, heuerte sie als angeblicher Kammerdiener und Assistent des Botanikers der Expedition, Philibert Commerson an. Ihre Tarnung war notwendig, da seinerzeit die französische Marine die Anwesenheit von Frauen auf ihren Schiffen grundsätzlich verbot. Während der zwei Jahre  zwischen mehreren Hundert Männern wahrte sie ihr Geheimnis, indem sie/er angab, er schäme sich dafür, Eunuch zu sein. Nachts durfte sie mit Commerson dessen winzige Kajüte teilen.

 

Bougainville selbst bezeichnet Baret „als ausgezeichneten Botaniker, der Commerson auch bei den schwierigsten Ausflügen mit großer Stärke und viel Mut begleitete“. Irgendwo zwischen Tahiti und Papua-Neuguinea ging das Versteckspiel zu Ende. Wohl leider sehr brutal mit der Vergewaltigung der enttarnten Frau durch einige ihrer Mitreisenden.

Während mehr als 70 Pflanzen, Insekten und Mollusken nach Commerson benannt wurden, die alle die Bezeichnung commersonii tragen, sowie die heute weltbekannten Bougainvillea-Arten nach dem Kommandanten der Expedition getauft wurden, erhielt Baret erst 2012 eine solche Ehrung:

 

Auf Vorschlag der britischen Autorin Glynis Ridley, die eine Studie über Baret verfasste, benannte Eric Tepe, Professor für Biologie an der Universität Utah, ein neu entdecktes Nachtschattengewächs nach ihr auf den Namen Solanum baretiae. 

Mary Lacy. Graphik: ATH
Mary Lacy. Graphik: ATH

Nicht wenige Seebärinnen waren englischer Provenienz.

 

Hannah Snell konnte zwar weder lesen noch schreiben, trat aber 1745 in die Armee ein um sich später der Marine (Navy) anzuschließen. Sie benutzte den Namen James Gray, wurde zunächst Kochgehilfin und verbrachte als gewöhnliche Matrosin 9 Jahre auf dem Wasser.

Ihre Landsmännin

 

Mary Lacy

schrieb, dass 1759 „… mir der Gedanke in den Sinn kam, mich in Männerkleidung zu kleiden und alleine loszufahren.“ Sie nahm den Namen William Chandler an und heuerte bei HMS Sandwich an. Sie wurde die Dienerin des Schiffszimmermanns und lernte viel über den Schiffbau.

1763 nahm sie eine Stelle als Schiffsbauerlehrling bei der Portsmouth Dockyard an. Als eine Frau Lacys Geheimnis zu enthüllen drohte, offenbarte sie sich zwei vertrauenswürdigen männlichen Freunden, die das so kommentierten: "Für die meisten ist sie eineinhalb Mann."

 

Nachdem sie siebzehn Jahre damit verbracht hatte, sich als Mann auszugeben, beantragte Lacy 1772 unter ihrem wahren Namen eine Rente und erhielt von der englischen Admiralität 20 Pfund pro Jahr. Erst 1808 verboten die Regeln der englischen Marine Frauen, sich an Bord ihrer Schiffe zu begeben.

 

Ob es ein Zufall ist,  dass in der engagierten amerikanischen Polizistnnen-TV- Serie "Cagney und Lacey" eine der beiden Hauptdarstellerinnen den Namen Marybeth Lacey trägt? Immerhin geht es darin auch um Emanzipation und männliche Wahrnehmung ungewohnter Arbeitskolleginnen.

 

Mary Ann Hathaway Tripp (1810-1906)

wurde in eine Seefahrerfamilie aus New York hineingeboren und heiratete 1828 den Kapitän zur See Lemuel Carver Tripp. 1833, nach vier Jahren Ehe, segelte sie mit ihrem Mann auf der Oneida nach China – ein ungewöhnliches Unterfangen in einer Zeit, wo Schiffsreisen beschwerlich und auch wegen der Krankheiten gefährlich waren. 1837 kehrte sie mit dem Schiff in die Vereinigten Staaten zurück.

