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Verfolgt in London

Ereignisnotizen einer

Kriminalistiknovizin

13.6.2011

Bin in London. Treffe in einem Frühstückslokal Susi, meine ehemalige Chefin, die in Bonn Sekretärin war und als Kulturmanagerin arbeitete. Nachdem ich in der feuchten Morgenluft durch die taufrische Stadt geschlendert bin, lande ich in einem Frühstückslokal in einer engen Seitengasse, in dem alles minzfarben und rosa eingerichtet ist. Minzfarbene Tischdecken, rosa Servietten, Minzfarbene Vertäfelung mit Spiegeln. Erwarte Geschmacksnoten von Marzipan und Minze. So können nur Engländer einrichten. Oder Türken.

 

Susi sitzt mit zerzaustem kurzem blondem Haarschopf (designt oder verschlafen?) ziemlich einsam an einem Tisch. Sie ist dort offenbar bekannt, wirkt aber bedrückt. (Schließe das aus den Gesichtsausdrücken der Kellnerin und Susis. Susi hat außerdem offensichtlich einen ziemlich schweren Kopf, den sie mit beiden Händen stützen muss.)

 

Sogar die Geräusche sind in dem Speiseraum gedämpft.

Gleite leise ihr gegenüber auf den Sessel. Sie blickt auf, lässt ihre Arme über die Tischplatte rutschen, was, von gelb-violettem Norwegerpulli (echte Shetlandwolle- ein Indiz für bedingte Anpassungsfähigkeit?) gepuffert geschieht, und haucht ein "Hallo".

 

Hallo? Für ein Treffen nach gefühlten zehn Jahren, in einer Stadt, in der ich sie nicht zu treffen erwarte? (Sie hat was, womit sie nicht rausrücken will!!)

 

Erfahre nur, dass sie eine Italienischprüfung machen muss, weil sie sonst keine Arbeit findet. Sie lebt eigentlich in Italien. (Was macht sie dann in London?)

Ihr Geheimnis will sie nicht erzählen. Übergeht meinen wohl etwas ratlosen Gesichtsausdruck. Dafür vernehme ich folgendes:

In London hält sie sich über Wasser, indem sie spezielle Prinzessin Diana- Führungen macht. Unter anderem in dem Brautsalon, das das bamstige, rüschige, aufgeblasene Etwas schneiderte, das Dianas Hochzeitskleid wurde. Susi hat den Schlüssel von dem Laden von ihrem Bekannten, dem das Geschäftslokal gehört.

Der Salon verfügt ebenerdig über Umkleideräume, nur in einen geht man ein paar Treppen hinauf und verschwindet hinter einem üppigen Samtvorhang, das ist das Probierzimmer für Adelige und Mitglieder des Königshauses. Eigentlich ist es nicht erlaubt, aber ihre Gäste dürfen trotzdem ein Hochzeitskleid samt Anzug probieren, denn die Führung ist nicht billig.

 

Susi erzählt das mit geflissentlichem Ton und zeigt mir Polaroids.

Eines Tages ist ein hübsches Paar aus Äthiopien da. Sie finden in dem Geschäft ein verspieltes Kleid in Sandfarben, Ocker, dunkelbraun und Senfgelb, mit Kopfschmuck aus Münzen, ein Modell für Ethno-Bräute. Doch leider geraten die beiden in Streit und zerreißen das Kleid.

Susi fliegt raus, weil ihr Bekannter überraschenderweise den Laden betritt.

Doch dass sie nicht mehr als Guide auf dem Londoner Diana- Trail arbeiten kann, ist nicht ihre größte Sorge. Darin bin ich mir sicher.

 

Als ich meine Zeche bezahlen will, meint die Kellnerin, es koste nur 20 Shilling. Sehr erstaunt über eine derart altmodische Währung, was auch nur ein paar Pennys einbringt, schaue ich die hagere, knochige Serviererin an.

 

(Was haben sich die Betreiber dabei gedacht, sie in eine sizilianische Dienstmädchenuniform zu stecken, schwarzes Kleid mit weißem Kragen und weißer Haarbinde, immerhin aus Spitze? )Es ist so seltsam, dass ich dieses Detail festhalten muss, sogar dass sie schlurft, wenn sie geht.

„Sie kennen Susi“, sagt sie.