 

 

Im Jahr 1890, im Alter von 42 Jahren, erwarb

Philomene Daniels

ihren Schiffsführerpatent, um mit ihrem Mann auf dem Lake Champlain ein Dampfschiff zu führen. Als ihr Mann dreizehn Jahre später starb, übernahm sie die Leitung der Daniels Steamboat Line, die sich auf den Transport von Eisenerz und Passagieren spezialisierte. Ihre Familie erinnerte sich daran, dass sie wunderschöne Kleider mit Brimborium, Schleifen und Perlen trug, sich aber im Lotsenhaus Besuche verbat, so ernst war es ihr mit ihrem Job als Lotse. Ein Bursche hat dies anscheinend auf die harte Tour gelernt, als er sich zu langsam vom Steuerhaus zurückzog. Er musste im See ein unerwünschtes Bad nehmen. (https://www.marinersmuseum.org/sites/micro/women/timeline/index.htm#:~:text=1745%20Most%20documented%20female%20sailors,of%20nine%20years%20at%20sea.) 

 

 

Eliza Thorrold

war eine der ersten Schlepperkapitäninnen mit einer Lizenz. Weil ihr Mann gestorben war, führte Thorrold seinen dampfbetriebenen Schlepper weiter und beantragte eine Genehmigung aufgrund der gesetzlichen Regelung, auf allen Schleppern einen lizensierten Kapitän haben zu müssen

If Mrs. Eliza Thorrold of 315 Jersey street passes a successful examination before the local Inspectors of steam vessels next week, she will have the proud distinction of being the only lady master of a steam vessel on the Pacific Coast, and probably in the United States.“, schrieb der Francisco Call Volume 82, Number 60, 30 July 1897: Mrs. Eliza Thorrold Has Applied for a License to Be a Master of Her Little Tugboat.

 

Sie bekam ihren Schein. Auf die Frage, wie sie mit den rauen Kerlen der Schlepperzunft zurechtkommen wolle, habe sie lächelnd geantwortet: "Well, I can make them know what I want, but I don't think it will be necessary to make use of much violent language to get them to obey my orders." Sie war also zuversichtlich, auf derbe Sprechweise verzichten zu können...


Die Auto-Mobilen

Bevor man Kutschen Motoren einbaute, stellt sich die Frage, was denn mit jenem Gefährt war, dessen Name aus dem ungarischen Ort Kocs kam, wo im 14. Jahrhundert die elastische Aufhängung des Wagenkastens wieder erfunden worden war. Kutschen gab es ja seit der Römerzeit… Autofahrerinnen waren quasi in der ersten Stunde des Automobils dabei. Aber Kutscherinnen?

Noch Im Jahr 1896 waren in Paris 189 Frauen in Transportunternehmen tätig, fuhren aber selbst nicht. Die ersten beiden Kutscherfrauen  erregten 1907 dementsprechend mediales Aufsehen. Immerhin standen sie in Konkurrenz zu mehr als 20.000 Männern.

Zwar lobte ein Redakteur des Matin den Erwerb des Kutscherdiploms als „Gedenkdatum im Kalender der Emanzipation“, andererseits riefen während ihrer ersten Fahrten den Kutscherinnen Passanten zu, wer denn jetzt die Socken flicke?

 

Manche Journalisten gaben der Hoffnung Ausdruck, die Präsenz weiblicher Kolleginnen hätte einen zivilisatorischen Effeckt auf die anscheinend recht derben Kutscher, die nun „höflicher, liebenswerter und sanfter zu Mensch und Pferd würden“...  

Die Kutscherin Charnier. Grafik: ATH
Die Kutscherin Charnier. Grafik: ATH

 

Nachdem Clémentine Dufaut und Eugénie Charnier

ihre Berufszeugnisse besaßen und von einer Firma angestellt waren, wollten Reporter sie gründlich testen. Das erregte so viel Aufsehen, dass die erste Fahrt geradezu eine Prozession aus Kutschen Taxis u. Ä. Wurde. Verfuhren sie sich in all dieser Aufregung, sparten die Reporter allerdings nicht mit Häme.

 

Die erste Frau, die als Automobilistin ein Strafmandat wegen Geschwindigkeitsübertretung erhielt, war die französische Herzogin

 

Anne d’Uzès,

die im April 1898 ihre Führerscheinprüfung abgelegt hatte. Anstatt der erlaubten 12 km/h fuhr sie im Bois de Boulogne bei Paris 15 km/h. 

 

Schneller als gedacht gab es die ersten Autos und Frauen hatten erheblichen Anteil nicht nur als versierte Fahrerinnen, sondern sogar an Entwicklungen.

Weiblich, motorisiert, auf Rädern

Bertha Benz
Bertha Benz

Dass Autofahren sicher und komfortabel wurde , ist vor allem Frauen zu verdanken. Sie waren sogar Lenkerinnen der ersten Stunde.

Bertha Benz unternahm 1888 im Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 ihres Mannes Carl Benz die erste Überlandfahrt der Geschichte.

Sie gilt zudem als Erfinderin der Bremsbeläge, da sie, zur längeren Haltbarkeit, Lederbeschläge auf den Bremsen befestigen ließ.

Am 28. November 1893 patentierte

 

Margaret Wilcox (geboren 1838 in Chicago) das weltweit erste Heizsystem im Auto.

 

 

Die Bauunternehmerin, Rancherin und Winzerin

Mary Anderson

entwickelte 1903 den Scheibenwischer für Windschutzscheiben und erwarb ein 17-Jahre laufendes Patent für eine Scheibenwischanlage auf ihren Namen. Ein Kanadisches Unternehmen lehnte 1905 den Vertrieb der Herstellungsrechte mit der Begründung ab, „Wir halten es nicht von so hohem kommerziellen Wert, als dass ein Verkauf durch unser Unternehmen sich rechtfertigen würde.“ Denkste: Ab 1920 etwa gehörten Scheibenwischer zur serienmäßigen Grundausstattung jedes Wagens.

 

Die britische Rennfahrerin Dorothy Levitt (1882 – 1922)

empfahl in ihrem 1909 veröffentlichten Handbuch für Fahranfängerinnen „The Women and the Car“ nicht nur, öfter nach hinten zu schauen, sondern dafür auch einen Handspiegel zu nutzen. Die Idee wurde von Ford adaptiert, ab 1927 ließ er Rückspiegel serienmäßig in seine Modelle montieren.

 

Dass es letztendlich nicht allzu viele Frauen gab, die im Alltag motorisierte Wägen benutzten, lag daran, dass diese eher für Männer konstruiert waren und für das meist zierliche Geschlecht eben nicht sonderlich praktikabel erschienen.

 

Die britische Ingenieurin Dorothée Pullinger(1894 – 1986)

konstruierte das erste Auto nur für Frauen. Nach Ende des 1. Weltkrieges war sie Direktorin einer Munitionsfabrik in Schottland geworden, die wieder auf zivile Autoproduktion umstellte. Hier entwickelte sie aus einem Fiat Tipa 501 den Galloway 10/20 (20 PS) – das erste Auto nur für Frauen.

Der Sitz war höher, das Armaturenbrett abgesenkt und das Lenkrad kleiner. 4000 Exemplare mit verschiedenen Motorisierungen verließen das Werk bis 1923.

Helle Niéce. Graphik: ATH
Helle Niéce. Graphik: ATH

1909 durchquerte Alice Ramsey die Vereinigten Staaten mit einem Automobil. 

Und 1927-1929 umrundete

 

Clärenore Stinnes

als erster Mensch mit einem Auto die Welt. Sie startete mit einem Adler Standard 6 in Frankfurt am Main zu einer Expedition, die sie durch 23 Länder führte und nach 47.000 Kilometern in Berlin endete.