 

Susi erhält eine Sonderbehandlung und kann deshalb in altmodischer Währung einer altmodischen Serviererin bezahlen. Und ich darf das Gleiche tun. (Fast schon surreal, ist das am Ende ein Themenlokal, so wie es sie in Japan gibt?)

Susi will mich aber nicht bezahlen lassen und schiebt ein paar alte abgegriffene mehrfach gefaltete Banknoten über den Tisch. (Ich hätte ja ohnedies nicht zahlen können).

 

Da geht krachend die Tür zu einem Hinterzimmer auf und ein bärtiger Mann mit schwarzem Anzug, schwarzem Hemd, schwarzer Krawatte, schwarzem Strohborsalino und schwarzer Ray Ban platzt in den Raum. Das Schwarz lässt den Typen ziemlich zweidimensional erscheinen.

„Da bist du ja finalmente.“

Susi erbleicht.

Mir wird schwant, sie ist vor dem Mann auf der Flucht. Muss ihr Mann sein, so wie er das sagt, obwohl, optisch passt er nicht zu Susi. Aber er tut überzeugend so, als sei er mit ihr verheiratet. (Muss mir später notieren, was mir den Eindruck vermittelt hat).

Er sieht irgendwie aus, als gehörte er der Mafia an. Vielleicht, weil er einen Siegelring am kleinen Finger trägt. Vielleicht, weil er im schummrigen Lokal die Brille nicht abnimmt. Vielleicht, weil sich unterm Jackett etwas beult, das wie eine Knarre wirkt. Jedenfalls kann es keine Brieftasche und kein Schlüsselbund sein.

Das Lokal, schießt mir durch den Kopf, muss in italienischer Hand sein. Der Kaffee schmeckt bitterer und kräftiger als der englische.

Aha, die altmodische Währung war vielleicht ein Code, die Serviererin hat mich verwechselt. (überprüfen).

Doch die Ereignisse überstürzen sich. Susi, zuerst kurz gelähmt, springt auf.

Währenddessen ist ihr Italiener schon hinter ihr und packt sie an den Armen.

Zu allem Überdruss stürmt ein weiterer Mann ins Lokal, der, wie sich im nächsten Moment erweist, wohl ein ein Undercover-Polizist sein muss.

Der nervöse Mann, der Susis habhaft ist, zieht eine Pistole (wusste ich es doch) und erschießt den Undercover- Mann, der sich ziemlich auffällig britisch gekleidet hatte, als stammte er aus einem Secret-Service Team, das sich Filmleute in den Siebzigern ausgedacht hatten. (Andererseits, schräg ist in London normal.)

Doch diese Ablenkung nutzt Susi, entwindet sich dem Griff seiner Linken, schnappt mich am Handgelenk, immerhin bin ich auch Zeugin eines Mordes geworden, und stürmt mit mir aus dem Lokal. Was auch kein namhaftes Geräusch verursacht, in diesem seltsamen, schallgedämpften Etablissement.

 

„Flughafen“ flüstert sie hektisch. (Außer Landes, gute Idee. Am Flughafen sind so viele Kontrollen, dass es für Verbrecher schwierig ist, Opfer mit gezogener Waffe zu verfolgen. )

Doch wir haben Pech. Leider geht der Fluchtplan nicht auf. Wir laufen zwei Wachhunden in die Arme, beide in Schwarz gekleidet, ist wohl die Arbeitsuniform. Nur haben sie im Gegensatz zum Schützen keine Borsalinos, sondern die Haare zurückgegelt und einen Gianni-Versace- Dreitages-Gedenkbart.

 

Die verfrachten uns in einen schwarzen Mercedes mit getönten Scheiben und weißen Sitzen und fahren aus der Stadt. (Vermute ich angesichts des in den Himmel ragenden Häuserprofils, das ich aus halb sitzender, halb liegender Position, so wie man mich in den Wagen geschmissen hat, erhasche).

 

 

 

 

 

 

Sie werden uns doch nicht zum Abmurksen fahren! Ich kann mit Susi nicht sprechen, traue mich nicht. Sie denkt wohl ebenso. Wir beide stieren uns mit verdrehten Körpern nur an. Bewegen können wir uns nicht sonderlich, unsere Hände und Beine sind mit reißfestem Klebeband umwickelt. Das ging schneller, als ich bemerken konnte. Kein Hindenken, sich aus dem Wagen fallen zu lassen. Zentralverriegelung und Bewegungslosigkeit machen es unmöglich.

Sehe freien Himmel und Baumlaub. Der Wagen ruckelt ein wenig. Sind wohl am Land. Fahren langsamer, kann mich etwas aufrichten, wobei ich probiere, keinen Lärm zu machen und auch im Innenrückspiegel nicht zu erscheinen. Immerhin, die Kerle die vorne sitzen, sind sich unserer sicher. Sie haben sich bisher nicht nach uns umgedreht. Haben sich auch nicht unterhalten, während der Fahrt.

 

Die verlangsamt sich auf Schrittempo. Sehe weiße Zelte, ein paar Pferde und, Himmel (!), Kamele stehen. Weiße Kamele, in England!?

Bevor ich mich wundern kann, was die da machen, tauchen ein paar prächtige Araber in voller Montur auf. Keine Pferde, sondern Scheichs oder Beduinen. Prächtig, weil in blitzweiße Burnussen, Kopftüchern, den Ghutras, mit den üblichen schwarzen Agals, diesen Haltekordeln gewandet.

(irgendwas Positives braucht man in so einer Situation) Hier werden wir wohl auch kaum umgebracht. (Ach ja, Das ist positiv!)

Kombiniere, die Mafiosi wollten mit den Arabern irgendwelche Geschäfte machen und wir halten sie davon nicht ab. Unsere zwei haargegelten Leibwächter steigen aus und entfernen sich vom Wagen. Sie sind anscheinend die Entourage von Susis Ehemann. Der ist übrigens mit einem eigenen Mercedes gekommen, muss wohl hinter uns gefahren sein.

Pferde und Kamele sind demnach die Entourage der Morgenlandler...oder da, um Heimwehgefühle zu mindern.

 

Egal. Komme noch hinter die Geschichte zwischen Susi und den Mafiosi und den Arabern. (Mit letzteren hat Susi wohl nichts zu tun).

 

Dem Sonnenstand nach liegt der Platz zwischen Ascot und London. In der Ferne ist ein hochherrschaftliches Gebäude, das, wie viele, den Palladiostil zitiert, es wird wohl der Grund eines Grafen sein, der seine Gastfreundschaft den Wüstensöhnen angeboten hat.

 

Copyright: AHA

 

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Mittlerweile habe ich mich schon fast zur Gänze aufrichten können und auch Susi in eine bessere Lage verholfen und es ist von Vorteil, dass außen die Scheiben getönt und daher undurchsichtig sind.

 

Mein nächster Gedanke: Gut ist, niemand traut uns schwachen Frauen zu, dass wir und widersetzen und fliehen. Das muss man ausnützen.

 

Obwohl unwahrscheinlich möglich, probiere ich die Tür zu öffnen und sieh da, sie geht auf. Wir klettern raus. Susi purzelt mehr raus. Niemand sieht uns. In nächster Nähe liegen und wiederkäuen die weißen Kamele, die übrigens auch nicht anders als braune Kamele riechen.

 

Ich renne zu den Tieren, von denen ein besonders vertrauenswürdig und sanft wirkendes nur mit ein paar Riemen zum Führen, aber ohne Sattel im Gras liegt. Susi folgt, wohl mangels eines besseren Planes hopsend, so gut sie kann. Wir klettern auf das Vieh, das das Kitzeln englischen Grases auf dem Bauch anscheinend genießt, weil es ein bisschen hin und her schaukelt und es gelingt uns das Tier, das wie auf Kommando aufsteht (vielleicht war das Gras doch zu feucht), sogar in Trab zu setzen, was uns furchtbar schüttelt.

 

Susis Noch- Ehemann, bemerkt unseren Fluchtversuch als Erster, sprintet, die verdutzten Araber mitten im Gespräch stehen lassend, los und verstauchte sich umgehend gewaltig den Fuß. Er humpelte auf ein Kamel zu, welches sich aber wohl wegen des ausbrechenden Tumultes erhoben hat, sodass er mühselig auf das Tier klettern muss und, was ich mittlerweile aus den Augenwinkeln sehe, gleich runterplumpst.

So kriegen wir Vorsprung. 

Unsere Wache kann uns nicht verfolgen, denn wir reiten ins Gelände. Da bleibt kein Mercedes heil. Und sie trauen sich nicht auf die heiligen Wüstenschiffe zu ballern, geschweige denn, Waffen zu ziehen!