 

Hellé Nice (1900-1984)

Bevor Mariette Hélène Delangle eine Ikone des Motorsports wurde, hatte sie bereits eine erfolgreiche Karriere als Model und Balletttänzerin hinter sich, sodass sie sich bereits mit 26 Jahren ein Landanwesen und eine Jacht leisten konnte. Ein Skiunfall beendete ihre Tanzkarriere, weshalb sie auf Autorennsport umsattelte.

Zwischen 1928 und 1939 nahm sie an zahlreichen kleineren Grands Prix und anderen Rennen teil. 1929 erreichte sie bei der rein weiblichen Journée Féminine im Autodrome de Montlhéry in einem 2-Liter-Kompressor-Bugatti eine Geschwindigkeit von 196,871 km/h über 5 km (mit einer besten Runde bei 197,7 km/h ).

 

Sie war aufgrund ihrer Erfolge Werbetestimonial von Esso und Lucky Strike. Ihre Rennkarriere wurde durch einen schweren Unfall im Jahr 1936 beeinträchtigt, der Verdacht, sie sei Nazi-Kollaborateurin, beendete ihre Karriere abrupt. Gut möglich, dass dahinter männliche Intrigen steckten. Ihr nicht wählerisches Liebesleben (eines ihrer Lover war ein Baron Rothschild) wurde ihr wohl zum Verhängnis. Wie meinte Schon Arletty: "Mein Hintern kennt keine Nation"  Wie sollte es ein Gaspedalfuß denn dann können?

Ihre Landsmännin und französische Rennfahrerin

Eliška Junková , Graphik: ATH
Eliška Junková , Graphik: ATH

 

Mme Janine Jennky

erreichte fast anderthalb Jahre vor Nice in einem 2-Liter-Bugatti Type 35C 2,0 beim Arpajon eine Geschwindigkeit von 199,059 km/h. Sie war die erste und einzige Frau, die in gemischten Grand-Prix- Automobilrennen ihre männlichen Konkurrenten aus dem Feld schlug.

 

1927 gewann sie in Gaillion bei Rouen; beim Grand Prix de La Baule wurde sie im selben Jahr Dritte und 1928 stand sie in Paris auf dem Siegerstockerl.

 

Eliška Junková (1900-1994),

geborene Alžběta Pospíšilová aus Moravien in der österreichisch ungarischen Monarchie, war eine der besten Pilotinnen des Autorennsports. Den deutschen Grand-Prix 1927 beendete sie als Vierte in der Klasse unter 3 Liter. Sie wurde die erste professionelle GrandPrix Fahrerin.

 

Maria Teresa de Filippis (1926-2016)

war die erste Frau, die sich für einen Einser Grand-Prix, die Königsklasse des Motorsports, qualifizierte. Das war 1958. Sie fuhr beim großen Preis von Belgien einen Maserati.

Jutta Kleinschmidt (* 29. August 1962 in Köln)

ist eine studierte Physikerin und die erste und bisher einzige Frau, die eine Gesamtwertung der Rallye Paris- Dakar gewinnen konnte: 2001 triumphierte sie in einer der härtesten Automobilwertungen der Welt. Seit ihrem Debüt 1978 hat sie über 60 Menschenleben gefordert.

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Warum es angesichts der Leistungen mobiler Frauen erst seit Kurzem Lokführerinnen gibt, ist kaum nachvollziehbar.


Herrinnen der Lüfte

Die erste Fallschirmspringerin der Welt. Grafik von ATH
Die erste Fallschirmspringerin der Welt. Grafik von ATH

Wer kennt schon Jeanne-Geneviève Labrosse?

Jeanne-Geneviève Labrosse (geboren 1775 als Jeanne-Geneviève Garnerin,  war eine französische Ballonfahrerin, Fallschirmspringerin und Luftfahrtpionierin, die am 10. November 1798 als vermutlich erste Frau einen Heißluftballon steuerte und aus einem solchen aus 900 Metern Höhe am 12. Oktober 1799 als erste Frau einen Fallschirmsprung absolvierte.