 

Bleibt uns nichts anderes übrig als zu vertrauen, dass das Wüstenschiff in die richtige Richtung rennt. Das tut es. Wir hören noch ein wenig die Araber, sicherlich zuerst überrascht, dann entsetzt, dass man ihre hübschen Rennkamele derart missbraucht, kehlig zetern: „Wallah, Wallah!“

 Unsere Reittiere rasen querfeldein auf London zu. Wir klammern uns an die Riemen und ans Fell.

„Was zum Teufel“ sage ich, bevor das Gerüttle des galoppierenden Höckertieres mich meine weiteren Worte verschlucken lässt.

„Wollte meinen Mann verlassen.“ keckert Susi, wegen der Erschütterungen.

„Borsalinoträger?“ (Muss mich kurz fassen, man kann im Wüstengalopp nicht wirklich gut kommunizieren…)

 

 

„ Ja. Hab mich verliebt.“ Ich verdrehe meine Augen, klammere mich fester an das Reittier. „In den Gangster?“

„Wusste nicht.“

„Bist ihm auf die Schliche…?“

„So ungefähr,...nein, er hat geglaubt ich bin...“

„Wieso?“

 

„Bin mit ihm nach Sizilien. Aber in Sizilien Ehefrau sein...“

„Ah. Wolltest Trennung, weil italienische Ehe dir nicht taugt.“

Unser Reittier wird nun langsamer. (Wir können längere Sätze sprechen.)

Er hat geglaubt, sie wollte sich trennen, weil sie ihn durchschaut hatte. Sie aber trennte sich, weil in Sizilien Verheiratetsein bedeutete: erstens, unter der Fuchtel der Schwiegermutter zu stehen und zweitens, in der Hackordnung des Clans, der nicht durchwegs der ehrenwerten Gesellschaft zuzurechnen war, ganz unten zu liegen.

 

Als Susi ihm eröffnete, sie wolle sich trennen, machte er Druck, weil er sich ertappt fühlte. Eine deutschsprachige Bionda konnte schon gewieft sein, oder sizilianische Regeln nicht verstehen, oder das System ungewollt oder absichtlich aufmischen.

(Immer das Gleiche mit ausländischen Männern. Zuerst fliegen sie auf exotische Frauen und dann kriegen sie Muffensausen von wegen Traditionsbruch, fremdeln der eigenen Mama gegenüber, interkulturelle Ehekonflikte halt... muss diesen Gedanken als Basiserkenntnis festhalten).

Mittlerweile hat uns unser Kamel glatt bis zu einem Vorortebahnhof gebracht und schmeißt sich angesichts der riesigen Transportmittelkonkurrenz auf den Boden.

 

Ich sehe nun klarer, obwohl auch ich und Susi auf den Boden geschmissen werden. (sollte ich nicht unrühmlichere Passagen dieses Abenteuers später tilgen? So wie diese mit der unsanften Landung nach dem Kamelritt).

 

Wir lassen das Reittier liegen und betreten die Halle des Gebäudes das im Ingenieurstil des 19. Jahrhunderts, fast schon zu pompös für einen Vorort, erbaut ist. Man hat zudem eine Freitreppe aus Holz errichtet, die zu einem überdimensionalen, mit Fototapete überzogenem Laubsägeszenario führt, welches einen Film, wohl einen Blockbuster ankündigt. (Wirkt sehr kantig, die dargestellten männlichen Filmstars profitieren davon, die weiblichen weniger.)

Wir versuchen dort rauf zu gelangen, um uns Überblick zu verschaffen, denn dieser Bahnhof ist ziemlich belebt. Auf halber Höhe hören wir Poltern, was bedeutet, dass die Masse der Reisenden gerade in Unordnung gebracht wird.

 

Unsere Italiener haben uns gefunden und mischen die Menschen, die sich in England selbst zu tausenden wohl geordnet bewegen, auf.

Wenigstens haben sie keine Waffen gezogen; aber sie stürmen auf die Treppe zu.

Uns nützt nur Überraschung. Wir drehen um und rennen wieder runter, den Verfolgern entgegen und an ihnen vorbei. (Weil wir eher zarte Frauen sind, tun wir uns leichter zwischen den Leuten einen Weg zu finden.)