1847 starb sie im Alter von 72 Jahren, eine beachtliche Lebensspanne, die heute noch jene von manch wagemutigen männlichen Piloten übertrifft.

Grafikvorlage:  https://de.wikipedia.org/wiki/Jeanne_Labrosse#/media/Datei:Fallschirm_von_Garnerin.jpg, gemeinfrei.

Den ersten bemannten Motorflug der Menschheit schrieben die Geschichtsbücher bislang den Amerikanern Wilbur und Orville Wright zu. Mit ihrer Maschine hoben sie am 17. Dezember 1903 zum ersten Mal bei Kitty Hawk in North Carolina ab und gelten seither als die Flugpioniere schlechthin.

 

Gustav Albin Weißkopf (1874 Bayern-1927 in Bridgeport (Connecticut), USA) der sich in den Staaten Gustave Whitehead nannte, soll dies schon 1901 getan haben.

Die Anerkennung hakt am fehlenden Fotobeweis, wobei bekanntlich damals die technischen Möglichkeiten der Fotografie begrenzt waren. Das Washingtoner Smithsonian Institut hatte sich zudem in einem Geheimvertrag 1948 mit der Familie Orville- Wright verpflichtet, als Gegenleistung zur Übernahme des Flugmodells der Wright-Brüder stets den Prioritätsanspruch der Brüder zu vertreten. Kein Wunder, dass es sich weigerte, Weißkopfs Flug anzuerkennen.

 

Die erste Nonstop-Atlantiküberquerung per Flugzeug war bereits 1919 John Alcock und Arthur Whitten Brown gelungen und als 1927 Charles Lindbergh im Alleingang nonstop über den Atlantik flog, hatten schon 66 Menschen die gleiche bzw. eine ähnliche Route in der Luft zurückgelegt.

Lindbergh hatte ein Preis gereizt, den ein gewisser Raymond Orteig für den Alleingang ausgesetzt hatte: 25.000 US-Dollar nach gelungenem Nonstopflug zwischen Paris und New York.

 

Aus Gewichtsgründen hatte Lindbergh zugunsten maximaler Treibstoffkapazitäten auf Funkgerät und Sextant verzichtet und musste sich deshalb begnügen, mittels Armbanduhr, Karten und Kompass zu navigieren. Der erste Instrumentenflug würde erst 2 Jahre später stattfinden.

James Doolittle benutzte einen präzisen Höhenmesser, künstlichen Horizont und einen Kreiselkompass. Instrumentenflug (auch Blindflug genannt,) ist heutzutage Standard im Passagierverkehr, wobei heutzutage ein lückenloser Kontakt zu Bodenstationen (Flugüberwachug) gehalten wird.

Im Vergleich zur männlichen Vormachtsrangelei um Pionierleistungen in der Luftfahrt muten weibliche Flugleistungen  im Ergebnisvergleich wie wahre Husarinnenstücke an.

PIlotinnen

Die Baronin Laroche. Grafik: ATH
Die Baronin Laroche. Grafik: ATH

Die Belgierin Hélène Dutrieu,

ihr Spitzname war „Das Falkenmädchen“ hatte bereits als Profi-Radsportlerin, Stuntmotorradfahrerin und Autorennfahrerin Geschwindigkeitsrekorde gejagt. Ihr erster Flug 1908 war eine Bruchlandung, weil sie bei ihrem Erstversuch keine Flugstunden absolviert hatte! 1919 flog sie nonstop von Ostende nach Brügge und gewann 1911 einen Wettflug in Florenz gegen ausschließlich männliche Konkurrenten.

 

Raymonde de Laroche ( Élise Léontine Deroche ) war die erste Frau der Welt, die einen Pilotenschein machte. Sie erhielt 1910  ihre Flugerlaubnis und war die erste Frau überhaupt, die einen Alleinflug absolvierte. Sie hatte dazu das Verbot ihres Fluglehrers ignoriert, abzuheben. 300 Meter weit trug sie das Voisin-Einsitzerflugzeug in einer Höhe von fünf Metern. 1919 starb sie als Testpilotin bei einem Absturz, nachdem ihr Co-Pilot bei einen Prototypen des Herstellers Caudron die Kontrolle verloren hatte.

 

Marie Marvingt war die zweite Frau, die in Frankreich ihre Flugprüfung ablegte. Es war ihre Idee, Flugzeuge für die Rettung und medizinische Versorgung Verwundeter und Kranker aus der Luft einzusetzen, zumal ihr Beruf Krankenschwester war. Nachdem sie bereits 1910 eine Luftambulanz vorgeschlagen hatte, ging die französische Regierung erst 1934 darauf ein!

Sie hatte zudem zwischen den beiden Weltkriegen als fliegende Reporterin in Nordafrika gearbeitet. Kein Job für schwache Nerven...

Amelia Earhart. Grafik: A.T.H.
Amelia Earhart. Grafik: A.T.H.

 

Harriet Quimby (1875-1912), Journalistin und Drehbuchautorin,  bekam 1911 als erste Frau in den USA den Flugschein. 1912 überquert sie im Alleinflug als erste Pilotin den Ärmelkanal zwischen England und Frankreich. 

 

Amelia Earhart wurde 1897 in Kansas, USA geboren und verscholl 1937 im Pazifik, als sie den Äquator umrunden wollte. Schon als Kind hatte sie sich mehr für Bubenangelegenheiten, wie klettern und Gewehrschießen interessiert. Sie war 1928 die erste Frau, die in einem Nonstopflug den Atlantik als Passagierin überquerte, sich dabei aber laut eigenen Angaben wie ein nutzloses Gepäcksstück, ein Kartoffelsack fühlte.

 

1932, fünf Jahre nach Charles Lindbergh überquerte Earhart als erste Frau den Atlantik im Alleinflug.

Von Neufundland wollte Earhart Paris erreichen, musste aber wegen Unwetter in der Nähe von Londonderry (Nordirland)  notlanden. Das Flugzeug, die Lockheed Vega 5b von Earhart "Little Red Bus” genannt, war mit 1450 kg Fluggewicht und 300 km/h Reisegeschwindigkeit fürwahr kein Herkules unter den Flugzeugen.

Lediglich ein zusätzlichen Kraftstofftank, drei Arten von Kompass, ein Drift-Indikator und ein stärkerer Motor waren nachträglich installiert worden.  

Amy Johnson, The Flying Secretary
Amy Johnson, The Flying Secretary

Amy Johnson, Sekretärin eines Anwalts in London, begann 1929 hobbymäßig zu fliegen. Und das, obwohl ihr ihr Fluglehrer jegliches Talent absprach. Im zarten Alter von 26 Jahren gelang es ihr als erste Pilotin in der Geschichte den langen Flug von Großbritannien nach Australien zu meistern. Nach neunzehntägigem Flug landete sie am 26. Mai 1930 in der nordaustralischen Stadt Darwin. Und das, obwohl sie erst zwei Jahre zuvor angefangen hatte, Flugstunden zu nehmen. Ihr Spitzname war übrigens „The Flying Secretary“

 

Im September 1911 legte Amelie Beese (1886-1925)

als erste deutsche Frau die Pilotenprüfung ab. 1912 gründete sie mit Fliegerkollegen eine Flugschule. Mit ihrem Mann Charles Boutard plante sie die Konstruktion eines Flugbootes. Der Krieg machte immer wieder ihre Projekte zunichte. Sie erkrankte an Tbc und nahm Morphium. 1925 erschoss sie sich. Ihre Abschiedsworte: „Fliegen ist notwendig. Leben nicht.“, hatte sie zuvor noch auf einen Zettel gekritzelt.

Die deutsche Pilotin Elly Beinhorn (1907-2007), 

flog am 13. August 1935 als erste Frau an einem Tag von Deutschland nach Asien und zurück. Auf vielen Flughäfen landete sie als erste weibliche Pilotin überhaupt. Als das "hübsche Mädchen in der fliegenden Kiste" ging sie in die Geschichte der FlugpionierInnen ein, denn sie hatte als erste Frau der Welt alle Erdteile überflogen.