 

Wir schaffen es tatsächlich, die Distanz zu unseren Verfolgern zu erhöhen. Susi schnappt meinen Arm und zieht mich in ein dunkles Eck. Ich widersetze mich, denn dunkle Ecken sind im Kontext mit kriminellen Verfolgern eher kontraproduktiv.

Sie signalisiert, sie kennt sich hier aus, weil sie ja die Prinzessin -Diana- Führungen gemacht hat. Sie weist auf eine unscheinbare Tür, die auch die Prinzessin von Wales benutzt hatte, um den Reportern zu entfliehen, als sie ihr Techtelmechtel mit dem persischen Herzchirurgen hatte.

 

Das Portal erweist sich als Schleuse zum Heiz- und Wasserversorgungssystem des Bahnhofes.

Wir haben Glück. Ein vertrauenswürdig wirkender Mann mit Overall schreitet die Rohre ab.

Susi spricht ihn mit Namen an. Es ist der Sanitärtechniker des Bahnhofs.

Sie blockt die üblichen britischen Begrüßungsfloskeln ab.

„Hilf uns, wir werden verfolgt.“

„Ernsthaft?“

„Ernsthaft. Geht´s hier irgendwo raus?“

„Nein. Ihr müsst zurück“

„Kannst du nicht für ein Chaos sorgen? Irgendwas was alle anderen aufhält?“

Der Mann grinst. Er muss ein Walliser sein. Die sind unkonventionell. Ein Engländer hätte sein Handy gezückt, uns angehalten, uns still zu verhalten und die Polizei angerufen.

Nicht er. Er liebt anscheinend Abenteuer, und vielleicht will er´s den Engländern zeigen. (das wird aber die englische Polizei nicht erfahren!)

 

Er lässt uns hinter sich treten, schnappt sich einen dicken Schlauch, öffnet die Tür und lässt das Wasser mit einem Hebeldruck aus dem Rohr schießen.

Das Wasser reißt den vordersten Menschen die Beine aus und verteilt sich blitzartig auf dem gefliesten Boden des Bahnhofs. Der nasse Untergrund wird zunehmend ziemlich rutschig. Während sich die Flüssigkeit, sich mit dem Bodensatz des Bahnhofes mischend, langsam braun färbt, beginnen die Menschen reihenweise, den Halt zu verlieren. Wie Dominosteine purzeln sie dahin. Auch die schwarzen Ganoven.

Wäre es für uns nicht so brenzlig, wäre es echt zum Lachen. Irgendwie komisch. Das Ganze…

Die Überschwemmung ruft die Sicherheitskräfte des Bahnhofs auf den Plan.

Doch genau damit hat der schlaue Techniker gerechnet. Die Polizei zu anzurufen, hätte Wartezeit erfordert. Die Sicherheitskräfte sind vor Ort und es braucht aus der Sicherheitskabine nur einen Knopfdruck um Polizei, Rettung und Feuerwehr zu rufen.

 

Susi und ich sehen einander im größten Chaos an. Wir sind uns wortlos einig, wir hauen ab. Denn wir, wir wollen mit der Mafia nicht in Verbindung gebracht werden. Auch nicht mit dem Chaos rund um den Werbeaufbau, der sich von unten mit Wasser vollsaugt, nicht mit dem seltsamen rosagrünen Lokal, den weißen Kamelen, den Arabern, nicht einmal mit Lady Di´s Brautsalon.

 

Das ist doch irgendwie ziemlich starker Tobak, kuriose Geschichte. Wer weiß, was an uns dann sonst noch hängen bleibt. Sollen die Behörden ohne uns fertig werden.

Mache aber trotzdem diese Notizen. Man kann nie wissen, wofür ich sie brauche. Alleine die Situationsanalysen. (Gehören archiviert...irgendwie...)

Oder, hab ich das Alles nur geträumt?

 

14.6. 2011

Alles hat sich in Finsternis gehüllt. Die Geräusche sind verebbt, bevor es das dem den Versorgungsrohren entkommene Wasser widerfahren konnte. Ach...du... Schei...wo sind denn die Bösewichte? Susi? SUSII? Ich reiße meine Augen auf, die ich in der Finsternis völlig kontraproduktiv zusammengekniffen hatte:

 

Verdammt, es war ein Traum!



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