 

Hanna Reitsch, 1912-1979

war eine Deutsche, die später die österreichische Staatsbürgerschaft annahm. Sie war die erste Hubschrauberpilotin weltweit. 1937 flog sie eine (Focke-Wulf Fw 61) in einer geschlossenen Halle, was ungemein schwierig ist.

 

Wer schon einmal hoovern (auf der Stelle schweben) nur mit einem Modell- Helikopter versucht hat, weiß es. Noch im selben Jahr stellte sie den Streckenweltrekord für Hubschrauber (109 km) auf. Mehr als 40 Rekorde erflog sie in allen Klassen und Flugzeugtypen. 


FRauen und Weltraum

Das Weltall zu erobern war Männersache (nachdem Hunde und Affen in den Orbit geschossen worden waren.) Laika („Kläfferin“) eine, wegen angeblich größerer Robustheit rekrutierte Straßenhündin, gab 1957 ihr junges Leben hin. Ihre Artgenossinnen Belka und Strelka überlebten 1960 die Strapazen des Raketenfluges.

Auf Enos´ Schultern ruhte quasi die amerikanische Mercury-Mission 1961. Das Schimpansenmännchen flog zwei Mal in die Erdumlaufbahn und verstarb später an einer Durchfallerkrankung. Männersache waren die ersten Weltraumflüge deswegen, weil für den Kosmonauten-Wettlauf zwischen Amerika und Sowjetunion meist ausgebildete Kampf- oder Testpiloten ausgewählt wurden.

Tereschkova
Tereschkova

Walentina Wladimirowna Tereschkowa

war im Jahre 1963 die erste Frau im Weltraum und ist die einzige Frau in der Raumfahrtgeschichte, die allein, also auf einer Solo-Mission, flog.

Die sowjetische Kosmonautin hatte als Zuschneiderin und Büglerin zu arbeiten begonnen, ehe sie auf eine Ausbildung zur Technikerin umsattelte. Der Direktor der Kosmonauten-Ausbildung, der sie letztendlich aufnahm, tat es, weil er nicht zulassen wollte, dass die erste Frau im Weltraum amerikanisch ist. „Dies wäre eine Beleidigung für die patriotischen Gefühle der sowjetischen Frauen.“

 

Erst 1983 flog die erste Amerikanerin Sally Ride in den Weltraum. 

Das auch nur, weil die NASA ihr Image aufpolieren wollte. Alle Raumfahrer zuvor waren Kampfpiloten gewesen.

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Welche Opfer oft Frauen von Astronauten  brachten, lässt sich an der Scheidungsrate ermessen. Von den insgesamt 21 Ehen der Astronauten, die zum Mond flogen, zerbrachen dreizehn. Eine der inoffiziellen Regeln der Nasa lautete nämlich: «If you don’t have a happy marriage, you won’t have a spaceflight»

 Vor Allem die Ehefrauen der ersten Mondfahrer bekamen das zu spüren. Während sie Tranquilizer nehmen mussten, um den Stress durchzustehen, dass ihre Männer beim Mondflug Kopf und Kragen riskierten, wurden sie noch dazu ohne irgendwelche Rücksichten dem Interesse der Medien an ihren Gefühlen ausgesetzt. Die Bilder, die dabei vermittelt wurden, waren eindeutig: Das der bangenden, demütigen Ehefrau, die tapfer ihrem Mann den Rücken und damit den Weg zum Heldentum freihält.


"Der Mann möge einen frauenhaften Geist, die Frau einen männlichen gewinnen."

Oscar Wilde

Wozu? Möchte man da fragen.

 

PS.: Auch diese Aufzählung mobiler Frauen, die wohl sowohl männlichen als auch weiblichen Geschlechterzuschreibungen entsprechen, ist bei weitem nicht vollständig...


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